Es ist längst bekannt, dass Deutschland ein Land der zwei Geschwindigkeiten ist, wenn es um das Thema Internet geht. Da macht die Region keine Ausnahme. In den Städten ist die Breitbandversorgung meistens nicht schlecht, auf dem Land ist eher von Schmalband die Rede. Wie schaut es bei der Firma Stecher in Krumbach und bei der Spedition Fecht in Menningen aus?

„Sie sollten Ihre Firma nach Hermannstadt verlegen“, hatte man Günter Stecher empfohlen. Die Stadt in Rumänien verfügt über das, was sich auch in Deutschland viele Chefs wünschen: schnelles Internet. Doch Stecher ist ein Mann der Region. Bodenständigkeit ist ihm wichtig. Sein Vater Adolf hat das Unternehmen 1964 mit drei Mitarbeitern gegründet. Heute sind es 200. Der Firmengründer ist noch immer im Betrieb. Online zu sein, das ist für ihn ganz normal. Seine Söhne Michael und Günter sind ebenfalls Geschäftsführer. Und Günter Stecher ist der Mann, in dessen Adern auch Bits und Bytes fließen. Er will in der Region etwas bewegen. Er ist ein absoluter Digitalfan. Schon zu Beginn des Computerzeitalters war er von der neuen Technik begeistert. Schmunzelnd erinnert er sich an seinen C 64, mit dem er dann ein Programm für die Einreichung von Schecks programmiert hat.

Basic hieß damals die Programmiersprache, mit der man dem Rechenknecht Zeile für Zeile Befehle eingeben konnte. Daten wurden damals noch auf Floppy-Disks gespeichert, dünne und biegsame Scheiben in einer Papphülle. „Heut machen wir das natürlich nicht mehr so", lacht Stecher und zeigt nicht ohne Stolz den Serverraum der Firma. 120 Rechner mit Datenhunger sind hier angeschlossen und Ersatzteile liegen griffbereit in Regalen, um Ausfallzeiten so gering wie möglich zu halten. Jeden Monat gibt die Firma einige Tausend Euro für die Datensicherung aus. In einem Keller stehen Speicher mit einer Kapazität von 27 Terrabyte.

Die Aufträge kommen per Internet und auch die benötigten Daten für die Produktion von Teilen für die Autoindustrie. Bei Stecher ist das Stichwort Automatisierung längst Realität. Roboter verrichten hier unermüdlich und mit Präzision ihre Arbeit. Tolle Ideen werden über CAD realisiert. Der Umgang mit PC und Internet ist für jeden Mitarbeiter ganz normaler Alltag. Wer nicht über einen eigenen PC-Arbeitsplatz verfügt, der hat über sein Smartphone und einen Gästezugang trotzdem die Möglichkeit, voll ins digitale Netz der Firma eingebunden zu sein. Für die Auszubildenden gibt es sogar einen speziellen Facebook-Account.

„Entweder du bist vorne dabei, oder du gehörst nicht zu den Gewinnern“, ist Günter Stecher überzeugt. Damit die Firma in Krumbach nicht zu dem Verlieren gehört, verfügt man seit Kurzem über einen Breitbandzugang mit 100 Megabit pro Sekunde. Realisiert hat das die Breitbandversorgungsgesellschaft im Landkreis Sigmaringen. Konstruktionspläne von Auftraggebern können jetzt sehr schnell übertragen werden. „Wenn du diese Möglichkeit nicht hast, dann ziehen Wettbewerber an dir vorbei“, sagt der Technische Betriebswirt, der auch privat voll auf digitale Dinge steht. Für ihn ist klar, dass die Mittelständler in der Region noch mehr Unterstützung brauchen. Die Industrie 4.0 biete unglaubliche Möglichkeiten auch für Unternehmen im ländlichen Raum. Die Chance, Produktionen im Inland zu halten und nicht auf Billiglohnländer ausweichen zu müssen, müsse man nutzen. Wenn er die Entscheidung hätte zwischen Autobahn und Datenautobahn, dann würde er sich für den digitalen Highway entscheiden.

Beide Wege braucht die Spedition Fecht in Menningen. 50 Megabits gibt der Breitbandanschluss der Firma her. „Es dürften gerne auch mehr sein“, sagt Jochen Brender. Der Speditionskaufmann arbeitet seit 20 Jahren bei Fecht. „Was früher per Fax und Telefon erledigt wurde, das geht heute über das Internet“, erklärt der 42-Jährige und zückt einen kleinen Scanner, der äußerlich einem Smartphone ähnelt. Mit dem kleinen Zauberkästchen werden die Daten von Frachtstücken erfasst, die sich auf einem Strichcode befinden. Egal, ob etwas abgeladen, umgeladen oder eingeladen wird, alles wird erfasst. So kann der Standort jeder Fracht sofort festgestellt werden.

In der Zentrale des Unternehmens sitzen die Logistiker, die auch die Routen für die Lastwagen planen, die festlegen, auf welche Bahn in der riesigen Lagerhalle bestimmte Stücke abgestellt werden müssen und natürlich auch genau im Blick haben, ob die Auslieferung pünktlich erfolgen kann. Wichtig ist: Alles wird lückenlos durchgescannt. So kann auch nichts verlorengehen. Und selbstverständlich wird alles dokumentiert. Durch die Digitaltechnik kann ein Fahrzeug auch geortet werden. Einfach so einen Truck zu klauen und irgendwo verschwinden zu lassen, das wird schwierig. Die moderne Technik ermöglicht aber auch, dass der Stauraum in den Fahrzeugen optimal ausgenutzt wird. Das schont Ressourcen. Fahrzeuge, die leer zurück nach Menningen fahren, gibt es nicht mehr. Im Internet suchen die Mitarbeiter nach Aufträgen für Rückfracht, bestätigen diese und leiten den Ladeauftrag dann direkt an den Fahrer, der unterwegs ist, weiter. Die Trucks fahren zwar auf der Autobahn, doch ohne die virtuelle Datenautobahn wäre die Erledigung der Aufträge längst nicht so effektiv.

BLS ohne Limit bei den Bandbreiten

Arne Zwick ist Bürgermeister in Meßkirch und Aufsichtsratsvorsitzender der Breitbandversorgungsgesellschaft Landkreis Sigmaringen mbH & Co. KG (BLS).

Wie groß ist das Netz der BLS und was wird in nächster Zeit neu verlegt?

Die BLS hat derzeit 215 Kilometer Glasfaserkabel im Bestand, im Bau befinden sich 145 Kilometer und in der Planung 154 Kilometer. Diese Werte beziehen sich auf die Backbonestruktur. Das heißt die Leitungen, die die Gemeinden und Ortsteile miteinander verbinden und somit das schnelle Signal erst einmal vor Ort bringen. Von dort geht es derzeit in der Regel noch über das langsame Kupferkabel weiter, was natürlich das ganze derzeit noch ausbremst, aber aufgrund der Kosten und der regulatorischen Vorgaben erst in einem zweiten Schritt angegangen werden kann. Dieser soll nun auf den Weg gebracht werden. Die BLS möchte eine FTTB-Strategie (Glasfaser bis in die Häuser, Anmerkung der Redaktion) auf den Weg bringen die, beginnend bei den Gewerbebetrieben, einen vollständigen Glasfaserausbau der 38 Mitgliedsgemeinden zum Ziel hat.

Schnelles Internet ist für die Wirtschaft wichtig, aber nicht überall verfügbar. Wer ist verantwortlich?

Die Politik, die auf die freien Kräfte des Markts gesetzt hat. Es zeigt sich nun, dass der rechtzeitige Beginn des Ausbaus dadurch verschlafen wurde und im nicht lohnenden ländlichen Räumen gleich gar nicht beginnt.

Welche Ziele verfolgt die BLS, um den Nachholbedarf zu decken?

Wir versuchen, mithilfe der staatlichen Förderprogramme, die allerdings recht umständlich und mit viel bürokratischen Aufwand verbunden sind, den Ausbau flächendeckend voranzutreiben, damit wir überall im ländlichen Raum gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen haben. Gerade für das Gewerbe und die kleinen Ortsteile wird das in Zukunft von zentraler Bedeutung sein, denn ohne schnelles Internet sterben diese sonst aus beziehungsweise wandern ab.

Wie stellt sich die BLS denn für die Zukunft auf?

Für die BLS stellt die Entwicklung kein Problem dar. Durch unsere FTTB-Strategie, die wir derzeit in den Gemeinderäten unserer Mitgliedsgemeinden beraten, sind wir optimal aufgestellt. Anders als beim Kupferkabel gibt es bei der von uns geplanten Glasfaserhausanschluss-Infrastruktur kein Limit, was die Bandbreiten im Up- und im Downloadbereich angeht. Aktuell sind hier schon über 1000 Mbit pro Sekunde möglich und alle zukünftigen Anforderungen in Sachen Bandbreite werden von diesem Netz erfüllt werden können.

Fragen: Karlheinz Fahlbusch