Dienstagabend, 19 Uhr: Auf der Eckenerstraße ist nicht mehr viel los. Ein Autofahrer hat es aber wohl eilig. Vielleicht will er auch nur zeigen, dass sein Vehikel es schneller, besser und lauter kann. Jedenfalls ist sein Vordermann im Weg.

Immer wieder lässt der Fahrer also den Motor seines gepflegt, aber nicht aufgemotzt wirkenden Wagens kurz aufbrummen, rollt näher an das Auto vor ihm heran, lässt sich wieder zurückfallen. Dann die Andeutung eines Reifenquietschens, jetzt heult der Motor richtig auf. Der Vordermann ist abgebogen, der Drängler prescht stadtauswärts.

"Auch in Friedrichshafen sind Autos zu schnell und zu laut"

Wer in Hörweite der Eckenerstraße, oder manch anderer langen Geraden in der Stadt wohnt, der weiß: Das ist kein Einzelfall. Den überraschte es auch nicht, dass Polizeirevier-Leiter Uwe Janitschek während der Vorstellung des Sicherheitsberichtes jüngst sagte: „Auch in Friedrichshafen sind Fahrzeuge zu schnell und zu laut unterwegs.“ Bleibt die Frage: Macht die Summe aus Einzelfällen tatsächlich ein Problem?

Von Dimensionen wie vor Jahren in Singen weit entfernt

Kurz vor der Sitzung des Finanz- und Verwaltungsausschusses, in der Uwe Janitschek auf das Thema einging, hatte sich ein Anwohner der Eckenerstraße mit einer E-Mail unter anderem an die Gemeinderäte gewandt. Darin schrieb er beispielsweise von Beschleunigungsrennen und lautstarke Vorführungen von Autos auf dem Parkplatz am Hinteren Hafen. Von Dimensionen, wie sie etwa in Singen vor einigen Jahren der Fall waren, sei das Geschehen auf Häfler Straßen weit entfernt, führte Uwe Janitschek vor den Gemeinderäten aus. "Da waren zeitgleich bis zu 100 Fahrzeuge unterwegs und haben ihre Runden in sehr auffälliger Weise gedreht."

In Friedrichshafen passen derweil die Dimensionen, wie sie beispielsweise der Anwohner der Eckenerstraße schilderte, nicht so recht mit jenen, wie sie behördenseitig dokumentiert sind, zusammen. Hans-Jörg Schraitle, Leiter des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Umwelt (BSU) kündigte in der Ausschusssitzung aber bereits an, dass das Thema im Blick behalten werde.

Kontroll-Bereiche wurden bewusst ausgewählt

"Aufgrund von Beschwerden und Hinweisen bezüglich Rasern und Auto-Posern" starteten Polizeirevier, Verkehrspolizei und Stadtverwaltung am vergangenen Freitagabend nun eine gezielte Kontrollaktion. Zuvor habe es Gespräche zwischen Vertretern der Stadt und der Polizei gegeben, wie Andrea Kreuzer, Sprecherin der Stadtverwaltung auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt.

Die Bereiche, in denen kontrolliert wurde, wurden nach Auskunft aus dem Polizeipräsidium bewusst gewählt. Auf nähere Details zum Ablauf der Kontrollen wolle man aus einsatztaktischen Gründen nicht eingehen, teilt eine Sprecherin mit. Eingebunden waren nach Auskunft von Andrea Kreuzer seitens der Stadtverwaltung Vertreter des Rechtsamtes sowie des BSU.

Lesen Sie auch

Weitere Kontrollaktionen in Friedrichshafen geplant

"Aus Sicht unseres BSU konnte mit den Kontrollen ein wichtiges Signal gesetzt werden", teilt Andrea Kreuzer außerdem mit. Während die Polizei das Ergebnis der Kontrollaktion am Freitagabend der Sprecherin des Polizeipräsidiums Konstanz zufolge als "keinesfalls auffällig" einstuft, gibt es aus dem Rathaus bislang keine weitere Einschätzung. Zunächst sollen es Andrea Kreuzer zufolge eine detailliert Be- und Auswertung mit den Beteiligten geben. Stadt und Polizei zufolge sind weitere Kontrollaktionen geplant.