Auf ein halbes Jahrhundert im Autohandel blickt die Firma Gitschier zurück. In den fünf Jahrzehnten seines Bestehens befand sich das Autohaus in Denkingen auf Wachstumskurs; stetig wurde der Standort erweitert. Auch die Corona-Krise hat die Firma nicht ausgebremst, wie Geschäftsführer Michael Gitschier Bilanz zieht. „Den Lockdown haben wir gut überstanden, seither geht es wieder bergauf“, freut sich der Chef über die florierenden Geschäfte. Das Unternehmen setzt verstärkt auf die neuen Elektroautos, auf die immer mehr Kunden umsteigen.

Autoverkauf bricht wegen Corona-Krise deutlich ein

Getrübte Stimmung herrscht derzeit auf dem Automarkt. Der Automobilverband VDIK hatte im Juli verkündet, dass man für das Jahr 2020 in Deutschland mit dem schwächsten Absatz seit 30 Jahren rechne. Es drohe ein Einbruch um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch Michael Gitschier hat unter dem Lockdown im März gelitten. Ausgerechnet im Frühjahr, einer Zeit, in welcher der Autohandel üblicherweise boomt, blieben die Fahrzeuge auf dem Betriebsgelände stehen. Auch als die Autohäuser wieder öffnen durften, verschoben viele Kunden aufgrund der anhaltenden Krise die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs.

Kurzarbeit konnte vermieden werden

„Trotz der schwierigen Situation ist es uns gelungen, Kurzarbeit zu vermeiden“, schildert Michael Gitschier. Dass das Geschäft wieder floriere, liege unter anderem an den Elektrofahrzeugen, die auch in Denkingen derzeit stark nachgefragt würden. „In Zukunft werden immer mehr Menschen auf Elektroautos umsteigen“, ist sich auch Herbert Offinger sicher. Der Renault-Gebietsleiter war am Montag gemeinsam mit Vertriebsdirektorin Alexandra Ehm nach Denkingen gekommen, um dem Autohaus Gitschier zum Jubiläum zu gratulieren und es für die 50-jährige Partnerschaft mit dem französischen Automobilhersteller mit einer Ehrennadel auszuzeichnen.

Große Freude bei Roswitha, Helmut und Michael Gitschier (von links), als Gebietsleiter Herbert Offinger (rechts) und Vertriebsdirektorin Alexandra Ehm (Zweite von rechts) am Montag das Autohaus für 50 Jahre als Partner von Renault auszeichneten.
Große Freude bei Roswitha, Helmut und Michael Gitschier (von links), als Gebietsleiter Herbert Offinger (rechts) und Vertriebsdirektorin Alexandra Ehm (Zweite von rechts) am Montag das Autohaus für 50 Jahre als Partner von Renault auszeichneten. | Bild: Stefanie Lorenz

Bis zu 10 000 Euro Umweltbonus fließen derzeit, wenn sich Autofahrer dafür entscheiden, auf Elektroautos umzusteigen. „Viele legen sich ein solches Fahrzeug als Zweitwagen zu, mit dem sie auf den alltäglichen, kürzeren Strecken unterwegs sind“, schildert Herbert Offinger. Bis zu 395 Kilometer Reichweite kann ein aufgeladenes Elektroauto der Firma Gitschier fahren. Offinger schildert, dass rund 70 Prozent aller Fahrten im Alltag einen Radius von 80 Kilometern nicht überschreiten würden. „Im Durchschnitt reicht es aus, das Auto zweimal in der Woche aufzuladen“, rechnet der Gebietsleiter vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch Senior-Chef Helmut Gitschier betrachtet die neuesten Entwicklungen mit großem Interesse, hat doch seine Leidenschaft für den Fahrzeugmarkt in den vergangenen Jahrzehnten niemals nachgelassen. „Bis die Corona-Krise begann, habe ich noch im Geschäft mitgearbeitet“, schildert er. Schon im Jahr 1968 hat er seinen Meisterbrief erworben. Seine Lehre hatte er zuvor bei der Firma Rossknecht in Pfullendorf absolviert.

Lehrling der ersten Stunde ist noch der Firma treu

Was sich seit damals verändert hat? „Fast alles“, lacht der Senior-Chef und erinnert sich daran, wie er in den Anfangsjahren mit einem Gesellen und einem Lehrling zwölf Stunden am Tag an den Autos „herumgeschraubt“ hat. Jener Lehrling ist übrigens – mit Unterbrechungen – der Firma Gitschier bis zum heutigen Tag treu geblieben. Ernst Frick arbeitet noch heute als Rentner im Teilzeitjob für das Autohaus.

Seit 1993 am jetzigen Standort

Im Jahr 1993 zog das Unternehmen an den jetzigen Standort um und wurde damit der erste Betrieb im Denkinger Gewerbegebiet. Lange Jahre war Ehefrau Roswitha an der Seite von Helmut Gitschier. Sie war die „Herrin der Zahlen“, kümmerte sich vor allem um die Buchhaltung. Sohn Michael wuchs quasi in das Geschäft hinein, bis er vor zwölf Jahren selbst das Zepter vom Vater übernahm. Nach mehreren Erweiterungen umfasst die Betriebsfläche heute rund einen Hektar. Außerdem wurde ein zweites Autohaus in Herbertingen eröffnet. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen derzeit 46 Mitarbeiter.

Kfz-Mechatroniker ist keine Männerdomäne mehr

„Wichtig ist uns, den Nachwuchs selbst auszubilden“, sagt er. Ab September werden fünf Lehrlinge als Kfz-Mechatroniker und im kaufmännischen Bereich beschäftigt sein. „Der Beruf des Kfz-Mechatroniker ist technisch anspruchsvoll und immer noch sehr beliebt bei den Lehrlingen“, schildert der Firmenchef. Längst sei der Job keine Männerdomäne mehr, auch wenn bei der Firma Gitschier derzeit keine Mechatronikerin arbeite.

Corona-Regeln werden eingehalten

Die Corona-Regeln werden im Autohaus strikt eingehalten. Im Werkstatt-Bereich benutze jeder Mitarbeiter eine eigene Hebebühne, sodass Abstände kein Problem seien, erläutert Michael Gitschier. Jedes Fahrzeug werde nach und vor der Reparatur desinfiziert. Im Verkaufs- und Serviceraum haben nur jeweils zwei Kunden gleichzeitig Zugang; Abstandsflächen sind markiert.

Für die kommenden 50 Jahre setzt die Firma auf das, was Seniorchef Helmut Gitschier als das Schönste seiner Arbeitsjahre bezeichnet: „den persönlichen Kontakt zum Kunden in einem familiär geführten Betrieb“.

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.