Der Markdorfer Bauträger Betz und Weber Baupartner GmbH verlegt seinen Sitz nach Ravensburg. Der Umzug ist in vollem Gange: In der Ensisheimer Straße stapeln sich Kartons, die neuen Räume im Ravensburger Gewerbegebiet Erlen an der B 33 werden bereits bezogen. "Unsere künftige Hauptbautätigkeit wird im Schussental sein", begründet Geschäftsführer Albert Drescher die Entscheidung für den Wegzug aus Markdorf. Drescher wechselte vor einem halben Jahr zu Betz und Weber, wo er mit Geschäftsführer Alexander Weber das Führungsduo bildet. Weber ist für Projektierung und Bautätigkeit zuständig, Drescher für die Kundenbeziehungen.

Albert Drescher, Geschäftsführer von Betz und Weber Baupartner. Bild: Betz und Weber
Albert Drescher, Geschäftsführer von Betz und Weber Baupartner. | Bild: Betz und Weber

Großprojekt "Stadttor" in Ravensburg

Den Ausschlag gab nicht zuletzt die Beauftragung für das Großprojekt "Stadttor" durch die Stadt Ravensburg: An der Wangener Straße wird ein langer Baukomplex mit markantem Kopfgebäude entstehen, projektiert von Betz und Weber. 53 Wohnungen, 1000 Quadratmeter Gewerbefläche sind die Kennzahlen. In der Gewerbeeinheit würde sich Drescher die Tagespflege der Sozialstation Ravensburg wünschen, mit der man aktuell verhandele.

Stolz auf die soziale Komponente

Stolz sei man, das erste Wohnbauunternehmen zu sein, das das "Bündnis für sozialen Wohnbau" in Ravensburg unterzeichnet habe: 20 Prozent der Wohnfläche zu Mietpreisen von mindestens 15 Prozent unter dem Mietspiegel. "Diese soziale Komponente ist uns wichtig, sofern wir vernünftig nachverdichten können", sagt Drescher. Vernünftig nachverdichten heißt: In die Höhe bauen.

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Als kompetenter Berater in Markdorf nicht gefragt

Das hat Weber und Drescher offenbar in Markdorf gefehlt: Die Offenheit in Rat und Verwaltung, in der Baupolitik über den Schatten zu springen und spürbar verdichten zu wollen, ebenso wie das Gefühl, von der Stadt als kompetenter Berater gefragt zu sein. "In Ravensburg und auch in Überlingen sind die Bürgermeister auf uns zugekommen", sagt Drescher. So wird der Bauträger die Stadt Ravensburg nun beim Rahmenplan für die geplante großflächige Umgestaltung des Areals entlang der Bahnlinie beraten.

Der Streitfall Heggbacher Hof

Der Heggbacher Hof in der Spitalstraße, das älteste erhaltene Gebäude der Stadt, ist seit zehn Jahren im Besitz von Betz und Weber – und es ist ein Problemfall: Weil es denkmalgeschützt ist, sind tiefgreifende Eingriffe in die Struktur und das Erscheinungsbild nicht erlaubt. Eine Sanierung wiederum ist sehr aufwändig. Das Unternehmen wollte der Stadt das Gebäude vor rund einem Jahr verkaufen, der Kaufpreis von 600 000 Euro war der Stadt aber zu hoch. Über 350 000 ließe sich reden, so Riedmann damals.

Einen Bauantrag für ein Mehrfamilienhaus direkt daneben auf dem selben Grundstück lehnte der Gemeinderat ab und erließ stattdessen eine Veränderungssperre, die jegliche baulichen Veränderungen auf dem Grundstück untersagt. Betz und Weber beantragte daraufhin den Abbruch des Hofes, den die Sperre aber wiederum verbietet.

Beim Heggbacher Hof wurden sich Betz und Weber und Stadt nicht einig. Bild: Toni Ganter
Beim Heggbacher Hof wurden sich Betz und Weber und Stadt nicht einig. | Bild: Grupp, Helmar

Wo der Gemeinderat ein Stockwerk strich

Einen Dämpfer hat Betz und Weber im Oktober 2011 erhalten: Der Gemeinderat strich dem Bauträger das beantragte vierte Vollgeschoss für die "Alte Feuerwacht", das kombinierte Wohn-/Geschäftshaus auf dem Areal des alten Feuerwehrhauses im Stadtgraben. Den Räten erschienen die Pläne zu wuchtig, die Bebauung als zu hoch für den Innenstadtbereich. Das Gebäude wurde mit drei Vollgeschossen und einem zurückgesetzten Penthousegeschoss errichtet. Mittlerweile sind selbst Stadträte, die das ursprüngliche Vorhaben seinerzeit abgelehnt hatten, der Meinung, dass ein weiteres Vollgeschoss dem Haus gutgetan und der Umgebung nicht geschadet hätte. "Alles, was innerstädtisch in der Höhe nicht geht, muss im Markdorfer Süden realisiert werden", hatte Alexander Weber seinerzeit gegenüber unserer Zeitung gesagt.

Die "Alte Feuerwacht" musste um ein Geschoss reduziert werden. Bild: Helmar Grupp
Die "Alte Feuerwacht" musste um ein Geschoss reduziert werden. | Bild: Grupp, Helmar

Doppelhäuser huckepack

Im Markdorfer Ortsteil Leimbach, nördlich der B 33 in den Hinteren Birken, hat Betz und Weber vier so genannte Pickup-Doppelhäuser mit insgesamt 16 Wohneinheiten errichtet. Ein Pickup-Haus besteht aus zwei Haushälften: Die untere hat einen Garten, die obere, die quasi huckepack draufsitzt, eine Terrasse auf dem Flachdach des unteren Hauses. Dieses Konzept hat das Unternehmen auch in Markdorf-Süd realisiert, mit 16 Pick-up-Häusern. Ein Kaufangebot als Gegengeschäft für den Verkauf des Heggbacher Hofes für die letzten 13 freien Grundstücke in Markdorf-Süd, auf denen das Unternehmen weitere 26 Pick-up-Doppelhäuser errichten wollte, hatte Bürgermeister Georg Riedmann seinerzeit abgelehnt. In Leimbach wurden die jeweils 100 bis 150 Quadratmeter großen Wohneinheiten für 370 000 bis 450 000 Euro angeboten.

Die Pick-up-Doppelhäuser in Leimbach wurden Ende 2016 bezogen. Bild: Helmar Grupp
Die Pick-up-Doppelhäuser in Leimbach wurden Ende 2016 bezogen. | Bild: Grupp, Helmar