Sie wollen konstruktiv am industriellen Digitalisierungsprozess mitwirken, fordern aber die Beteiligung der Belegschaften an diesem Prozess. Auf diesen Nenner lässt sich die Haltung der IG Metall im Bund und im Bezirk Albstadt bringen. Im Vorfeld einer für den Abend in Fridingen geplanten Delegierten- und Funktionärskonferenz war der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann, aus Frankfurt in die Bezirkszentrale nach Albstadt-Lautlingen gekommen.

Sicherung der Arbeitsplätze

Bei einer Pressekonferenz erläuterten Hofmann und der erste Bevollmächtigte des Bezirks Albstadt, Michael Föst, Probleme, Chancen und Risiken des Digitalisierungsprozesses aus Sicht der Gewerkschaft. Letztendlich gehe es der IG Metall um die Sicherung der Arbeitsplätze – auch und gerade in der mittelständisch geprägten Industrie der Region, so die beiden Gewerkschaftsfunktionäre

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Das Stichwort „Industrie 4.0“ ist aus Sicht des IG-Metall-Chefs nur ein Aspekt aus dem Bereich „Digitalisierung„. Schon ein einfaches Beispiel verdeutliche die Sorgen der Arbeitnehmervertreter. Wenn die Maschinen und Produktionsanlagen untereinander selbstständig Informationen austauschen, bedeute das, dass die Produktionsanlage ihren Materialbedarf eigenständig kontrolliert und Produkte nachbestellt, wenn eine bestimmte Mindestmenge erreicht ist. Hofmann: „Das erleichtert auf der einen Seite zwar die Arbeit, macht gleichzeitig aber einen ganzen Arbeitsvorgang überflüssig.“

Probleme für Mittelstand

Die Gewerkschafter beleuchteten dabei auch die Schwierigkeiten der mittelständischen Zulieferer aus der Region für die Autoindustrie. Hofmann betonte: „Für Daimler oder VW ist die Digitalisierung bewältigbar.“ Fachleute seien in den Konzernen vorhanden und die nötigen Geldmittel stünden zur Verfügung. Schon beim Thema „Geld und Investition“ könne es für den mittelständischen Betrieb vor Ort aber problematisch werden.

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Das gelte für den Fall, dass der Betrieb zur Finanzierung der neuen Technik einen Kredit braucht. Sind die Banken bereit, diese Darlehen zu vergeben, so die Frage der IG Metall. Zu den Rahmenbedingungen gehöre die Infrastruktur, vor allem der Breitbandausbau und die flächendeckende G5-Versorgung. Gleichzeitig befinde sich ein Zulieferer in der Hand der Konzerne, die beispielsweise die Preise für die Produkte nach unten drücken wollten. Föst fasste zusammen: „Die Zulieferer müssen in Sachen Digitalisierung mit den Kundenkonzernen technisch gleichziehen.“

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Ein weiterer Aspekt ist aus Gewerkschaftssicht der immer größer werdende Anteil von Elektrofahrzeugen. Hofmann: „Für ein E-Auto werden weniger Teile benötigt, als für einen Verbrennungsmotor.“ Also müssten sich die Unternehmer im Interesse der Arbeitsplatzerhaltung intensiv um neue Produkte kümmern, so seine Forderung.

Darum ist Weiterbildung so wichtig

Genau an diesem Punkt sehen Hofmann und Föst die Arbeitnehmer in der Pflicht. Sie müssten bereit sein, sich entsprechend weiterzubilden. Die IG Metall geht davon aus, dass in den kommenden Jahren im Zuge der Digitalisierung viele der bisherigen Berufsbilder wegbrechen. Von dieser Entwicklung seien aber nicht nur die gewerblichen Mitarbeiter betroffen. Hofmann: „Durch die Einführung der künstlichen Intelligenz werden auch im kaufmännischen und im Verwaltungsbereich heutige Tätigkeiten durch Computeranwendung ersetzt.“

Ernst der Lage erkannt?

Viele Arbeitgeber, gerade in einer bislang wirtschaftlich so erfolgreichen Region wie dem Süden von Baden-Württemberg, haben aus Sicht der Gewerkschaft den Ernst der Lage noch nicht erkannt. Die IG Metall sieht eigenen Angaben zufolge ihre Aufgabe darin, das Bewusstsein aller Beteiligten zu wecken.