„Holz auf Jesus Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrieeleison, sieht wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.“ In der Evangelischen Stadtkirche in Sigmaringen, die seit Beginn der Pandemie täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet ist, gibt es derzeit eine kleine Installation: Ein Weg aus Steinen, der mit Kreuzen aus Weidenholz bestückt ist. Er führt auf ein Taizé-Kreuz mit Osterkerze zu. Die Weidenkreuze hat eine Jugendliche aus unserer Gemeinde gemacht. Es sind viele. Ich sehe in ihnen Menschen und ihr Leid, ihre Schmerzen, alles was sie bedrückt und was mit Lebensfeindlichem zu tun hat.

Die Weidenkreuze erinnern mich natürlich auch an das Kreuz Jesu, das Holz auf seiner Schulter. Es besteht aus totem Holz, abgeschnitten, abgebrochen, stumpf. In unserem Leben ist seit einem Jahr auch vieles wie abgeschnitten. Die sozialen Kontakte sind reduziert. Die Gemeinschaft leidet, das Miteinander und der Zusammenhalt. Immer mehr Konflikte und Missverständnisse tauchen auf. Wir sind gebeutelt als Einzelne, als Gesellschaft und als Weltgemeinschaft.

An Ostern hinaufgestiegen mit dem Leben

All das, für was das Kreuz steht, hat Jesus Christus in den Abgrund des Todes mitgenommen, um es dort zu lassen und zu vernichten. Das ist sein Tod für uns, damit wir leben können. Hinaufgestiegen ist er an Ostern mit dem Leben, mit Glaube, Liebe und Hoffnung, mit Zukunft und Glück, mit Zuversicht und Freude. Auch dafür steht das Weidenkreuz.

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Wer genau hinschaut, entdeckt: Die Weiden haben Knospen. Wenn man das tote Holz ins Wasser stellt, einpflanzt, gießt und pflegt, erwacht es zu neuem Leben. Die Knospen gehen auf und bringen neue Blüten und Frucht hervor. Mich macht dieses Bild froh. Es gibt mir Kraft und Trost, auch in dieser schweren Zeit, die an Ostern noch nicht vorbei sein wird.

Zuversicht und Glaubenskraft gewinnen

Das Leben ist stärker als der Tod. „Hart auf Jesu Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer. Kyrie eleison, sieh wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.“ Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie diese Perspektive einnehmen können und daraus Zuversicht und Glaubenskraft gewinnen: Das Kreuz ist auch der Baum des Lebens.

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