Der Saal im Kolpinghaus ist bis auf den letzten Platz belegt. An den Tischen, auf denen schon Kaffee und Marmelade bereitstehen, sitzen Frauen aus Pfullendorf und den Teilorten. Im Hintergrund ist ein üppiges (und faires) Buffet aufgebaut, das neben selbst gemachten Aufstrichen, frischem Obstsalat und einer großzügigen Käse- und Wurstauswahl keinen Wunsch offenlässt. Ein phänomenaler Erfolg für das Gemeindeteam der katholischen Kirche in Pfullendorf. Während man im Mai schon ganz zufrieden mit den rund 50 Anmeldungen zum Frühstück war, sind es nun doch gut doppelt so viele. Ein Grund für die vielen Anmeldungen war sicherlich die Referentin Jacqueline Straub.

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Die ehemalige Pfullendorferin fühlt sich seit ihrer Jugend zur römisch-katholischen Priesterin berufen und kämpft seitdem für die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche. Aktuell wohnt und arbeitet sie in der Schweiz als Journalistin und Buchautorin. Der Kampf für die Gleichberechtigung der Frauen und ihr Wunsch Priesterin zu werden, hat sie berühmt gemacht. Los ging es mit einem offenen Brief an den Papst, der in einem Buch anlässlich seines Besuches in Freiburg veröffentlicht wurde. In diesem schildert Straub ihren „größten Wunsch“ Priesterin zu werden. Dieser Stein zog in den Medien immer weitere Kreise bis hin zu Einladungen in Talkshows wie „Beckmann“ oder „Markus Lanz“. Vergangenes Jahr wurde Straub von dem britischen Sender BBC zu den 100 inspirierendsten und einflussreichsten Frauen der Welt gewählt – als einzige Deutsche.

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Nach dem gemeinsamen Frühstück beginnt Straub mit ihrem Vortrag. Frei und selbstbewusst steht sie vorne. Man hört ihr gerne zu, denn sie spricht mit dem Publikum und nicht über dieses hinweg. Angefangen habe alles in Pfullendorf. Mit 16 Jahren, also in einem Alter, in dem andere Aufhören, fängt Straub als Ministrantin in Pfullendorf an. Nach dem Abitur studiert sie Theologie in Freiburg im Breisgau, Fribourg und Luzern. Ihren Master schließt Straub mit „summa cum laude“ ab. Straub hat sich also auf den Weg gemacht. „Ein Weg, der nicht immer einfach war.“ Die drei Hauptargumente, die sie in unzähligen Diskussionen immer wieder hören wird, sind: Jesus war ein Mann, Jesus hat zwölf Apostel berufen und „man hat es schon immer so gemacht“. Doch Straub erzählt auch von Hassbriefen und absurden Argumenten wie, dass Frauen zu geschwätzig seien, das Beichtgeheimnis nicht wahren könnten und daher nicht zur römisch-katholischen Priesterin taugten. Sie erzählt von gut gemeinten Ratschlägen, es doch als Pfarrsekretärin zu probieren oder als Pastoralreferentin.

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„Müssen wir uns jetzt zufriedengeben, weil wir ein gewisses Maß an Emanzipation erreicht haben? Dürfen wir aufhören für unsere Kirche zu kämpfen, weil es ja ganz gut ist?“, fragt Straub in die Runde. Straub bekommt auch viele positiven Rückmeldungen für ihren öffentlichen Auftritt. Viele Frauen (und auch Männer) bedanken sich bei Straub für ihren Kampf, den sie stellvertretend führe. Und auch in Pfullendorf sieht man die Frauen zustimmend nicken während des Vortrags. Manche gehen nach dem Vortrag zu ihr hin, bedanken sich. Die Frage, ob man sie im SÜDKURIER zitieren dürfe, verneinen sie: zu privat, zu viel Angst vor Konsequenzen.

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Straubs ursprünglicher Plan war es Pastoralreferentin zu werden, wenigstens. Nach ihrem ersten Fernsehauftritt rief ein ehemaliger Professor sie an und riet ihr, sich eine andere Jobmöglichkeit zu suchen, Pastoralreferentin werde sie mit dem öffentlichen Auftritt nicht mehr. Und tatsächlich – selbst zur Ausbildung zur Pastoralreferentin wurde Straub nicht mehr zugelassen. Straub predigt trotzdem, auf YouTube und wenn mutige Pfarrer sie einladen, bei ihnen in der Pfarrei zu predigen.