Am Freitag vor einer Woche sah sich eine kleine Delegation aus Friedrichshafen den „SVT Köln“ an. Der 1938 aufs Gleis gestellte, dreiteilige Triebwagen ist der letzte original erhaltene Zug dieser Bauart aus den 1930er Jahren. Damals gingen die ersten Hochgeschwindigkeitszüge dank moderner Maybach-Motoren auf die Strecke. Ein „Schmuckstück“, sagt Ulrich Schmid-Maybach – auch wenn das historische Gefährt im Moment eher verstaubt im Depot steht.

„Fliegender Kölner“ soll aufpoliert werden

Der „Fliegende Kölner“ soll nun in eine Spezialwerkstatt im tschechischen Budweis. Damit beginne die „heiße Phase der Instandsetzung“ des Zugs, teilte die Maybach-Stiftung vergangene Woche mit; ihr gehört der Zug. Stiftungsvorstand ist Ulrich Schmid-Maybach, (Ur-)Enkel von Wilhelm und Karl Maybach. Bis Ende 2022 soll die Außenhülle aufgearbeitet sein, parallel das Innenraumkonzept des künftigen Museumszuges im Detail fertig sein.

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Doch aktuell erscheint es aussichtslos, dass er jemals in Friedrichshafen Station machen wird, wie es seit fünf Jahren geplant und mit der Stadt vereinbart war. Denn der Gemeinderat ist dem Vorschlag des Rathauses gefolgt, das Maybach-Museum samt Zug aufs Abstellgleis zu schieben. Eine Absichtserklärung zwischen Stadt und Stiftung von 2017 wurde mit dem Beschluss in nicht-öffentlicher Sitzung im April aufgehoben. Hauptgrund: Finanziell lasse sich der geplante Anbau ans Zeppelin-Museum nicht mehr realisieren.

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Für diesen Fall, argumentiert die Maybach-Stiftung, habe man die Idee einer abgespeckten Ausstellungsvariante, in der nur der Zug das Museum bildet, entwickelt und sie als alternative Option der Stadt präsentiert. Diese Variante würde „nur einen Bruchteil der Kosten des geplanten Museumsbaus verursachen“, teilt die Stiftung mit. Außerdem habe die Deutsche Bahn AG diese Variante geprüft und als machbar bezeichnet. Allerdings habe die Stadtverwaltung dieses Angebot abgelehnt „und den Gemeinderat davon ‚überzeugt‘, die Absichtserklärung mit der Maybach Stiftung in nicht-öffentlicher Sitzung einseitig aufzukündigen“, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Der Maybach-Museumszug SVT „Köln“: Wird er in Friedrichshafen Halt machen?
Der Maybach-Museumszug SVT „Köln“: Wird er in Friedrichshafen Halt machen? | Bild: Maybach Förderverein

Rathaus erklärt, Gleis 3 stehe nicht mehr zur Verfügung

Tatsächlich stand in der nicht-öffentlichen Ratsvorlage, „dass das Gleis 3 des Hafenbahnhofs als Wunschort für den historischen Maybach-Zug nicht mehr in Frage kommt, da das bislang stillgelegte Gleis 3 zwischenzeitlich im Rahmen der Elektrifizierung wieder für den ÖPNV eingeplant wird“. Das stimmt aber nicht. Wie die Deutsche Bahn AG auf Nachfrage bestätigt, stellt Gleis 3 im Hafenbahnhof „eine mögliche Option“ dar. Eine zweite, jedoch sehr viel aufwändigere Lösung gäbe es sogar am Stadtbahnhof.

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Nach Informationen dieser Zeitung teilte die Bahn AG dem Rathaus bereits im Dezember mit, dass man 80 Meter des Abstellgleises am Hafenbahnhof für den Museumszug abtrennen kann, wenn es im ehemaligen Rangierbahnhof dafür Ersatz gäbe. Dafür wäre die Einwilligung der Stadt jedoch „eine zwingende Voraussetzung“.

Alternative am Hafenbahnhof „doch denkbar“

Auf Nachfrage bestätigt den Sachverhalt jetzt auch das Rathaus: Die Bahn habe Mitte Dezember die Stadt informiert, „dass eventuell doch eine Alternative denkbar wäre“. Allerdings erwarte die DB, dass die Kosten für das Ersatz-Abstellgleis übernommen werden. Wie hoch die sind, darüber gebe es keine konkreten Aussagen. Der Gemeinderat sei über diesen „neuen Sachstand“ in der Sitzung informiert worden. Warum eine Information aus dem Dezember nicht in der Vorlage für die April-Sitzung stehen konnte, erklärt sich jedoch nicht.

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Rathaus sieht sich nicht mehr in der Pflicht

Und nun? Laut Bahn AG müsse das weitere Vorgehen mit Stadt und Maybach Stiftung „erneut“ abgestimmt werden. Das Rathaus sieht sich nach dem Ratsbeschluss allerdings nicht mehr in der Pflicht. Der Maybach-Zug könne in Friedrichshafen nur aufgestellt werden, wenn die Stadt „hierfür keine finanzielle Verpflichtung eingeht“. Alles Weitere sei „von Maybach-Stiftung und Bahn“ zu klären.

Hier könnte er stehen, der Maybach-Museumszug – mit eigenem Bahnsteig. Gleis 3 am Hafenbahnhof in Friedrichshafen braucht die Bahn AG nur noch als Abstellgleis. 80 Meter davon könne man für die „Fliegenden Kölner“ abtrennen, hieß es schon im Dezember 2020.
Hier könnte er stehen, der Maybach-Museumszug – mit eigenem Bahnsteig. Gleis 3 am Hafenbahnhof in Friedrichshafen braucht die Bahn AG nur noch als Abstellgleis. 80 Meter davon könne man für die „Fliegenden Kölner“ abtrennen, hieß es schon im Dezember 2020. | Bild: Cuko, Katy

Sieht das der Gemeinderat genauso? Wäre selbst die „kleine Lösung“ keine Alternative? SÜDKURIER hat bei den Ratsfraktionen nachgefragt, ob der Museumszug auf Gleis 3 des Hafenbahnhofs eine Option wäre, dem Maybach-Museum Raum zu geben.

CDU, Freie Wähler, FDP und ÖDP berufen sich auf die Nicht-Öffentlichkeit der Sitzung und gaben kein Statement dazu ab. Fürs Netzwerk teilte Fraktionschef Jürgen Holeksa mit, dass man „zu diesem für die Stadt in vielfältiger Hinsicht wichtigen Thema“ eine Beratung und Beschlussfassung in öffentlicher Sitzung eindeutig vorgezogen hätte. Diese Entscheidung treffe jedoch der OB.

Netzwerk: „Höchste Zeit zu prüfen“

In der Sache verweist Jürgen Holeksa darauf, dass es letztlich dem Antrag des Netzwerks zum Bahngipfel zu verdanken sei, dass die Option Gleis 3 Hafenbahnhof jetzt wieder belastbar geprüft werden könne. „Wir widersprechen hier ganz eindeutig der erzeugten Wahrnehmung, die DB wäre durch anhaltende Verweigerung der showstopper“, so Holeksa. Nun sei es höchste Zeit zu prüfen, unter welchen Umständen eine zukunftsfähige Kosten-Nutzen Situation für den Museumszug realisiert werden könnte.

SPD/Die Linke will Rahmenbedingungen klären

Auch die SPD/Die Linke erklärt, die Maybach-Abteilung als Teil des Zeppelin Museums von Anfang an unterstützt zu haben. Über eine Integration des Museumszugs würde sich seine Fraktion daher jetzt schon freuen, erklärt Fraktionschef Wolfgang Sigg. Denn der SVT „Köln“ sei ist ein Meilenstein moderner Zug-Technologie und „eine wesentliche Bereicherung“. Der technische Zustand des Zuges sowie die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen müssten allerdings mit der Maybach-Stiftung noch endgültig geklärt werden. Außerdem sei die verbindliche Zusage der DB zur Nutzung des Gleises 3 des Hafenbahnhofs erforderlich.

Für die Grünen braucht es keinen Zug

Für die Grünen ist ein Zug mit all seinen Folgekosten derzeit „nicht darstellbar“, teilt die Fraktion mit. Es spreche allerdings nichts dagegen, dem Thema ‚Maybach‘ mehr Raum in einem städtischen Museum zu geben. Das Zeppelin Museum biete sich an, dort ist ja auch bereits ein Maybach ausgestellt ist. Ein Motor oder auch ein Schnittmodell sowie Informationen über das Unternehmen, aus dem 1969 die MTU hervorging, dürfen darin nicht fehlen. „Es braucht aber keinen Zug, um Maybach als wichtigen Industriebaustein anzuerkennen und zu repräsentieren.“