Auch wenn an der Frontseite des gestelzten Fachwerkhauses die Jahreszahl 1578 steht, gebe es deutliche Hinweise, dass es noch älter sei, erklärte Schwörer. Heimatforscher Wolfgang Trogus habe herausgefunden, dass es das frühe Rathaus der Gemeinde gewesen sei, von dem 1522 erstmals schriftlich berichtet wurde.

Florian Schwörer (links, mit Mikrofon) zeigte am Tag des offenen Denkmals vielen Interessierten sein etwa 500 Jahre altes Haus.
Florian Schwörer (links, mit Mikrofon) zeigte am Tag des offenen Denkmals vielen Interessierten sein etwa 500 Jahre altes Haus. | Bild: aus der Nähe betrachten,

Seit fünf Generationen im Besitz der Familie Schwörer

Die Nutzung änderte sich mehrfach, so wurde das Haus etwa 1723 als Salz- und Torkelhaus der Gemeinde beschrieben. 1882 kam es bei einer Versteigerung in den Besitz der Familie Schwörer. Florian Schwörer und seine Familie bewohnen es in fünfter Generation.

Mancher forderte einst den Abriss

1882 sei das Haus dringend renovierungsbedürftig gewesen, manche hätten seinen Abriss gefordert, so Schwörer. Daraus erkläre sich der Spruch an der Giebelseite: "Wer da bauet an den Straßen, muss die Leute reden lassen. Wenn's nach aller Leute Wunsch würd gehen, würd dieses Haus hier nicht mehr steh'n". Der damalige Pfarrer habe sich für den Erhalt ausgesprochen, aber auch der Schiffsknecht Vinzenz, der mit seiner Frau einen Anbau hinter dem Haus bewohnte. Der Legende nach hat Vinzenz das schiefe Haus mit Hilfe eines kräftigen Seils und seiner enormen Kräfte wieder gerade gerückt.

Historische Ziegel bedecken das Dach

Den Besuchern zeigte Schwörer den mit Backsteinen gemauerten Gewölbekeller und führte sie dann auf den Dachboden, wo die Ziegel von innen zu sehen sind. Das Dach ist 2015 denkmalgerecht renoviert worden. Dabei wurden alle noch intakten historischen Ziegel wieder verwendet. Ersatzziegel wurden eigens von Hand in Brandenburg gefertigt. Holzwürmer haben das Gebälk nie befallen. Das liege wohl mit daran, dass der Rauch des Küchenherdes jahrhundertelang auf den Dachboden geleitet wurde, erklärte der Hausherr.

Auf dem Dachboden konnten die Besucher die jahrhundertealten Ziegel, die man "Nonnen und Mönche" nennt, aus der Nähe betrachten.
Auf dem Dachboden konnten die Besucher die jahrhundertealten Ziegel, die man "Nonnen und Mönche" nennt, aus der Nähe betrachten. | Bild: Gisela Keller