Der Abwasserzweckverband (AZV) feierte die offizielle Einweihung der sanierten und erweiterten Kläranlage in Einhart. Zum „Tag der offenen Tür“ kamen viele interessierte Besucher, „wobei diese hauptsächlich aus den Mitgliedsgemeinden kamen“, wie Stefan Krug festestellte, der als Fachkraft für Abwassertechnik auf der Kläranlage arbeitet. Riedhausen, Königseggwald, Fleischwangen, Unterwaldhausen, Guggenhausen, Hoßkirch und Ostrach gehören zu dem Verband, der 2012 gegründet wurde und die Vergrößerung der Kläranlage als Großprojekt in Angriff genommen hatte. In kleine Gruppen aufgeteilt, führte Klärmeister Alfred Götz die Gäste über das Gelände und stellte die Anlage vor. „Das gesamte Wasser kommt auf die Kläranlage“, zeigte Götz auf die Zulaufschnecken, die das von der Sigmaringer Straße kommende Abwasser in die sogenannte Waschpresse befördern, wo dann das Rechengut aussortiert wird. „Das Rechengut sind Toilettenpapier, Feuchttücher und alles Grobe, was sich im Abwasser befindet“, erklärte der Fachmann. Dieses Material werde aussortiert und dann sofort in einem Container entsorgt.
 

Vor den Vorratssilos beantwortete Alfred Götz die Besucherfragen und erläuterte die einzelnen Schritte beim Klärvorgang.
Vor den Vorratssilos beantwortete Alfred Götz die Besucherfragen und erläuterte die einzelnen Schritte beim Klärvorgang.

Bei dieser Gelegenheit wies der Klärmeister auf die massiven Probleme mit Rohrverstopfungen hin, die durch Feuchttücher verursacht werden. Er zeigte Fotos, auf denen zu sehen war, zu welchen Filzsträngen sie sich verwickeln und Rohre und Kanäle verstopen. Und so mahnte Götz bei allen Führungen, dass man Feuchttücher nicht in die Toiletten werfen soll: „Die Tücher sind Abfall und müssen mit dem Restmüll und nicht über das Abwassersystem entsorgt werden!“.

Eine häufige Frage betraf die Zahl den Haushalte, die an die Kläranlage angeschlossen sind. „Früher waren es knapp 6000 und nun mussten wir auf 16 400 erweitern“, erläuterte der Fachmann, wobei es sich bei dieser Zahl um so genannte Einwohnerwerte handle. „Denn angeschlossen sind 11 000 Haushalte, aber Betriebe erzeugen ja ebenfalls Abwasser, was über die Kläranlage entsorgt werden muss“, ergänzte der technische Betriebsleiter Wilfried Brotzer. „Es wurden knapp 20 Kilometer Druckleitungen und sechs Abwasser-Pumpwerke gebaut. Die Kläranlage wurde erweitert, modernisiert und auf den aktuellen Stand der Technik gebracht“, beschrieb Brotzer den Umfang des Bauprojekts. Der entfernteste Punkt zur Kläranlage ist Fleischwangen und dort wurde dann auch mit dem Bau der Abwasserdruckleitung begonnen, wobei die Leitungslänge für diese sogenannte „Trasse Süd“ rund zwölf Kilometer beträgt. Die „Trasse Nord“ beinhaltet die Region um Hoßkirch und Königseggwald und ist bis zum Sammelpunkt in Ostrach etwa sieben Kilometer lang. Von dort wird das Abwasser dann nochmals sieben Kilometer über Freispiegelkanäle bis zur Kläranlage geleitet. Für die gesamte Anlage sind Klärmeister Alfred Götz und Stefan Krug zuständig und sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Welchen Vorteil der Zusammenschluss der sieben Kommunen zu einem Zweckverband hatte, erklärte Götz mit Blick auf die Zuschüsse für das Vorhaben. Für die Gesamtkosten von rund zehn Millionen Euro erhielt man aus Förderprogrammen einen Zuschuss von rund 80 Prozent und den Rest mussten die Mitgliedsgemeinden aufbringen.