Neben den drei kommunalen Kindergärten in Untersiggingen, Deggenhausen und Limpach gibt es den Waldorfkindergarten in Untersiggingen. Dort werden in zwei Gruppen bis zu 38 Kinder betreut. Träger der Einrichtung ist der Verein zur Förderung eines Waldorfkindergartens. Die Verantwortlichen haben bei der Gemeinde beantragt, die finanzielle Förderung für fünf verschiedene Bereiche des Waldorfkindergartens anzuheben. In der jüngsten Gemeinderatsitzung hatten die Räte über diesen Antrag zu entscheiden.

  • Laufende Betriebskosten: Die gesetzlichen Vorgaben sehen vor, dass eine Gemeinde Einrichtungen freier Träger mit 63 Prozent der Betriebskosten im Kindergartenbereich und 88 Prozent im Krippenbereich bezuschusst. Die Gemeinde Deggenhausertal hat sich verpflichtet, für beide Bereiche 70 Prozent der Betriebskosten zu übernehmen. Die Verwaltung argumentierte, dass dem Waldorfkindergarten Räume im alten Schulhaus und im Dorfgemeinschaftshaus in Untersiggingen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Den Antrag des Waldorfkindergartens, die Gemeinde solle sich künftig mit 80 Prozent an den Betriebskosten beteiligen, lehnte der Rat bei einer Gegenstimme ab. Gemeinderat Ernst Mecking (CDU) erklärte: "Der Waldorfkindergarten ist eine tolle Einrichtung, aber wir investieren jetzt knapp 1 Million Euro in den Kindergarten in Untersiggingen und ich sehe den Waldorfkindergarten als private Einrichtung." Elmar Reisch (FWV) ergänzte: "Wenn man berücksichtigt, dass die Räumlichkeiten kostenlos genutzt werden können, sind das ja rund die zehn Prozent, die jetzt mehr beantragt wurden."
    Die Räume im Erdgeschoss und den Garten des ehemaligen Schulhauses in Untersiggingen stellt die Gemeinde dem Waldorfkindergarten kostenlos zur Verfügung. Rechts im Hintergrund steht der kommunale Kindergarten.
    Die Räume im Erdgeschoss und den Garten des ehemaligen Schulhauses in Untersiggingen stellt die Gemeinde dem Waldorfkindergarten kostenlos zur Verfügung. Rechts im Hintergrund steht der kommunale Kindergarten. | Bild: Wolf-Dieter Guip
  • Ehrenamtliche IT-Dienstleistungen: Ehrenamtlich erbrachte Leistungen im Waldorfkindergarten, wie Gebäudereinigung, Pflege der Außenanlagen und Textilreinigung, fördert die Gemeinde mit 6000 Euro im Jahr. In den Reihen der Eltern, deren Kinder den Waldorfkindergarten besuchen, gibt es IT-Experten. Der Kindergarten beantragte daher, deren ehrenamtliche Tätigkeit im Bereich IT mit 2400 Euro pro Jahr zu honorieren – die Beauftragung eines entsprechenden Dienstleisters käme weitaus höher. Diesem Antrag stimmte der Gemeinderat bei zwei Gegenstimmen zu.
  • Subventionierung des Mittagessens: Der Waldorfkindergarten bezieht sein Mittagessen aus der Kantine des Lehenhofs. Im Jahr 2016 stieg der Essenspreis um 1 auf 4 Euro – diese Kosten werden an die Eltern weitergegeben. Auch in den kommunalen Kindergärten gab es eine Erhöhung, nach der Elternbeiträge angepasst worden waren. Da die Gemeinde in den kommunalen Kindergärten Pauschalen für das Mittagessen erhebt, ist nicht feststellbar, in welcher Höhe sie hier das Essen pro Kind bezuschuss. Nach intensiver Diskussion entschied der Rat, diesen Bereich in einer der nächsten Sitzungen zu entscheiden. Als Grundlage sollen dann die Zahlen vorliegen, welchen Beitrag die Gemeinde zu den Essenskosten in den kommunalen Kindergärten leistet.
  • Praktikantenstellen: Seit einigen Jahren wird im Waldorfkindergarten im Stellenschlüssel eine Praktikantenstelle berücksichtigt. Diese Personalkosten werden durch die Gemeinde bezuschusst. Der Gemeinderat stimmte dem Antrag zu, für beide Gruppen jeweils einen Praktikanten zu bezuschussen. Auch in den kommunalen Kindergärten wird pro Einrichtung jeweils eine Auszubildende mit je 20 Prozent auf den Stellenschlüssel angerechnet.
  • Einrichtung einer Naturgruppe: Der Waldorfkindergarten will zum neuen Kindergartenjahr eine Naturgruppe am Biohof Sinnenberg einrichten. Sie ist für bis zu zehn Kinder ab dem dritten Lebensjahr gedacht. Dafür bat der Kindergarten um die Aufnahme in die kommunale Bedarfsplanung und die entsprechende Bezuschussung der laufenden Betriebskosten. Diesen Antrag lehnte der Rat mit der Begründung ab, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen in den kommenden Jahren problemlos durch die vorhandenen Kapazitäten in der Gemeinde gedeckt werden könne. Außerdem gebe es bereits Überlegungen, eine solche Naturgruppe in Deggenhausen einzurichten, um diesen Standort attraktiver zu machen und so zu sichern.

 

"Es geht um die Bestandssicherung des Kindergartens"

Sonja Schiffer ist Vorsitzende des Trägervereins des Waldorfkindergartens Deggenhausertal.

Warum haben Sie die Ausweitung der Förderungen durch die Gemeindeverwaltung Deggenhausertal beantragt?

Wir wollten das schon lange beantragen, schon als Knut Simon noch Bürgermeister war. Er wollte aber dem neuen Bürgermeister nicht vorgreifen. Die Ausgaben des Kindergartens steigen in einem Maße, wie die Elternbeiträge nicht erhöht werden können. Und auf Dauer ist ein negatives Ergebnis des Kindergartens nicht tragbar. Es geht um die Bestandssicherung des Kindergartens.

Was sind die größten Kostentreiber?

Die Tariflöhne für die Erzieher sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Hier muss sich aus der Waldorfkindergarten anpassen, zumal Erzieher am Stellenmarkt nur sehr schwer zu bekommen sind.

Zehn Prozent Steigerung bei der Förderung der Betriebskosten sind schon eine Hausnummer.

Wir haben die Steigerung auf 80 Prozent beantragt, damit wir im nächsten Jahr nicht schon wieder eine Erhöhung beantragen müssen. Für freie Schulen wurde im vergangenen Jahr ein Zuschuss von 80 Prozent in Baden-Württemberg entschieden. Daran haben wir uns orientiert. In Ravensburg erhält der Waldorfkindergarten einen Zuschuss zu den Betriebskosten von 80 Prozent und in Langenargen sogar von 90 Prozent. Ich finde es schon spannend, dass der kommunale Kindergarten bei uns schräg gegenüber jetzt für einen erheblichen Euro-Betrag erweitert und saniert wird.

Warum beantragen Sie die Einrichtung einer neuen Naturgruppe für bis zu zehn Kinder am Biohof Sinnenberg?

Wir haben aktuell 37 Kinder in zwei Gruppen in Untersiggingen. Damit ist die Kapazität aufgrund der beengten Räumlichkeiten erschöpft. Wir haben derzeit aber eine Warteliste mit 21 Kindern, die einen Platz im Waldorfkindergarten anstreben. Übrigens kommt der Großteil unserer Kinder aus dem Deggenhausertal.