Friedrichshafen ZF-Betriebsversammlung: Belegschaft applaudiert OB Andreas Brand

Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand sprach am Dienstag auf einer Betriebsversammlung zu rund 5000 ZF-Mitarbeitern und verteidigte seine umstrittene Dividendenpolitik.

Die Halle 1 der Messe Friedrichshafen füllte sich am frühen Dienstagmorgen binnen weniger Minuten. Rund 5000 ZF-Mitarbeiter drängten sich dicht an dicht, um an der mit Spannung erwarteten Betriebsversammlung teilzunehmen. Immer wieder mussten die Notausgänge frei gemacht werden, berichten Betriebsangehörige. Das wichtigste Thema: Der Richtungsstreit im Unternehmen und die Positionen des Betriebsrats, der Gewerkschaft – und nicht zuletzt die des Friedrichshafener Oberbürgermeisters Andreas Brand, Vorsitzender der Zeppelin-Stiftung und somit des Haupteigentümers der ZF Friedrichshafen AG.

"Am Ende gab es lauten Applaus"

"Erstmal gab es Buh-Rufe für Brand", erzählt ein Mitarbeiter kurz nach der Versammlung, die rund vier Stunden andauerte. Doch während seiner rund 30-minütigen Rede, die direkt an die Ansprache von Betriebsratsvorsitzendem Achim Dietrich anknüpfte, sei die Stimmung in der Belegschaft gekippt. "Am Ende gab es lauten Applaus", so der Arbeiter. Was war passiert? 

Brand, bekannt als eher nüchterner, schwäbischer Verwaltungsbeamter, übte zunächst harsche Kritik am überraschenden Rücktritt von Aufsichtratschef Giorgio Behr vor rund einer Woche: "Keiner von ihnen, kann, wenn er koi Luscht und nicht will kann von der Arbeit wegbleiben, sondern jeder muss seine Arbeit tun." Später erklärte er jedoch, wie es zu dem Zerwürfnis mit Behr kam. Bereits seit 2007 werde diskutiert, die Dividende für die Stiftungen zu erhöhen. In der Krise 2009/2010 sei klar geworden, dass die Zeppelin-Stiftung in guten Zeiten Vorsorge treffen muss für Krisenzeiten. "Die Zeppelin-Stiftung hat diese gefüllte Kasse nicht.

Sie könnte weder der ZF, noch Zeppelin in einer Krisensituation helfen", so Brand gegenüber den Mitarbeitern. Behr selbst sei es gewesen, der eine Balance, ein Gleichgewicht zwischen der Vorsorge und der Zukunftssicherung des Unternehmens "mit Entwicklungen, mit Zukäufen, mit Forschung und Entwicklung" finden wollte. "Dieses Gleichgewicht, diese Suche, dieses Ziel hat uns vereint. Die Frage des Weges dorthin, darüber gab es unterschiedliche Meinungen", sagte Brand auf der Betriebsversammlung.

Mit dem TRW-Zukauf 2014 habe man das Thema zunächst zurückgestellt, da ZF finanziell stark belastet gewesen sei. Die Forderung nach einer höheren Dividende sei aber bereits damals bekannt gewesen. Der ZF-Vorstand habe damals sogar bestätigt, dass eine höhere Dividende finanzierbar sei, erläuterte Brand und zeigte anhand eines mitgebrachten Sparschweins, wie die Dividendenausschüttung funktionieren soll – und wohin die Gewinne fließen.

Auch wenn die Veranschaulichung seiner Dividendenpolitik anhand eines Sparschweins laut Mitarbeitern eher schief ging, machte Brand eins sehr deutlich: Zukäufe ja, aber nur in Maßen. "Wenn eine Transaktion, ein Zukauf dazu führen kann, dass die Eigentümerstruktur – und jetzt sag ich ganz bewusst unserer ZF Friedrichshafen AG – gefährdet oder in Frage gestellt wird, dann ist das etwas, was mit mir und den Gremien der Stiftung nicht geht. Die ZF war, ist und bleibt ein Stiftungsunternehmen und wer sein Heil an der Börse sucht, sucht dies bei ZF vergebens", sagte er – und spielte damit auf ZF-Vorstandschefs Stefan Sommer an, dem Interesse an einen Börsengang nachgesagt wird.

Damit gewann Brand die Herzen vieler ZFler, insbesondere die der vielen gewerkschaftlich organisierten Schichtarbeiter, die Sommers Modernisierungs- und Expansionskurs eher kritisch gegenüber stehen. Mit dem Hinweis auf die angeblich verloren gegangenen "ZF-Kultur", den "heimlichen Kitt" des Unternehmens, traf er bei vielen offenbar ins Schwarze.

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