Etwa 800 Menschen in Friedrichshafen sind obdachlos, so die Auskunft aus dem Rathaus. Dazu zählen Geflüchtete, die die Stadt unterbringen muss, aber auch Bürger, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Wohnung verloren haben. Für sie gebe es in Friedrichshafen derzeit vier Gebäude und mehrere Wohnungen, in denen sie untergebracht werden.

Während Männer im Obdachlosenheim "K7" oder im Wachirweg eingewiesen werden, landen Frauen im früheren Ailinger Schul- und Mesmerhaus in der Ittenhauser Straße. Wer hier Quartier bezieht, müsste sonst auf der Straße schlafen. Jede Frau, oft mit Alkohol- oder Drogenproblemen, bringt ihr Päckchen mit. Das Zusammenleben im Haus bleibt nicht problemlos. Erst vor wenigen Monaten landete eine handfeste Auseinandersetzung zweier Bewohnerinnen vor Gericht.

Wie verträgt sich die Unterbringung mit dem Kindeswohl?

Umso fataler ist die Situation, wenn ein Kind oder gar Kinder mit ihrer Mutter in die Ittenhauser Straße ziehen müssen. Wie verträgt sich diese Unterbringung mit dem Kindeswohl? "Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass die Stadt die obdachlosen Familien bedarfsgerecht unterbringt und dabei natürlich auch das Kindeswohl berücksichtigt", teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Für das Jugendamt sind diese Kinder gerade von alleinerziehenden Frauen meistens keine unbekannten Fälle.

Fürs Häfler Rathaus sind die Wohnungen, die Privatsphäre gewährleisteten, in einem guten Zustand und könnten auch von Frauen mit Kindern bewohnt werden. Und: Die Mischbelegung im Haus stelle "nicht automatisch eine Gefährdung für Familien und Kinder dar".

Sozialarbeiter-Stelle schon lange unbesetzt

Allerdings sind die Frauen hier quasi sich selbst überlassen – mit all ihren Problemen und den Kindern. Zwar stehe laut Rathaus eine 25-Prozent-Stelle – etwa zehn Stunden pro Woche – für einen Sozialarbeiter zur Verfügung, der die Frauen betreuen und begleiten soll. Doch die Stelle ist schon lange unbesetzt. Zuständig ist das Amt für Familie, Soziales und Jugend, und das "analysiert aktuell alle bestehenden Angebote und prüft Optimierungspotenziale", schreibt die städtische Pressesstelle.

Für das Landratsamt gibt es offensichtlich keinen Verbesserungsbedarf. Es verweist darauf, dass diese Familien "selbstverständlich Zugang zum gesamten Spektrum der Hilfs- und Beratungsangebote des Jugendamts" hätten.

"Diese Frauen brauchen einen festen Ansprechpartner, der im Haus für sie da ist", sagt Florian Nägele, der als Streetworker fast alle kennt. Zur Selbsthilfe seien die Frauen oft auch wegen psychischer Probleme nicht in der Lage.

Situation im K7 hat sich "deutlich entspannt"

Wie es besser geht, zeigt das K7. Seit über einem Jahr kümmern sich im Männer-Obdachlosenheim in der Keplerstraße die freien Träger Arkade und Dornahof um die rund 50 Betroffenen. "Seit Einführung der externen Betreuung durch zwei erfahrene und sich ergänzende Anbieter hat sich die Sitution im K7 deutlich entspannt und verbessert", schreiben Angelika Drießen und Dagmar Hoehne von den Freien Wählern in einem Antrag, der am Montag in den Gemeinderat eingebracht wird.

Gemeinderätinnen fordern Konzept für Unterkunft in Ailingen

Ihre Fraktion möchte, dass mit Arkade und Dornahof auch für die Frauennotunterkunft in Ailingen ein Betreuungskonzept entwickelt wird. Die aktuelle Situation der wohnsitzlosen Frauen sei "nach wie vor sehr unbefriedigend", befinden die beiden Gemeinderätinnen.

Sie hatten schon im Mai 2017 angeregt, die Frauen in der Ittenhauser Straße nicht außer Acht zu lassen, wenn man über die bessere Betreuung von Obdachlosen spricht. Passiert ist seither aber nichts. Nun fordern sie von der Verwaltung, ein Konzept zu erarbeiten und es im Sozialausschuss zur Diskussion zu stellen.