Bei gutem Wetter und besonders im Sommer, wenn viele Touristen die Stadt besuchen, wissen viele Radfahrer in Friedrichshafen oft nicht mehr wohin mit ihrem Fahrrad. Es mangelt an Abstellmöglichkeiten, vor allem in der Innenstadt. Das ist im Rathaus auch bekannt.

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Auf Anfrage heißt es vonseiten der Stadtverwaltung, dass es nur begrenzt freie Flächen für überdachte Anlagen gebe. Deshalb seien aktuell auch keine neuen Standorte für Fahrradständer geplant. Aus dem Rathaus heißt es, dass besonders in der Karlstraße beim Antoniusplatz und in der Hochsaison im Bereich Buchhornplatz/Zeppelinmuseum Abstellmöglichkeiten für Fahrräder fehlen.

„Ich bin Pendler, fahre also täglich mit dem Rad in die Innenstadt. Radparkplätze sind rar in Friedrichshafen. Besonders zu Ferienzeiten oder wenn der Weihnachtsmarkt aufgebaut ist, findet man kaum einen Platz“, sagt Markus Haßler (51 Jahre).
„Ich bin Pendler, fahre also täglich mit dem Rad in die Innenstadt. Radparkplätze sind rar in Friedrichshafen. Besonders zu Ferienzeiten oder wenn der Weihnachtsmarkt aufgebaut ist, findet man kaum einen Platz“, sagt Markus Haßler (51 Jahre). | Bild: Jana Messmer

110 neue Stellplätze seit 2012

Im Jahr 2013 gab es laut städtischem Abstellanlagenkataster rund 700 überdachte und nicht überdachte Abstellplätze für Räder in der Kernstadt. Zum Vergleich: Die Stadt bewirtschaftet insgesamt 2660 Stellplätze für Autos, davon 1045 an der Straße. Von den 700 Radparkplätzen – ohne die Stellplätze an den Schulen – steht mehr als die Hälfte am Stadtbahnhof (279) und am Romanshorner Platz (143) beim Busbahnhof zur Verfügung.

Bild: Schönlein, Ute

Bis 2018 sind nach Angaben der Stadt etwa 110 neue Stellplätze dazu gekommen, davon 93 in der Altstadt, vor allem am Fährhafen (20) und zehn am Kirchplatz. Zum Vergleich: Allein am Nordeingang des Graf-Zeppelin-Gymnasiums finden 160 Drahtesel Platz. Außerdem seien mehrere zusätzliche dezentrale, kleine Anlagen in der Alt- und in der Kernstadt errichtet worden, erklärt die Stadtverwaltung.

„Eigentlich ist die Situation ordentlich. Aber die vielen Fahrradleichen sind ein großes Problem: über Wochen stehen kaputte Räder in den Ständern und versperren uns Radlern die Parkplätze“, sagt Martin Haffke (76 Jahre).
„Eigentlich ist die Situation ordentlich. Aber die vielen Fahrradleichen sind ein großes Problem: über Wochen stehen kaputte Räder in den Ständern und versperren uns Radlern die Parkplätze“, sagt Martin Haffke (76 Jahre). | Bild: Jana Messmer

Als Beispiel dafür nennt die Pressestelle Abstellmöglichkeiten vor dem Eingang der Markthalle (Nordstadt), vor der Tiefgarageneinfahrt in der Charlottenstraße, vor dem New Yorker in der Friedrichstraße sowie vor der Pizzeria Trulli und dem ehemaligen Zollgebäude in der Schanzstraße. In diesem Jahr seien zwei neue überdachte Anlagen in der Sedanstraße mit insgesamt 18 Stellplätzen errichtet worden.

Problemstelle Franziskusplatz

Wie schätzt ein Experte das Angebot an Fahrradstellplätzen in der Stadt ein? Im Gespräch mit dem SÜDKURIER betont Bernhard Glatthaar, Kreisvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), die Stadt habe ein vergleichsweise hohes Niveau erreicht. Dennoch kritisiert er: „Schlimm ist es am Franziskusplatz. Dort herrscht beinahe schon Verwahrlosung, was Radstellplätze betrifft.“

Weil es zu wenig Radparkplätze am Franziskusplatz gibt, werden die Fahrräder überall abgestellt, wo man sie irgendwie anschließen kann.
Weil es zu wenig Radparkplätze am Franziskusplatz gibt, werden die Fahrräder überall abgestellt, wo man sie irgendwie anschließen kann. | Bild: Cuko, Katy

Um Friedrichshafen für Radfahrer attraktiver zu gestalten, müssten die Abstellmöglichkeiten an zentralen Plätzen ausgebaut werden, sagt er. Rund um den Stadtbahnhof, aber auch im Umfeld des Hafenbahnhofs und an der Uferpromenade müssten Lösungen her. Am See und bei den Geschäften empfiehlt Glatthaar, viele dezentrale Radständer, beispielsweise vor den Geschäften, zu errichten. „Wenn Friedrichshafen wirklich Fahrradstadt werden will, muss sie ihre Prioritäten ändern.“

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Das geplante Radparkhaus am Franziskusplatz hält der ADFC-Kreisvorsitzende grundsätzlich für eine gute Sache. „Zu Beginn wird es vermutlich eine Durststrecke geben, aber auch unsere Parkhäuser sind ja nicht ständig ausgelastet.“ Er vermutet, dass es wahrscheinlich mehr Nutzer geben würde, wenn im Radparkhaus nicht nur – wie vorgesehen – Dauermieter einen Platz bekommen, sondern auch Spontannutzer.

Wo bleibt das Radparkhaus?

Als „Grüner Würfel“ ist das Radparkhaus am Franziskusplatz seit 2015 geplant. Heute ist von einer Verwirklichung frühestens 2020 die Rede.

  • Historie: Bereits 2015 hatte der Gemeinderat die Technischen Werke Friedrichshafen (TWF) beauftragt, den Neubau eines Fahrradparkhauses in der Stadt zu planen, zu bauen und zu betreiben. Im Herbst 2016 wurde der Franziskusplatz als Standort festgelegt. Laut Gemeinderat sprechen dafür die Nähe zum geplanten Radschnellweg und die gute Anbindung für Pendler, die mit dem Zug weiterfahren.
Wie genau das Fahrradparkhaus aussehen soll, steht noch nicht fest. Diese Visualisierung zeigt aber, wo es auf dem Franziskusplatz stehen könnte.
Wie genau das Fahrradparkhaus aussehen soll, steht noch nicht fest. Diese Visualisierung zeigt aber, wo es auf dem Franziskusplatz stehen könnte. | Bild: Stadtverwaltung Friedrichshafen
  • Idee: Baubürgermeister Stefan Köhler hatte 2016 das drei Jahre zuvor fertiggestellte Radparkhaus in Offenburg als Vorbild genannt. Am dortigen ICE-Bahnhof werde der zehn Meter hohe Turm mit seinen 120 Stellplätzen rege genutzt.
  • Stand heute: Das Radparkhaus wird derzeit vom Stadtwerk am See geplant. Im Rechenschaftsbericht der Stadt für das Haushaltsjahr 2019 steht, dass sich die Auszahlung eines Zuschusses der Stadt für das Fahrradparkhaus in Höhe von 1,7 Millionen Euro verzögert habe. „Der Realisierungszeitraum ist nach wie vor offen“, steht da. Auf eine Anfrage im Oktober 2019 teilte die Stadtverwaltung mit, sie gehe von einer Umsetzung frühestens im Jahr 2020 aus.
  • Schwierigkeiten: Die Planung des Radparkhauses werde durch die gewünschte Fassadenbegrünung erschwert, erklärt die Pressestelle der Stadt. Dazu müsse zunächst die Statik des Aufstellorts – über der Tiefgarage – und dann die Statik des Fahrradparkhauses erarbeitet werden. Erst danach könne geplant werden, wie sich das Haus an den Platzbestand anpasst. Der Stadt zufolge soll das Fahrradparkhaus vollautomatisch als „bewachte Fahrradstation“ dienen.