Wer dieser Tage mit dem Bus im Häfler Stadtgebiet unterwegs ist, braucht vor allem eins: viel Geduld. Massive Verspätungen und Ausfälle sind derzeit an der Tagesordnung, vereinzelt warten Fahrgäste über eine Stunde lang an den Haltestellen. Schuld daran sind die Bauarbeiten an der neuen Fuß- und Radwegbrücke, die künftig die Nord- mit der Innenstadt verbindet. Seit dem 13. Mai ist deshalb die Eckenerstraße – und damit ein Teilstück der Bundesstraße B 31 mitten durch die Stadt – gesperrt.

Sechs Wochen lang wird der Verkehr über die Route Albrechtstraße, Maybachstraße, Keplerstraße und Ailinger Straße umgeleitet. Die Folgen: verstopfte Straßen und lange Staus. In denen stecken auch die Stadtbusse regelmäßig fest, während sich die Fahrgäste an den Bushaltestellen über lange Wartezeiten ärgern.

Seit dem 13. Mai ist die Eckenerstraße gesperrt und die Millionenschlucht nicht passierbar. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis zum 21. Juni.
Seit dem 13. Mai ist die Eckenerstraße gesperrt und die Millionenschlucht nicht passierbar. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis zum 21. Juni. | Bild: Katy Cuko

Eine davon ist Brigitte Rösch. Eigentlich wollte die Häflerin jüngst an einem Wochentag um 11.15 Uhr mit einem Bus der Linie acht vom Weidenring in Richtung Stadtmitte fahren. „Ich stand pünktlich an der Haltestelle, aber der Bus kam einfach nicht“, erzählt sie. Ihr Plan B: auf die Linie sechs ausweichen, die laut Fahrplan um 11.38 Uhr am Weidenring abfährt. Doch auch dieser Plan scheiterte, wie sie sagt: „Da kam wieder nichts.“ Nach insgesamt rund einer Stunde Verspätung habe sie dann endlich ihre Fahrt antreten können, schildert Brigitte Rösch verärgert.

Auf dem Rückweg sah es jedoch nicht besser aus. Wieder stand sie an der Haltestelle und wieder war keiner der Busse, mit denen die Häflerin hätte fahren können, in Sicht. „Der Verkehr in Friedrichshafen ist momentan eine absolute Katastrophe“, so Rösch. „Es ist praktisch unmöglich, Termine einzuhalten, wenn man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist.“

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Fahrpläne in Echtzeit abrufen

Dass der Busverkehr derzeit alles andere als reibungslos läuft, ist der Stadtverkehr Friedrichshafen GmbH bekannt. Das Unternehmen habe jedoch keine Möglichkeiten, die Verspätungen zu kompensieren, erklärt Stadtverkehrschef Norbert Schültke. „Unsere Busse können nicht mittels Busspuren am Stau vorbeifahren – sie stecken mittendrin.“ Deshalb komme es am frühen Morgen und zwischen 16 und 19 Uhr bei vielen Linien momentan zu Verspätungen von 15 bis 30 Minuten.

Den Fahrgästen rät der Verkehrsexperte, vorab auf der Internetseite des Stadtverkehrs (stadtverkehr-fn.de/haltestelle) die Fahrpläne in Echtzeit abzurufen. „Damit bekommt man Verspätungen live angezeigt und kann so unnötige Wartezeit an der Haltestelle vermeiden“, so Schültke.

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Dass darauf jedoch nur bedingt Verlass ist, zeigte sich an jenem Tag am Hafenbahnhof. Neben Brigitte Rösch standen noch zahlreiche andere Fahrgäste an den Bussteigen und schauten ungläubig auf den großen Abfahrtsmonitor. Die dort angezeigten Verbindungen tanzten zeitweise munter auf dem Bildschirm hin und her, weil sich die Abfahrtszeiten immer wieder änderten. „Da blickt doch keiner mehr durch“, sagte Anna Schömer, die ebenfalls zu den Wartenden gehörte. Verkehrstechnisch sei es in Friedrichshafen früher schon schwierig gewesen, erzählte sie, aber dass jetzt alles durch die enge Charlottenstraße geleitet wird, mache es noch viel schlimmer. „Sowohl die Fahrgäste als auch die Busfahrer müssen momentan viel aushalten – da muss man schon starke Nerven haben“, so Schömer. Und eben jede Menge Geduld, denn schon der Weg vom Hafen- zum Stadtbahnhof dauerte an jenem Vormittag satte 17 Minuten, der Rückweg sogar über 20.

Bauarbeiten liegen im Zeitplan

Bei all den Einschränkungen gibt es aber auch noch eine gute Nachricht: Laut einer Mitteilung der Stadtverwaltung liegen die Bauarbeiten an der Fuß- und Radwegebrücke im Zeitplan, die Sperrung der Eckenerstraße könne also voraussichtlich wie geplant am 21. Juni wieder aufgehoben werden. In den vergangenen Wochen wurden bereits die vier einzelnen Brückenelemente montiert, die Widerlagerblöcke betoniert und der Pylon aufgestellt. Mit Abschluss der Bauarbeiten Ende Juli sollen auch die Pflasterarbeiten und die Grünanlage fertig sein.