"Wir warten, bis der letzte Flieger gelandet ist und dann geht's los!" Tobias Weber, Leiter der Flughafenfeuerwehr, sitzt gespannt am Steuer seines Dienstfahrzeuges. Neben ihm sitzt Peter Schörkhuber, der stellvertretende Kreisbrandmeister des Bodenseekreises. Vor ihnen liegt das beleuchtete Rollfeld des Bodensee-Airports. Statt auf Flugzeuge fällt ihr Blick jedoch auf zwei Dutzend Feuerwehrfahrzeuge, die mit laufenden Motoren und Blaulicht auf ihren Einsatz warten.

Weber ist am Freitagabend der Einsatzleiter der "ICAO APRON 17"-Übung, bei der Rettungskräfte aus dem gesamten Bodenseekreis einen Notfall simulieren. Das Szenario: Ein Canadair-Jet der Lufthansa landet ohne Bugfahrwerk, schlittert von der Landebahn und kracht gegen eine geparkte Propellermaschine, die anschließend Feuer fängt. Mehrere Dutzend Menschen müssen gerettet und das Feuer schnellstmöglich gelöscht werden.

Mehr als 300 Einsatzkräfte aus dem gesamten Bodenseekreis und darüber hinaus sind an jenem Abend auf dem Bodensee-Airport im Einsatz. Sie kommen von den Feuerwehren, vom Roten Kreuz und dem Technischen Hilfswerk, sowie von den Johannitern. Auch einige Verbindungsoffiziere der Bundeswehr sind dabei. Gesteuert wird der Einsatz von einem Krisenstab, was ebenfalls in einer Halle geübt wird.

Ruhig, besonnen und professionell leisten die Retter des DRK erste Hilfe. Oft helfen schon ein paar aufmunternde Worte. <em>Bild: Kevin Rodgers</em>
Ruhig, besonnen und professionell leisten die Retter des DRK erste Hilfe. Oft helfen schon ein paar aufmunternde Worte. | Bild: Kevin Rodgers

Das Startsignal kommt vom Tower. "Einsatz Feuerwehr!" Auf dem gesamten Flughafen kreischen Sirenen, die Kolonne aus Feuerwehrfahrzeugen braust die Rollbahn hinunter zu dem Hangar, in dem auch die "Landshut" untergebracht ist. Über Funk folgen derweil letzte Details zur Unfallübung.

Der simulierte Unfallort wirkt zunächst unübersichtlich. Die Lufthansa-Maschine wird durch eine Attrappe der Flughafenfeuerwehr dargestellt. Ein ausrangierter Stadtbus simuliert die brennende Propellermaschine. Und schließlich steht mittendrin noch ein Kleinwagen, in dem zwei Menschen eingeklemmt sind. Überall auf dem Rollfeld sitzen und liegen Komparsen, die teils mit großem schauspielerischen Talent Verletzte spielen. Binnen Minuten beginnen die Feuerwehrleute, die Verletzten zu retten und den Brand zu löschen. Unterdessen sind die Helfer des Roten Kreuzes eingetroffen. In Windeseile bauen sie zwei Zelte auf, in denen die Verletzten erstversorgt werden. Das THW sorgt für taghelle Beleuchtung.

Die Flughafenfeuerwehr ist für die Erstrettung der vielen auf dem Rollfeld verstreuten Flugzeugpassagiere zuständig.
Die Flughafenfeuerwehr ist für die Erstrettung der vielen auf dem Rollfeld verstreuten Flugzeugpassagiere zuständig. | Bild: Kevin Rodgers

Als die Wassertanks leer und die Statisten versorgt sind, ziehen die Rettungskräfte eine positive Bilanz. "Natürlich hoffen wir alle, dass es nie zu einem Ernstfall kommt", sagt eine junge Feuerwehrfrau am Ende der Übung. "Falls es aber doch mal ernst wird, sind wir auf alles vorbereitet."

 

Die Übung

Die internationale Zivilluftfahrtorganisation "ICAO" schreibt vor, dass an allen Verkehrsflughäfen mit Linienflugverkehr alle zwei Jahre eine Notfallübung zu absolvieren ist. Dabei soll der Einsatz des Personals und aller haupt- und ehrenamtlichen Rettungskräfte bei einem Notfall koordiniert werden. Dieses Mal waren mehr als 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, DRK, den Johannitern und Bundeswehr im Einsatz. Die Rettungskräfte kamen unter anderem aus Friedrichshafen, Meckenbeuren, Tettnang, Salem, Ravensburg und Überlingen. Die nächste Großübung findet voraussichtlich 2019 statt. (kbr)