Charlotte Hepp aus Immenstaad fährt nur selten Auto. Wenn, dann nutzt sie das Carsharing-Angebot von "Bodensee Mobil". "Im Schnitt fahre ich einmal pro Monat mit dem Fahrzeug des Vereins", sagt sie. Normalerweise aber greife sie mit ihrer Familie auf das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel zurück.

In und um Friedrichshafen bietet der Verein "Bodensee Mobil" insgesamt 13 Fahrzeuge an. Ein Auto aus dieser Flotte steht vor dem Gebäude des historischen Bahnhofes in Kluftern.
In und um Friedrichshafen bietet der Verein "Bodensee Mobil" insgesamt 13 Fahrzeuge an. Ein Auto aus dieser Flotte steht vor dem Gebäude des historischen Bahnhofes in Kluftern. | Bild: Singler, Julian
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"Bodensee Mobil" hat von Friedrichshafen bis Kressbronn und Meckenbeuren 13 Autos für Carsharing im Einsatz. Eins davon steht in Immenstaad am Marktplatz. Um das kümmert sich Charlotte Hepp im Auftrag des Vereins. "Hier ist die Nutzung noch überschaubar, sodass ein Fahrzeug ausreicht", sagt Wielant Ratz, Geschäftsführer von "Bodensee Mobil". Ziel sei es, in Immenstaad zwei bis drei Standorte zu haben. Insgesamt ist "Bodensee Mobil" derzeit mit 40 Autos von Isny bis Überlingen vertreten.

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Das Zweitauto dank Carsharing abschaffen

Autos nur dann nutzen, wenn man sie auch braucht: Das ist das Prinzip des Carsharings, auf deutsch "Autoteilen". Doch wann lohnt sich das überhaupt? "Carsharing ist für diejenigen sinnvoll, die nicht so oft Auto fahren oder den Zweitwagen ersetzen möchten", sagt Bernhard Schultes von der Netzwerk Oberschwaben GmbH. "In meiner Familie machen wir das gerade und schaffen das zweite Auto ab." Das spare Geld und sei praktisch. Verschiedene Studien zeigten, dass Privatpersonen durchaus häufiger überlegen könnten, ihr Auto zu vermieten. "Die meisten Fahrzeuge fahren nicht, sondern stehen – rund 90 Prozent der Zeit", sagt Schultes.

Sechs E-Fahrzeuge sind als Campusmobile übers Carsharing in Friedrichshafen unterwegs.
Sechs E-Fahrzeuge sind als Campusmobile übers Carsharing in Friedrichshafen unterwegs. | Bild: SK-Grafik/Müller

Dass in Friedrichshafen durchaus mehr Menschen ein Auto teilen sollten, findet auch die Gemeinderatsfraktion der Grünen. Sie setzt sich laut einer Pressemitteilung dafür ein, dass die Bedingungen dafür verbessert werden. "Der Gemeinderat möge der Straßenverkehrsbehörde empfehlen, stationsbasierte Carsharing-Stellplätze, beispielsweise durch Beschilderung und Bodenmarkierung, auszuweisen", lautet der Antrag, den die Grünen am Montag in den Gemeinderat eingebracht haben. Fraktionschef Gerhard Leiprecht sagt: "Mit mehr Carsharing-Autos würde der Parkdruck abnehmen und es gäbe in der Stadt mehr Platz für Grünflächen, Kinderspielgeräte oder Bänke zum Verweilen." Er komme seit elf Jahren ohne eigenes Auto aus und miete sich bei Bedarf stattdessen ein Auto bei "Bodensee Mobil".

Bild: SK-Grafik

Einen vordringlichen Bedarf für feste Stellplätze sehen die Grünen unter anderem vor der Tourist-Info am Stadtbahnhof, in der Sandöschstraße und an der Müllerstraße – wie in den entsprechenden Bebauungsplänen beschlossen – sowie in einigen Wohngebieten, in denen schon heute Carsharing-Fahrzeuge stehen.

Sechs E-Autos sind zu mieten

Bernhard Schultes hat es sich mit seiner Firma zur Aufgabe gemacht, die Elektromobilität in der Region voranzutreiben, und bietet sechs E-Autos für Carsharing an. Dabei handelt es sich um die sogenannten Campusmobile Emma. "Das Angebot hat sich etabliert und wird vor allem von Studenten sowie Mitarbeitern der Hochschule und des Landratsamtes gut genutzt", erklärt Schultes. Seit Januar 2018 wird "Campus Mobil" unter der Regie des Häfler Stadtverkehrs betrieben und ist somit in den allgemeinen ÖPNV-Betrieb eingebunden. Wer dieses Angebot nutzen will, muss sich einmalig für sechs Euro registrieren. Nach der Führerscheinkontrolle erhält der Kunde seine persönliche Kundenkarte. Abgerechnet wird pro Fahrt. Im Unterschied zu Vereinen wie "Bodensee Mobil" ist keine monatliche Grundgebühr fällig.

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Viele Vorteile für Nutzer und Umwelt

Wielant Ratz und Bernhard Schultes sind sich einig, dass Carsharing zahlreiche Vorteile hat. "Man muss sich nicht um Parkplätze kümmern, weil die Elektroautos an den Ladesäulen abgestellt werden. Außerdem fallen keine monatlichen Fixkosten an, stattdessen wird das Auto nach Bedarf genutzt. Mit Elektroautos fährt man dazu umweltfreundlich und emissionsfrei", so Schultes fürs "Campus Mobil". Ratz sagt mit Blick auf den Verein "Bodensee Mobil": "Unsere Nutzerzahlen nehmen stetig zu. Die Mitglieder aber entwickeln einen Lerneffekt und fahren insgesamt weniger Auto." Friedrichshafen hat seiner Meinung nach viel Potenzial. Die Stadtfläche sei noch nicht vollständig abgedeckt. "Hier ist die wichtigste Basis und hier herrscht die größte Nachfrage", erklärt Wielant Ratz. Mit dem Kernbereich aus acht Standorten – darunter die Zeppelinstadt, Immenstaad, Markdorf, Kluftern und Überlingen – decke man die Bedürfnisse der Kunden gut ab, so der Geschäftsführer von "Bodensee Mobil".

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Carsharing als Option für Firmen

Nach Ansicht von Bernhard Schultes kann Carsharing auch für Unternehmen interessant sein, gerade für kürzere Fahrten. Bei ZF ist das, zumindest bislang, nicht der Fall. "Den Mitarbeitern stehen für Dienstreisen Fahrzeuge aus dem Fuhrpark des Unternehmens zur Verfügung. Carsharing-Modelle zur Privatnutzung bietet ZF seinen Mitarbeitern nicht an", sagt ein Sprecher auf Anfrage. Im ZF-Intranet gebe es jedoch eine Plattform zum Vermitteln von Mitfahrgelegenheiten – sowohl für dienstliche als auch private Fahrten zur Arbeit. Generell unterstütze ZF seine Mitarbeiter mit Zuschüssen zu Monats- oder Jahreskarten für den öffentlichen Personennahverkehr.

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RRPS hat eigene Carsharing-Flotte

Bei Rolls-Royce Power Systems dagegen wird in Friedrichshafen seit über zehn Jahren ein betriebseigenes Carsharing mit rund 75 Fahrzeugen betrieben. "Es gibt Zweisitzer bis fünfsitzige Personenwagen, Kasten- und Lieferwagen. 40 Prozent davon sind elektrisch angetrieben", erklärt ein Sprecher auf Anfrage. "Die Mitarbeiter buchen die Fahrzeuge per Intranet und bekommen die Schlüssel an einem Automaten oder direkt über das Vorhalten des Führerscheines im Fahrzeug. Dieser Carpool spart Investitions- und Betriebskosten und sorgt für einen überlegten Umgang mit Fahrzeugen." Mitarbeiter könnten darüber hinaus die Fahrzeuge ihrer Führungskräfte nutzen.

Ablauf und Kosten des Carsharings

  • Nach dem einmaligen Registrieren für 6 Euro können die Campusmobile über Computer, Smartphone oder per Telefon gebucht werden. Mit der Kundenkarte wird das Elektroauto geöffnet und abgeriegelt. Nach der Fahrt muss das Auto wieder an einer der Ladesäulen abgestellt und eingesteckt werden. Für jede gefahrene Viertelstunde wird 1 Euro fällig, sodass die Kosten einfach zu berechnen sind.
  • Beim Carsharing-Verein "Bodensee Mobil" gibt es kleine und große Fahrzeuge. Wer Mitglied im Verein wird, muss eine Kaution von 450 Euro hinterlegen. Der Monatsbeitrag liegt bei 10 Euro. Jedes Mitglied bekommt eine Chipkarte, mit der das gebuchte Auto geöffnet und geschlossen werden kann. Nach der Fahrt muss der Nutzer das Fahrzeug wieder am ursprünglichen Standort parken. Pro Stunde kostet ein Fahrzeug je nach Größe zwischen 2 und 4 Euro. Für einen ganzen Tag zahlt man nur zehn Stunden. Pro gefahrenem Kilometer kommen zwischen 27 und 39 Cent hinzu. Benzinkosten und eine Versicherung sind enthalten. Getankt wird mit einer Tankkarte des Vereins. Die Fahrten werden monatlich abgerechnet.

Informationen im Internet:
http://www.emobil-im-sueden.de und
http://www.bodenseemobil.de