„Das Thema Zivilcourage ist aktueller denn je“, sagt Polizeipräsident Uwe Stürmer. Wenn etwa bei einem Einbruch das Entdeckungsrisiko erhöht werden könne, habe die Polizei mehr Möglichkeiten bei der Sanktionierung. Auch bei anderen Straftaten könne es entscheidend sein, dass Menschen hinschauen. Daher will die Polizei den Zivilcouragepreis neu beleben.

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Mutige Menschen hatten sich beispielsweise beim Messerangriff in Ravensburg im September 2018 dem Angreifer in den Weg gestellt und Verletzte versorgt. Zivilcourage soll dabei nicht bedeuten, dass sich Helfer selbst in Gefahr bringen sollten – trotzdem kann jeder seinen Beitrag leisten. Auch in Meersburg bewies eine junge Frau vor wenigen Wochen Zivilcourage. Nach Angaben der Polizei war ein 18-jähriger Mann von einem 20-Jährigen zunächst beleidigt, dann geschlagen und getreten worden.

Eingreifen verhindert Schlimmeres

„Eine Zeugin hat daraufhin mutig eingegriffen und konnte womöglich Schlimmeres verhindern“, erklärt Oliver Weißflog, stellvertretender Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ravensburg, auf Anfrage. Sie hatte geschrien, dass die Männer aufhören sollen, und einige Schritte auf sie zu gemacht. Weil der 20-Jährige allerdings weiterhin auf den 18-Jährigen eintrat, wählt die Zeugin die Nummer der Polizei.

„Der Gesetzgeber verlangt nicht, dass man sich in Gefahr begeben muss“, betont Oliver Weißflog von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Ravensburg. Bevor es zu brenzligen Situationen kommt, sollten Betroffene aus sicherer Entfernung die Polizei anrufen. Im Rahmen der Aktion „Tu was“ hat die Polizei Tipps für Zeugen und Helfer zusammengestellt.

Nachdem die Polizei wegen des Anrufes der Zeugin eintraf, sei der Tatverdächtige weggerannt und habe eine weitere Straftat begangen: Nach Angaben der Polizei schlug er einem Autofahrer ins Gesicht, weil dieser ihn nicht mitnehmen wollte. Etwas später entdeckten die Polizisten den Beschuldigten. Eine Alkoholkontrolle beim Tatverdächtigen ergab 2,2 Promille.

Oliver Weißflog, Pressesprecher des Polizeipräsidiums in Ravensburg.
Oliver Weißflog, Pressesprecher des Polizeipräsidiums in Ravensburg. | Bild: Polizei

Im Auto habe der 22-Jährige die Polizisten wiederholt beleidigt, geschlagen und gebissen. Die Polizei ermittelt gegen den Tatverdächtigen. „Der junge Mann ist bei uns nicht unbekannt. Es sind uns bereits einige solche Vorfälle bekannt“, betont Weißflog.

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Selbstverständlich ist ein mutiges Auftreten, wie das der Zeugin in diesem Fall, nicht, macht Oliver Weißflog auch deutlich. Wichtig sei, dass man sich dabei nicht selbst in Gefahr bringe. „In gefährlichen Situationen sollte man auf die Polizei warten“, betont Weißflog.