Als hochkarätig und selbst für Nichtwissenschaftler verständlich bezeichnete Gymnasial-Direktorin Diana Amann die Vorträge der Schüler des Bildungszentrums Markdorf (BZM), denen am Samstag der Wirtschaftsförderpreis verliehen wurde. Von Exzellenz sprach Bürgermeister Georg Riedmann im drastischen Vergleich zu fehlender Begeisterung innerhalb der deutschen Fußball-Nationalelf. "Erfolg, Begeisterung und Empathie geben Leichtigkeit und beflügeln", spannte Riedmann den Bogen. Gleich zwei prämierte Projekte im Bereich Naturwissenschaft sind aus der Fußballroboter AG und deren Teilnahme an der Weltmeisterschaft hervorgegangen. "Man braucht hierfür nicht nur einen Trainer, man muss auch den Teamgeist stärken", sagte Riedmann. Dies reiche am Bildungszentrum "weit über das Maß des reinen Lernens hinaus". Es benötige aber auch Unterstützung von außen, wie durch den Wirtschaftskreis, der den Förderpreis zum achten Mal verlieh.

Eric Pitz (links) und Florian Gebardt führen einen ihrer Fußballroboter vor. Noch besteht das Spiegellinsenobjektiv aus einer Christbaumkugel.
Eric Pitz (links) und Florian Gebardt führen einen ihrer Fußballroboter vor. Noch besteht das Spiegellinsenobjektiv aus einer Christbaumkugel. | Bild: Helga Stützenberger

"Sie sehen mich tatsächlich etwas sprachlos, was ich ansonsten gar nicht bin", beteuerte Manfred Schlett, Geschäftsführer der Kendrion Markdorf GmbH und Stellvertreter des Wirtschaftskreises. Tief beeindruckt sei er von dem, was von den Schülern vorgestellt wurde. Stärkste Triebkraft zu solchen besonderen Leistungen sei nicht das Wissen allein, sondern vor allem die Motivation und das Engagement, an einem Thema dran zu bleiben, überhaupt erst so tief reinzugehen. "Genau diese Leute suchen wir in der Wirtschaft", so Schlett. Über den wissenschaftlichen Ansatz hinaus ist er von der Macht der Sprache als Nahtstelle zwischen den Kulturen überzeugt. "Das Erlernen von Sprache wird irgendwann nicht mehr wesentlich sein." Dafür gebe es bald perfekte Übersetzungsprogramme. Aber der menschliche Kulturraum – das, was Sprache erlebbar und lebhaft mache – ließe sich nicht ersetzen. "Und ein Roboter wird niemals Empathie empfinden und Emotionen zeigen können."

Jakob Holz mit seiner universell einsetzbaren Platine für Fußballroboter.
Jakob Holz mit seiner universell einsetzbaren Platine für Fußballroboter. | Bild: Helga Stützenberger

Die Preisträger
und ihre Projekte

  • Jakob Holz: Die Entwicklung einer universell einsetzbaren Platine, "Das Board", hat sich Jakob Holz zur Aufgabe gemacht. Seit mehreren Jahren engagiert in der Roboter AG, sah sich der Schüler zunächst vor die Frage gestellt: Weshalb überhaupt eine Platine selbst herstellen? "Erstens, weil eine Platine immer wieder kaputt geht, zweitens weil eine Platine universell einsetzbar sein soll, und drittens, weil sie das Herz und Gehirn eines Roboters ist." Die naheliegendste aller Antworten lieferte Mentor Klaus Kümpel mit einem Hilferuf aus dem Hinterraum: "Wir brauchen dringend eine neue Platine!" Jakob Holz selbst sagt, zunächst keine Ahnung davon gehabt zu haben. "Selbst den Schaltplan habe ich verkehrt in der Hand gehalten." Aber es sei für ihn eine große Herausforderung gewesen. "Also habe ich Stück für Stück begriffen und dazugelernt."
  • Florian Gebhardt und Eric Pilz: Ebenfalls aus der Roboter AG hervorgegangen ist die Entwicklung eines Spiegellinsenobjektivs, mit der sich Florian Gebhardt und Eric Pitz befassten, als nach neuen Wettkampfbedingungen der Ruf nach einem 360-Grad-Objektiv laut wurde. "Der Roboter kann den Ball nicht aus jedem Blickwinkel sehen", erklärte Eric Pitz. Also wollte man sich mit Spiegeln behelfen. Einfallswinkel gleich Ausfallfallwinkel war dabei das einfachste Prinzip, dem bis dahin noch gut zu folgen war. Weitere Berechnungen indes waren nur noch den Spezialisten vorbehalten, denen zunächst mit Zuhilfenahme eines Provisoriums – einer Christbaumkugel – dieser Geniestreich gelungen war. Dank des Angebots eines Weltmarktführers in Sachen Photonik soll bald die Christbaumkugel einer Kugellinse weichen und der WM in Sydney nichts mehr im Weg stehen.
  • Lea Luchterhand: Den Preis für Sprachen erhielt Lea Luchterhand, die persönlich nicht an der Verleihung teilnehmen konnte, sich und ihr Vorhaben aber per Videobotschaft vorstellte. Mit einer Abi-Note von 1,0 in Englisch und Französisch steht sie nun vor der Wahl des Landes, das sie bereisen möchte. Aber auch vor der Wahl des Themas, das sie vertiefen möchte. "Ausgeschlossen habe ich mittlerweile die USA", richtet die Abiturienten ihre Worte an das Publikum. "Da will ich zur Zeit wirklich nicht hin. Und auch nicht nach Australien", aber das hätte einen anderen Grund: "Da gibt's so viele giftige Tiere." Ansonsten sei sie offen für die ganze Welt, für neue Perspektiven und persönliche Bereicherungen in einer immer stärker vernetzten Welt. "Jedes Wort, das man in einer anderen Sprache beherrscht, ist ein Geschenk", ist sie der festen Überzeugung. (hst)