Herr Kirchhoff, sind Sie mit der Saison zufrieden?

Die war genauso gut wie 2016 und 2017. Wir arbeiten ohnehin an der Kapazitätsgrenze.

Wie viele Gäste pro Jahr beherbergt der Ferienwohnpark?

Wir haben knapp 11 000 Gäste, die von April bis Oktober bei uns Urlaub machen. Das sind rund 80 000 Übernachtungen, gut ein Viertel aller Gästeübernachtungen in Immenstaad pro Jahr. Im Winter lohnt sich das Vermieten nicht, da ist eben viel zu. Und die Weihnachtsmärkte am See allein sind kein Buchungsgrund. Unsere Philosophie ist: Wir bieten für die Touristen von Frühling bis Herbst ein Zuhause am Bodensee; von Immenstaad aus können sie das große Angebot und Programm in der internationalen Seeregion nutzen.

Was bieten Sie Ihren Gästen?

Wir machen unser Kerngeschäft: wir vermieten Ferienwohnungen und -häuser, unterhalten also keinen Supermarkt, keinen Radverleih, kein Restaurant. Dieses Geld lassen wir der Region und den Unternehmen, die vom Tourismus profitieren. Zum Kerngeschäft gehört natürlich die Information unserer Gäste über das Angebot hier, eine private Tourist-Information sozusagen. Und wir sind sieben Tage in der Woche für die Gäste da, was auch mancher Urlauber nutzt, der unten im Dorf eine Unterkunft gemietet hat, am Wochenende ankommt und beispielsweise die Bodensee-Erlebniskarte kaufen will. Eigentlich wäre das der Job der Kommune, wenn sie schon eine Tourist-Info hat.

Braucht es diese Anlaufstelle für Touristen noch?

Wer fährt denn heute noch irgendwohin und bucht vor Ort eine Unterkunft? Die Gäste buchen und informieren sich vorher im Internet. Vor Ort übernehmen diese Leistung die vielen Gastgeber, auch kleine Vermieter. Dort liegt die Verantwortung, und das führt auch zu mehr Qualität in der Beratung. Ich halte ein gutes Stadtmarketing für sinnvoller als eine Tourist-Info, die den Steuerzahler jedes Jahr einen siebenstelligen Betrag kostet.

Aber zumindest für die Tourismusverwaltung samt Kurtaxe-Abrechnung braucht ein Ferienort wie Immenstaad doch eine kommunale Anlaufstelle?

Es gibt eine ganze Reihe von Vermietern in Immenstaad, die nicht bei der Gemeinde als Gastgeber angemeldet sind. Wohnungen zu Ferienwohnungen zu machen liegt doch voll im Trend. Diese Zweckentfremdung ist ein großes Problem, was die Einheimischen in Sachen Tourismus doch immer skeptischer werden lässt. Die Verwaltung prüft zwar diverse Angebotsportale wie Airbnb, kommt aber kaum hinterher. Es bräuchte baurechtliche Auflagen für Beherbergungsbetriebe. Wir müssen als Ferienort in die Qualität investieren, nicht nur auf die Gästezahlen schauen. Dafür braucht es keine Kurtaxe, die gehört meiner Meinung nach abgeschafft.

Keine Kurtaxe?

Die ist der Ursprung allen Übels. Eine Steuer, deren Höhe von ein paar Gemeinderäten beschlossen werden kann. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten. In keinem anderen Wirtschaftssektor als der Beherbergungswirtschaft wird der Kunde für sein Kommen zusätzlich zur Kasse gebeten. Eine Fremdenverkehrsabgabe, die der Gastgeber zahlt, finde ich hingegen okay.

Beklagen sich Ihre Gäste über die Kurtaxe?

Die liegt in Immenstaad derzeit bei 1,30 Euro pro Person ab 16 Jahren und Nacht. Das wird von den Gästen akzeptiert, weil die Höhe überschaubar ist. Aber die Frage wird oft gestellt, wofür sie das bezahlen. Freie Fahrt mit dem Ortsbus, ein Euro Ermäßigung beim Familieneintritt im Aquastaad und aktuell neun weitere Rabatte bei Immenstaader Aktionen, dazu vier kleine Ermäßigungen bei Attraktionen in der Nachbarschaft. 2016 hatten wir zusammen mit anderen Gemeinden die BodenSeeTeam-Card. Da erhielten unsere Gäste weit über 100 Vergünstigungen in neun Seegemeinden, dazu im Sealife Konstanz, Conny-Land Lipperswil in der Schweiz oder im Inatura in Dornbirn. Das alles wird seit 2017 mit Einführung der Echt-Bodensee-Card nicht mehr rabattiert, weil unsere Touristiker im Rathaus der EBC mit der Immenstaader Gästekarte keine Konkurrenz machen wollen. Steht hier wirklich der Gast im Vordergrund?

Voraussichtlich im Oktober soll der Gemeinderat über die Einführung der EBC-Gästekarte 2019 in Immenstaad entscheiden, hat die Tourist-Info allen Gastgebern mitgeteilt. Was denken Sie darüber?

Wenn die Gäste solch eine Karte haben wollen, bin ich der Letzte, der dagegen spricht. Aber unsere Gäste möchten keine kostenlose Nutzung des ÖPNV und dann 2,50 Euro Kurtaxe pro Nacht und Nase dafür bezahlen. Die sind sehr individuell rund um den Bodensee unterwegs. Mit der EBC hört der Spaß an der Landkreisgrenze nach Konstanz schon wieder auf. Zwei Drittel unserer Gäste schwingen sich aufs Rad, erkunden die Gegend mit dem E-Bike. Und eine Familie mit zwei kleinen Kindern setzt sich mit ihrem ganzen Geraffel doch in keinen Bus, um zum Affenberg zu fahren! Wer Bus und Zug fahren will, zahlt gern dafür. Die Seelinie und die Gürtelbahn sind attraktiv.

Also ist die EBC zu teuer?

Der Landkreis sollte zunächst in die Qualität des ÖPNV investieren, bevor er den Preis an die Schmerzgrenze der Urlauber treibt. Andere Regionen bieten die selben Leistungen für lediglich 40 Cent, wir verlangen einen Euro. Ein Gastgeber kann seinem Gast auch nicht in Aussicht stellen, dass er eventuell in fünf Jahren das Zimmer renoviert wird. Das Spiel geht anders herum. Außerdem gehen allein 25 Cent davon ohne erkennbaren Gegenwert an die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH (DBT), die im Übrigen nicht der Gast bezahlt, sondern die Gemeinde. Immenstaad würde für diese fragliche Tourismusförderung zirka 100 000 Euro im Jahr von seinen Einwohnern abverlangen, die natürlich an anderer Stelle fehlen. Dabei zahlt die Gemeinde nur, entscheidet aber nicht mit. Hauptgesellschafter der DBT ist der Bodenseekreis mit 70 Prozent, der am Ende immer das Sagen hat. Durch die Verträge zwischen Gemeinde und DBT erzwingt der Landkreis so einen grundlegenden Einfluss in das Tourismusmarketing.

Warum kritisieren Sie das so scharf?

Ich behaupte, dass die DBT gegründet wurde, damit der Landkreis zugunsten des ÖPNV, für den er ja zuständig ist, auf die Kurtaxe der Gemeinden zugreifen kann. Denn die Hälfte der Kurtaxe fließt raus aus der Kommune für ein Angebot, das die Gäste aus meiner Sicht gar nicht nachfragen. Es ist schon eine schizophrene Situation: Der Landrat rechtfertigt den Preis für die EBC mit betriebswirtschaftlichen Argumenten, nutzt aber das Kommunale Abgabengesetz als Rechtsgrundlage für die Gästekarte. Das hat nichts mit Wirtschaftspolitik zu tun, sondern vielmehr mit Politikwirtschaft. Bis jetzt sind für „Echt Bodensee“ Steuergelder der Kreisbewohner in Millionenhöhe verpufft. Und das Ganze bleibt ohne Konsequenzen. Schlimmer noch: Die EBC-Sau wird weiter durchs Dorf gejagt.

Also keine Gästekarte am Bodensee?

Eine Gästekarte ist kein Buchungsgrund. Das Gesamtpaket muss stimmen, und da zieht bei uns die internationale Seeregion, nicht Immenstaad oder Meersburg als Übernachtungsort. Im besten Fall ist solch eine Gästekarte eine Serviceleistung der Region, dann muss sie aber rund um den See nutzbar sein. Was bisher gemacht wird, ist nicht für den Gast. Da ging es um Geld und Einfluss. Wenn man die Kurtaxe nutzen will, um weniger Gäste an den Bodensee zu bringen, dann ist die EBC das richtige Instrument. Ansonsten entwickelt man gute Angebote wie die Bodensee-Erlebniskarte und das Bodenseeticket weiter – am besten unter dem Dach der gemeinsamen, internationalen Tourismusorganisation IBT.

Sie sind im Vorstand des Verbands der Tourismuswirtschaft Bodensee (VTWB). Wie positioniert sich der Verband, was die Vermarktung der internationalen Bodenseeregion angeht?

Wir haben für den 31. Oktober eine außerordentliche Vorstandssitzung einberufen, um genau das zu besprechen. Im VTBW sind nicht nur die Top 10 am See wie die Mainau, die BSB, Pfahlbauten oder Pfänder, sondern alle namhaften Leistungsträger in der Tourismuswirtschaft rund um den See vertreten. Es ist wichtig, dass wir uns gemeinsam abstimmen.

Fragen: Katy Cuko

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