Wenn am 16. Juli die neuen Gemeinderäte offiziell in ihr Amt eingeführt werden, dann ist sicher, dass Bürgermeister Frank Amann drei Namen nicht aufrufen wird. Lorenz Duelli, Alfred Rock und Heinrich Stengele haben nicht mehr kandidiert. „Es war jetzt auch genug“, sagt Alfred Rock und erntet zustimmendes Nicken von seinen beiden Kollegen. Rechnet man die Amtszeit der drei Männer zusammen, kommt man auf 100 Jahre. Duelli, Rock und Stengele stammen alle drei aus Wintersulgen.

Heinrich Stengele war seit 1989 im Gremium

Heinrich Stengele blickt mit 30 Jahren auf die kürzeste Amtszeit. Als er zum ersten Mal kandidierte, da wohnte er noch in Echbeck. Er sei angesprochen worden, dass das doch „was für mich wäre“ und habe dann spontan zugesagt, für die Bürgerliste anzutreten, erinnert er sich. Und was er nicht erwartet habe: Er wurde gewählt. Damals galt noch die unechte Teilortswahl und die Ortsteile hatten eine festgelegte Anzahl von Sitzen im Gremium. Im Oktober 2003 beschloss der Gemeinderat dann die Abschaffung dieses Systems für das Jahr 2009. Seitdem gibt es in Heiligenberg keine Ortschaftsräte mehr und auch keine Ortsvorsteher. Dafür gibt es in Hattenweiler seit 1989 einen Ortsreferenten und auch für Wintersulgen wurde dieses Wahlamt 1994 eingerichtet, das Heinrich Stengele ebenfalls innehat.

„Wir hinterlassen ein geregeltes Haus“

Diesmal hätten sich viele junge Leute für einen Sitz im Gemeinderat beworben und da sei für ihn klar gewesen, dass er jetzt beruhigt aufhören könne. „Wir hatten keinen Mangel an Kandidatinnen und Kandidaten“, sagt der 56-jährige Bauunternehmer. Und wie Rock und Duelli ist er überzeugt: „Wir hinterlassen ein geregeltes Haus.“

Listenzugehörigkeit nicht wichtig

Im neuen Gremium werden gleich mehrere Landwirte sein. Vor allem die Ortschaften sind landwirtschaftlich geprägt. 1984 wollte die CDU für Wintersulgen einen jungen Landwirt im Gemeinderat haben. „Ich war kommunalpolitisch interessiert und da habe ich zugesagt“, erinnert sich Lorenz Duelli. Dass man für unterschiedliche Listen im Gremium saß, das machte nichts aus, sagt er bezogen auf die Zusammenarbeit mit Heinrich Stengele und Alfred Rock: „Wir hatten immer das gemeinsame Ziel im Auge. Und das bedeutete eine Vorwärtsentwicklung für die ganze Gemeinde.“

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Der Name Duelli wird übrigens weiterhin auf der Liste der Gemeinderäte vertreten sein. Dass sein Sohn Martin es in das Gremium geschafft hat, freut Vater Lorenz: „Er hat einfach mitbekommen, dass dieses Amt eine tolle Sache ist, weil man da wirklich etwas bewegen kann“, erklärt er das Engagement seines Sohnes.

Bedauern über das Abschneiden der Kandidatinnen bei der Wahl

Beinahe wäre auch der Name Rock weiterhin im Gremium vertreten gewesen. Aber Alfred Rocks Tochter Melanie hat es nicht geschafft. So wie mehrere andere Frauen auch nicht. „Für uns ist es ein Rätsel, warum jetzt nur noch eine Frau im Gremium ist“, sagt Alfred Rock. Im alten Gremium waren drei Frauen, zwei davon wurden nicht wiedergewählt. „Und das, obwohl die echt gute Arbeit gemacht haben“, betont Alfred Rock und erntet Zustimmung von seinen beiden Kollegen. Es habe nie Probleme gegeben. Mit Männern dagegen schon. Auch wenn das schon lange her sei. Nach der Eingemeindung sei die Situation nicht einfach gewesen: Ein neuer Bürgermeister, drei ehemalige Bürgermeister nun als Ortsvorsteher am Tisch und dazu das Misstrauen in der Bevölkerung, was denn in Zukunft werden solle.

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Alfred Rock: Mit Frank Amann kam ein anderer Stil

Zwei Bürgermeister erlebten die drei Männer, ehe 1999 dann Frank Amann Gemeindeoberhaupt wurde. „Und damit kam auch ein anderer Stil“, wie Rock anerkennend sagt. Personalwechsel in der Verwaltung und eine neue Diskussionskultur hätten mit dafür gesorgt, dass man wichtige Entscheidungen für die Zukunft habe treffen können. Das Sennhofgebäude wurde gekauft und umgebaut, das Rathaus saniert, ein großer Parkplatz angelegt und erst im vergangenen Jahr das neue Freizeitzentrum offiziell übergeben.

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„Wir sind nicht so groß, da muss man zusammenstehen, wenn man etwas erreichen will“

Die Erschließung von Baugebieten sei zwar ein Kraftakt für die kleine Kommune, aber die Entwicklung bestätige, dass Gemeinderat und Bürgermeister den richtigen Weg eingeschlagen haben, zeigt sich Heinrich Stengele überzeugt. „Wir sind nicht so groß, da muss man zusammenstehen, wenn man etwas erreichen will“, sagt der 56-Jährige. Obgleich es schon manchmal etwas länger gedauert habe, einen Konsens zu finden. Einmal habe man zwischen Weihnachten und Neujahr drei Sitzungen abhalten müssen, weil wichtige Entscheidungen anstanden. Heutzutage treffe man sich in der Regel ein Mal im Monat.

Alfred Rock sagt: „Ich höre mit einem guten Gefühl auf.“ Manchmal habe man nicht alle Erwartungen der Bürger erfüllen können, aber die Richtung sei zukunftsorientiert und positiv gewesen. Wenn Stengele, Rock und Duelli unterwegs sind, werden sie oft angesprochen und auch mal auf Probleme aufmerksam gemacht, erzählen die Drei. „Dabei ist klar, dass man sich bei uns auch mit kleinen Dingen ans Rathaus wenden kann, auch wenn eine Lampe mal nicht brennt“, sagt Rock. Der Gemeinderat sei da nicht zuständig.

„Wir hatten so lange Spaß miteinander, weil wir gleich ticken“

„Man muss seine Zeit richtig planen, dann funktioniert es“, antwortet Heinrich Stengele auf die Frage nach der zeitlichen Belastung. „Lebenserfahrung und Selbstständigkeit bringen viel“, sagt Lorenz Duelli. Er sei überzeugt, dass das neue Gremium sehr gut zusammenarbeiten und der Teamgeist nicht verschwinden werde.

Wird den drei Ex-Gemeinderäten etwas fehlen? Eigentlich nicht, sagen Stengele, Duelli und Rock. Aber: „Ich habe schon ein etwas komisches Gefühl“, gibt Heinrich Stengele zu. Denn: „Wir hatten so lange Spaß miteinander, weil wir gleich ticken.“ Wie seine drei Kollegen ist er überzeugt, dass sie nach ihrer Amtszeit mit erhobenem Haupt durch die Gemeinde gehen können und sich nicht verstecken müssen.

„Wir haben unsere Arbeit getan“

Wie denken die Männer über eine Amtszeitbegrenzung für Gemeinderäte? „Die Länge ist nicht entscheidend. Der aktive Lebensabschnitt ist maßgebend“, meint Lorenz Duelli. In der Bundespolitik spreche er sich klar für eine Deckelung aus. Doch in einem Kommunalparlament gebe es öfter Wechsel und daher müssten andere Maßstäbe gelten. Bezogen auf sich und seine beiden Kollegen sagt Duelli aber: „Jetzt ist es gut. Wir haben unsere Arbeit getan.“

Und Lorenz Duelli formuliert Wünsche an die Nachfolger, die von Heinrich Stengele und Alfred Rock mit einem Kopfnicken bekräftigt werden: „Gleich konstruktiv sein und den Teamgeist fördern, den Erfolg im Auge haben und nicht die Selbstdarstellung. Sich um Themen kümmern, mit denen die Gemeinde vorwärtskommt.“