Die schwimmenden Gärten wurden gleich zweimal getroffen. Als am Dienstagmorgen ungewöhnlich hohe Wellen auf das Landesgartenschaugelände zurollten, brach ein Stahlträger des Holzstegs bei den schwimmenden Gärten. Als dann am Nachmittag der nächste Sturm tobte, wurden zwei der runden, bepflanzten Plattformen aus der Verankerung gerissen.

Video: Stefan Hilser

Sowohl die Geschäftsführung der Landesgartenschau GmbH als auch Landschaftsarchitekt Herbert Dreiseitl, der die Gärten entworfen hat, wurden von der Wucht des Wetters überrascht. „Das war abnormal“, beschreibt Geschäftsführerin Edith Heppeler die sich auftürmenden Wellen. Herbert Dreiseitl sagte: „So etwas habe ich auf dem Bodensee noch nie gesehen. Wellen wie auf der Nordsee.“ Die Wellen wogten am Dienstagvormittag vom Obersee kommend auf die Villengärten zu, erfassten die schwimmenden Gärten und knackten einen Stahlträger, der die Holzplattformen des schwimmenden Stegs zusammenhalten soll.

Besehen sich den Schaden an den schwimmenden Gärten, von links: Edith Heppeler, Herbert Dreiseitl, Roland Leitner. Vor ihnen ist zu sehen, wie der Holzsteg notdürftig mit Gurten gehalten wird, um ein Auseinanderdriften zu vermeiden. Sollte dies passieren, würden vermutlich weitere Stahlträger brechen.
Besehen sich den Schaden an den schwimmenden Gärten, von links: Edith Heppeler, Herbert Dreiseitl, Roland Leitner. Vor ihnen ist zu sehen, wie der Holzsteg notdürftig mit Gurten gehalten wird, um ein Auseinanderdriften zu vermeiden. Sollte dies passieren, würden vermutlich weitere Stahlträger brechen. | Bild: Hilser, Stefan

Die schwimmenden Gärten

Niemand kam zu Schaden

Das habe zunächst gar nicht besonders gefährlich ausgesehen, beschreibt Geschäftsführer Roland Leitner den hohen Wellengang von Dienstagmorgen. Wie ein Schiff, das auf den Wellen tanzt. Die schwimmenden Gärten waren zu diesem Zeitpunkt nicht abgesperrt, es habe sich allerdings auch kein Besucher auf den schwankenden Steg gewagt. Und so habe, versichert Edith Heppeler, zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr die Besucher bestanden. Verletzt wurde niemand.

Dicker Stahl, einfach auseinandergebrochen: Dieser Stahlträger brach, als hohe Wellen den hölzernen und schwimmenden Steg hoch und nieder warfen.
Dicker Stahl, einfach auseinandergebrochen: Dieser Stahlträger brach, als hohe Wellen den hölzernen und schwimmenden Steg hoch und nieder warfen. | Bild: Hilser, Stefan

Jetzt allerdings wurde der Steg abgesperrt, denn das Ausmaß des Schadens ist beträchtlich, wobei erst Taucher feststellen müssen, ob unter Wasser möglicherweise noch mehr Schaden angerichtet wurde.

Ein ineinanderfließendes Kunstwerk

Am Dienstag wurde nicht nur der Stahlträger am Laufsteg durchgebrochen. Als am Nachmittag der nächste Gewittersturm tobte, wurden noch zwei runde Plattformen aus der stählernen Verankerung gerissen – die eigentlichen Garteninseln. An jeder dieser Plattformen hängt ein T-Träger. Er dient dazu, dass bei einem normalen Wellengang die ganze Konstruktion flexibel bleibt und gemächlich auf und ab sinkt. Zwei dieser Träger wurden jetzt aus der Verankerung gerissen.

Herbert Dreiseitl, Künstler und Landschaftsarchitekt, auf den schwimmenden Gärten, die nach einer Idee von ihm geschaffen wurden.
Herbert Dreiseitl, Künstler und Landschaftsarchitekt, auf den schwimmenden Gärten, die nach einer Idee von ihm geschaffen wurden. | Bild: Hilser, Stefan

Die Konstruktion stellt für sich ein schwimmendes und ineinanderfließendes Kunstwerk dar, das Dreiseitl da geschaffen hat. Als er den Schaden betrachtete, sagte er: „Schockierend.“

Schweißnähte müssen neu gezogen werden

In einer ersten Einschätzung kam Dreiseitl zu dem Schluss, dass alle Schweißnähte neu gesetzt und die vorhandenen Bolzen verstärkt werden müssten. Das könne zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen. Er zeigte sich optimistisch, dass die schwimmenden Gärten bald wieder für den Publikumsverkehr geöffnet werden können.

Dieser von der Firma Van den Elzen Garden Design aus Überlingen gestaltete Schaugarten wurde im Sturm vom Steg getrennt.
Dieser von der Firma Van den Elzen Garden Design aus Überlingen gestaltete Schaugarten wurde im Sturm vom Steg getrennt. | Bild: Hilser, Stefan

Er sei überzeugt, so Dreiseitl, dass die Anlage und ihre Statik richtig konstruiert wurden. „Sie funktioniert.“ Sie habe in den vergangenen anderthalb Jahren noch jedem Wetter standgehalten, obwohl sie eigentlich nur für ein halbes Jahr gedacht gewesen sei. Mit der Verschiebung der Landesgartenschau auf 2021 müsse das Material länger durchhalten, und jetzt sei „höhere Gewalt“ dazugekommen.

Edith Heppeler, Geschäftsführerin der LGS GmbH: „Das war abnormal.“
Edith Heppeler, Geschäftsführerin der LGS GmbH: „Das war abnormal.“ | Bild: Hilser, Stefan

Die Verantwortlichen zeigten sich erleichtert darüber, dass niemand zu Schaden kam. Und auch darüber, dass das Landesgartenschaugelände in den Stürmen der vergangenen Tage vor Hagel verschont geblieben ist. Bangen Blickes und mit der Sorge, dass der Hagel den frisch gepflanzten Sommerflor vernichten könnte, habe sie in den vergangenen Tagen stets an den Himmel geblickt.

Dreiseitl sieht in dem Schaden auch eine Folge des Klimawandels. „Es zeigt uns einmal mehr, wie die Wetterkapriolen immer extremer werden.“ Überhaupt: „Der See ist trügerisch. Er hat sich hier immer mehr hochgeschaukelt. Und zwei Stunden später tat er schon wieder ganz harmlos, als ob nichts geschehen sei.“

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