Seit fast zehn Jahren gehört das frühere Zollgebäude in der Schanzstraße der Stadt – einst gekauft, um in bester Innenstadtlage mit einem tollen Projekt den Trading-Down-Prozess zu stoppen. Nach langem Leerstand werden die Räume schon wieder seit Jahren von den Ratsfraktionen und dem Rathaus als Büroräume genutzt.

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2019 rutschte das Zollareal mit dem klaren Ziel einer Aufwertung der Innenstadt wieder neu auf die Agenda. Doch hätte der Gemeinderat nicht „Dampf“ gemacht, wäre das Thema – bedingt durch Corona – wieder auf der Wartebank gelandet. So beschloss der Gemeinderat im September 2020, die schon im Frühjahr vereinbarte Planungswerkstatt nun eben digital zu machen. So wurden interessierte Bürger schließlich doch noch gebeten, über den Jahreswechsel ihre Ideen und Wünsche für das Zollhaus-Areal zu formulieren.

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Die meisten Wünsche gehen in Richtung Angebote für Gastronomie und Unterhaltung

Inzwischen liegen die Ergebnisse aus den Antworten von über 560 Bürgern vor, wobei laut Unterlagen über 40 Prozent unter 35 Jahre alt sind. Oberste Priorität der Häfler haben demnach Angebote für Gastronomie und Unterhaltung an diesem Standort, also Kneipe oder Bar, Café oder Bistro. Danach werden Einzelhandel und Kleinkunst als Priorität im Nutzungskonzept genannt, fasste Planungsamtschef Klaus Sauter zusammen.

69 Prozent der Umfrageteilnehmer plädierten übrigens für Abbruch und Neubau des alten Zollgebäudes, nur 28 Prozent für dessen Erhalt. Der Wunsch des Netzwerks für Friedrichshafen, sich für den Architektenwettbewerb noch nicht auf den Komplett-Abriss festzulegen, wurde im Ausschuss für Planen, Bauen und Wohnen (PBU) abschlägig beschieden. Etwa die Hälfte der Bürger wünsche sich, dass eine möglichst große Zahl der Bäume auf dem oberen Kirchplatz stehen bleibt, um nur einige Ergebnisse zu benennen.

Blick vom oberen Kirchplatz auf das alte Zollgebäude: Der Grünbestand mit den alten Bäumen soll bleiben und keinesfalls überbaut werden, wünscht sich der Gemeinderat.
Blick vom oberen Kirchplatz auf das alte Zollgebäude: Der Grünbestand mit den alten Bäumen soll bleiben und keinesfalls überbaut werden, wünscht sich der Gemeinderat. | Bild: Cuko, Katy

Weniger um den Inhalt als vielmehr um die Form soll es aber im nächsten Schritt gehen. Bei sieben Enthaltungen stimmte der PBU dafür, einen Realisierungs-Wettbewerb auszuschreiben. 25 Architektenbüros sollen also Ideen liefern, wie ein Neubau an der Stelle aussehen könnte. Gefragt sind Vorschläge für eine Mischnutzung, die „vorrangig Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistung, Verwaltung und Wohnen in den Obergeschossen umfasst“, steht in den Planungszielen. Dabei sollen die Grünstrukturen auf dem Kirchplatz berücksichtigt werden. Aufgabe der Verwaltung ist es, das alles in einem Auslobungstext für den Wettbewerb zu formulieren.

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Was da am Ende konkret drin steht, wird noch einmal spannend. SPD, Netzwerk und CDU wünschen sich an der Stelle eher eine Art Stadthaus mit Räumen, die Bürger variabel nutzen können, am besten mit einer Markthalle und Gastronomie. Ob da noch viel Platz für – großen oder kleinteiligen – Einzelhandel, Wohnen und Rathaus-Büros bleibt? So warnte Daniel Oberschelp (CDU) davor, „hier nicht zu viel zu wollen“. Er plädierte dafür, das Raumprogramm eher zu reduzieren, um der Architektur Raum zu verschaffen. Wichtiger sei es, Bäume und Grünflächen am oberen Kirchplatz in die Planung zu integrieren.

Für die Grünen hat das Zollareal hingegen derzeit nicht diese Priorität, weshalb man „die Euphorie für das Projekt nicht ganz teilt“, sagte Ulrich Heliosch im Ausschuss. Wichtiger wäre es, erst einmal mehr für die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu sorgen.

Wie geht‘s weiter mit dem alten Zollhaus (rechts) im Stadtzentrum? Hier die Ansicht von der südlichen Schanzstraße mit den Anbauten.
Wie geht‘s weiter mit dem alten Zollhaus (rechts) im Stadtzentrum? Hier die Ansicht von der südlichen Schanzstraße mit den Anbauten. | Bild: Cuko, Katy

Stimmt der Gemeinderat diesem Verfahren und im Herbst der konkreten Ausschreibung zu, könnten laut Zeitplan im Frühjahr nächsten Jahres die Vorschläge der Architekten auf dem Tisch liegen. Die sollen dann zunächst wieder in einem Bürger-Workshop diskutiert werden. Wohl bis Ende 2023 wird es dauern, bis ein Bebauungsplan steht, sodass 2024 mit Abriss und Neubau begonnen werden könnte – im Optimalfall, steht in der Ratsvorlage. Für die Planungsphase in diesem und nächsten Jahr stehen mit knapp einer Million Euro zumindest ausreichend Finanzmittel im Haushaltsplan.

SWG oder Zeppelin-Wohlfahrt sollen ran

Für das Projekt selbst wollen Stadt und Gemeinderat keinen privaten Investor ins Boot holen. Laut Ratsvorlage ist geplant, dass entweder die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) oder die Zeppelin-Wohlfahrt und damit in jedem Fall eine kommunale Gesellschaft beauftragt werden soll. Auch das soll der Gemeinderat am 26. April beschließen.