Friedrichshafen-Fischbach (kan) Ein lebensgroßes Fassadenbild prangt seit nunmehr 64 Jahren an der Wand des Wohnhauses Nr. 281 in der Fischbacher Zeppelinstraße. Es zeigt einen Reiter, der die unverkennbaren Gesichtszüge von Georg Stärr trägt, dessen Geschichte als bisher letzter Bodenseereiter in der gesamten Region bekannt ist. 1963 ritt er bei der großen Seegfrörne von Hagnau nach Münsterlingen mit der Holzbüste des Heiligen Johannes, dem Schutzpatron des Bodensees, im Gepäck.

Für den damals 53-Jährigen war das die Erfüllung eines Kindheitstraums und gleichzeitig ein so feierlich-kirchlicher Akt, dass Georg Stärr trotz der Februarkälte im Frack ritt, den er sich vom damaligen Fischbacher Kolonialwarenhändler Hans Moll dazu lieh. Auch das Pferd war geliehen, den kräftigen braunen Haflinger bekam er von Manfred Marschall in Unterraderach, erinnert sich Sohn Roland Stärr, der zu dieser Zeit gerade elf Jahre alt war, heute noch an die Aktion seines Vaters.

Am frühen Morgen ritt der Vater von der schmalsten Stelle in Hagnau die acht Kilometer allein zum anderen Ufer hinüber und kam kurz vor 12 Uhr mit der Schweizer Prozession wieder zurück. Zweimal an einem Vormittag über den zugefrorenen See: Das war eine Sensation, die schnell die Runde machte, und der "Stärr-Schorsch" wie Freunde und Bekannte den stolzen Reiter nannten, wurde immer wieder darauf angesprochen. 1964 baute er für sich und seine Familie das Haus in der Fischbacher Zeppelinstraße und als es 1965 verputzt wurde, beschloss er, der Geschichte in Form eines Wandbildes an seinem Haus eine bleibende Erinnerung zu geben.

"Ein Dr. Wegener aus Friedrichshafen fertigte es nach der Vorlage einer retuschierten Postkarte, denn Originalfotos waren nicht vorhanden", berichten Familienmitglieder, die in der vierten Generation im Haus leben.