Spannende und bislang relativ unbekannte Hintergrundgeschichten zu vergangenen Ereignissen in der Region verspricht ein Blick in den zweiten Band der heimatgeschichtlichen Reihe Linzgau-Mosaik. Vorgestellt wird das 136 Seiten umfassende Buch am Donnerstag, 15. November um 19 Uhr im Heiligenberger Sennhof. Schwerpunktmäßig befassen sich die Autoren Hugo Gommeringer, Gerlinde Kriese und Albert Mayer diesmal mit der Industriegeschichte im Salemertal, der Geschichte des ehemaligen Heiligenberger Instituts, mit der Badekultur sowie mit Marienkirchen und Wallfahrtsstätten der Region. Menschengeschichten stehen dabei immer im Vordergrund.

Forschung nach Heilmittel für nuklear Verseuchte

Wie es dazu kam, dass ein 60-köpfiger Institutsstab in den 50er Jahren ausgerechnet in Heiligenberg an Heilmitteln für nuklear Verseuchte forschte, verriet das Heimatforschertrio vorab. Die Autoren gaben damit Details zu dem engen Zusammenhang zwischen der früheren Heiligenberger Badeanstalt, den Instituts-Wissenschaftlern und der Brauerei des fürstlichen Hauses preis. Bekannte Professoren für Naturwissenschaft der Universität Freiburg waren demnach im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg heimatlos geworden. Über Verbindungen zur örtlichen Fürstenfamilie seien die Biologen nach Heiligenberg gekommen, erzählen die Heimatkundler.

Was hat die biologische Forschung mit Bier zu tun?

„Nebenprodukte der biologischen Forschungen kamen der damaligen Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei zu Gute und sind bis heute von Vorteil für Biertrinker“, betont Gerlinde Kriese. Mehr will sie aber nicht dazu sagen. „Alles Weitere kann man beim Lesen herausfinden.“ Eine kleine Anekdote aus Institutszeiten halten Gommeringer, Mayer und Kriese trotzdem noch bereit: weil in der Badeanstalt zeitweise auch die Versuchstiere des Instituts herumschwammen, habe das Bad bei den Einheimischen auch „Grottenbad“ geheißen. Eigentlich war geplant, die von der damaligen Bundesregierung unterstützte Forschergruppe von Heiligenberg aus in die 1966 entstandene Universität Konstanz zu integrieren. Das scheiterte nach Angaben der Buchautoren aber an dem Ziel der Naturwissenschaftler, unabhängig zu bleiben. Nach und nach löste sich das sogenannte Heiligenberger Institut schließlich auf.

Autorentrio sichtet unzählige Fotos und Dokumente

Unzählige Fotos und Dokumente aus behördlichen, fürstlichen und privaten Archiven hat das Autorentrio für das zweite Heimatgeschichtsbuch gesichtet. Es sei aufwendig gewesen, sind sich die drei einig. Vor allem hätten sie beim Recherchieren Disziplin bewahren müssen, weil sich immer wieder neue Nebenpfade aufgetan hätten. Trotzdem machen sie die ehrenamtliche Arbeit gern.

Geschichte für künftige Generationen erhalten

„Wir sind fasziniert von heimatlichen Wurzeln und wollen wertvolle Geschichte für künftige Generationen erhalten“, unterstreicht Gommeringer. Ihr Anspruch lautet: „Das Ganze soll gut lesbar und keinesfalls staubtrocken sein.“ Um authentisch rüberzukommen, orientieren sie sich vor allem an den Menschen hinter der Historie. Wo es möglich ist, lassen sie Zeitzeugen und Fachleute zu Wort kommen. Als Gastautoren konnten sie Werner Goller, Hermann Keller, Werner Kesenheimer, Peter Nicola und Viktoria Opferkuch gewinnen.