Seit dreieinhalb Monaten gilt in Baden-Württemberg die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr. Eigentlich müssten sich alle daran gewöhnt haben. Doch immer wieder ignorieren Passagiere diese Pflicht. Bei einer Fahrt mit dem Katamaran zeigt sich, wie schnell die Maske in der Hosentasche verschwindet, sobald der Passagier an Bord ist – und dass niemand eingreift.

Jürg Gonetz schildert SÜDKURIER seine ärgerlichen Erfahrungen

Ende Juli erreichte den SÜDKURIER eine Schilderung von Jürg Gonetz. Der Schweizer war mit dem Katamaran von Friedrichshafen nach Konstanz gefahren und hatte dabei nach eigenen Angaben erleben müssen, wie ein Großteil der Passagiere die geltenden Regeln missachtete. „Entweder hatte man die Maske am Handgelenk, unterhalb vom Kinn oder gar in der Tasche“, schrieb er. „Ja, auch Zigaretten wurden am Heck genussvoll geraucht.“

Grund für den SÜDKURIER, selbst einmal mit dem Katamaran zu fahren und zu schauen, wer die Maske noch trägt und ob das kontrolliert wird. Auch diese Fahrt startet in Friedrichshafen.

In der Warteschlange tragen viele Passagiere keine Maske

Es ist kurz vor 17 Uhr. Die Schlange vor dem Katamaran ist lang und die Luft schwül. Sophia Maurus wartet mit ihrem Freund auf die Öffnung der Schranke, die die aussteigenden von den einsteigenden Fahrgästen trennt. Als Krankenschwester ist sie an das Tragen von Masken gewöhnt. „Ich glaube, vielen ist das mittlerweile lästig“, sagt sie mit Blick in die wartende Runde. Und tatsächlich kramen viele den Schutz erst im letzten Moment aus der Tasche, als sei die Maske das Ticket, das es vor Fahrtantritt noch schnell zu lösen gilt.

Die Schlage vor dem Katamaran ist lang und nicht alle tragen ihren Mund-und Nasenschutz schon.
Die Schlage vor dem Katamaran ist lang und nicht alle tragen ihren Mund-und Nasenschutz schon. | Bild: Daniela Biehl

Mehrfache Durchsagen, dass die Schutzmaske getragen werden muss

Mit Maske und gebührendem Abstand werden die Passagiere von den Schiffsführern kontrolliert. Die meisten Gäste lassen sich am Bug oder Heck des Katamarans nieder. Maurus zieht es in den Innenraum. Der Signalton ertönt, das Schiff verlässt den Hafen. „Auch wenn es manchen schwerfällt: Tragen Sie während der Fahrt bitte Ihren Mund- und Nasenschutz“, ertönt die Durchsage. Später, während der Fahrt, heißt es noch einmal: „Halten Sie gesunden Abstand zu Ihren Mitreisenden. Halten Sie Mund und Nase bedeckt.“ Auf den ersten Blick scheint es, als hielten sich alle daran. Zumindest in den ersten paar Minuten.

Überprüft wird die Einhaltung während dieser Fahrt nicht

Doch dann fallen sie einem auf: Die Frau, die am Heck sitzt, die Maske lässig unter die Nase geschoben hat und ein paar Fotos macht vom schönen See. Das Mädchen daneben, das den Mundschutz nur noch am Kinn baumeln hat, den Blick fest aufs Handy gerichtet. „Mir fällt das Atmen schwer“, sagt sie und rollt schuldbewusst mit den Augen.

Auch im Innenraum Passagiere ohne Mundschutz

Auch im Innenraum sind sie zu finden: drei Passagiere ohne Mundschutz. Man wollte ihn gerade aufsetzten, heißt es, aber auch eine halbe Stunde später hat das noch keiner von ihnen getan. Am Bug steht derweil eine ganze Familie, mal mit, mal ohne Maske, aber immer von anderen Fahrgästen umgeben, und schießt Bilder. Kontrolliert werden sie nicht.

Kontrollgänge sind den Verantwortlichen zufolge nicht immer möglich

Das hat seinen Grund, wie Sebastian Dix vom Stadtwerk am See erklärt, das die Katamaran-Reederei betreibt: „Die Aufgabe unserer Schiffsführer ist es, alle sicher ans Ziel zu bringen. Das ist gerade in der Hochsaison und mit vielen anderen Verkehrsteilnehmern auf dem See eine Arbeit, die hohe Konzentration erfordert.“ Kontrollgänge seien daher nicht immer möglich. Mit Plakaten, Aufstellern und wiederholten Durchsagen weise man auf die Maskenpflicht aber immer wieder hin. Diese werde überwiegend auch eingehalten, sagt Dix.

Bei manchen Fahrten weisen Sicherheitskräfte auf Mund-Nasen-Schutz hin

Sebastian Dix berichtet, dass seit Kurzem auf stark nachgefragten Kursen Sicherheitskräfte an Bord sind, die ebenfalls auf den Mund- und Nasenschutz hinweisen – an diesem Spätnachmittag ist davon aber niemand zu sehen. Selbst sie hätten keine Vollzugsgewalt. Bußgelder verhängen könne man nicht, sagt Dix: „Wir werden unser Personal auch nicht einer Gefahr durch eventuell sich renitent verhaltende Fahrgäste aussetzen.“

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Erst vor dem Aussteigen wird die Maske wieder aufgesetzt

Der Signalton ertönt. Der Katamaran hat Konstanz erreicht und die Familie, die Frau und das Mädchen am Heck, sogar die drei Passagiere aus dem Innenraum haben ihre Maske wieder auf. Es ist eben doch so etwas wie ihr Ticket. Einer der beiden Schiffsführer lässt die Rampe zum Ausstieg herunter, dreht sich seitlich fort, ohne sich dabei noch einmal umzusehen. Und schon schlüpft ein Radfahrer an ihm vorbei und verlässt das Schiff. Ganz ohne Maske.

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