Das schweizer Filmdrama „Die göttliche Ordnung“ der Regisseurin Petra Volpe, die auch das Drehbuch schrieb, kam bei den Frauen im Herz-Jesu-Heim gut an, da es zum einen als Komödie amüsierte, zum anderen jedoch stark zum Nachdenken anregte. In einer lebhaften Diskussion thematisierten die Zuschauerinnen die Rolle der Frauen in Gesellschaft, Politik und vor allem in der Kirche. Sie monierten die fehlende Gleichberechtigung und das Nichtgehörtwerden der weiblichen Stimme.

Eine deutliche Mehrheit der Frauen im Herz-Jesu-Heim ist bereits zu Beginn der Umfrage der Meinung, dass der Streik der Frauen in der Kirche sinnvoll war. Am Ende des Abends war das Ja-Glas nahezu gefüllt mit Steinen.
Eine deutliche Mehrheit der Frauen im Herz-Jesu-Heim ist bereits zu Beginn der Umfrage der Meinung, dass der Streik der Frauen in der Kirche sinnvoll war. Am Ende des Abends war das Ja-Glas nahezu gefüllt mit Steinen. | Bild: Michelberger, Isabell

Die Gemeindereferentin Sybille Konstanzer und die beiden Referentinnen für Frauenpastoral, Rosemarie Fischer und Christine Kaltenbacher, die zu dem Filmabend eingeladen hatten, verzauberten den kleinen Saal des Herz-Jesu-Heims in einen gemütlichen Kinosaal, in dem es Getränke, Knabbereien und natürlich Popcorn gab. Vorab hatten die Gäste die Gelegenheit, an einer anonymisierten Umfrage teilzunehmen, in der es um die aktive Rolle von Frauen in Politik und Gesellschaft ging. Auf Fragen, ob beispielsweise eine Frauen-Quote sinnvoll ist oder ob jemand bereit wäre, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren, konnte jede Teilnehmerin einen Stein entweder in den Becher für Nein oder in einen anderen für Ja werfen. Es erstaunte, dass sehr viele bejahten, dass der Kirchenstreik der Frauen sinnvoll war, sie aber auf der anderen Seite nicht daran glaubten, dass es im Jahr 2035 Priesterinnen in der katholischen Kirche geben wird.

Ein Mehrheit der Film-Besucherinnen glaubt nicht daran, dass es im Jahr 2035 Priesterinnen in der katholischen Kirche gibt, das zeichnete sich bereits am Anfang der Umfrage ab. Am Ende war das Ergebnis noch viel deutlicher sichtbar.
Ein Mehrheit der Film-Besucherinnen glaubt nicht daran, dass es im Jahr 2035 Priesterinnen in der katholischen Kirche gibt, das zeichnete sich bereits am Anfang der Umfrage ab. Am Ende war das Ergebnis noch viel deutlicher sichtbar. | Bild: Michelberger, Isabell

Das Drama „Die göttliche Ordnung“ aus dem Jahr 2017, das sieben Nominierungen und fünf Auszeichnungen erhielt, handelt von Frauen in einem kleinen Dorf im schweizerischen Kanton Appenzell, die im Jahr 1971 für das Frauenwahlrecht kämpfen. Es zeigt, wie viel Mut, Kraft und Zivilcourage es kostet, Gewohnheiten aufzubrechen und gesellschaftliche Strukturen zu verändern. Der Film vermittelte ebenso, dass die Rückschläge und Anfeindungen nur auszuhalten sind, wenn man eine solidarische Gemeinschaft um sich spürt. Die Lacher, aber auch die Empörungslaute der Zuschauerinnen ließen darauf schließen, dass ihnen die Situationen im Film gut bekannt sind.

Eindrucksvolle Szenen

Im Gedankenaustausch, den Christine Kaltenbacher und Sybille Konstanzer moderierten, lobten die Frauen die eindrucksvollen Szenen. „Ich fand die Hauptdarstellerin sehr ausdrucksstark, als sie bei der ersten Versammlung auf der Bühne stand und sogar die Mehrzahl der Frauen gegen das Frauenwahlrecht stimmten. „Es war furchtbar, als ihr eine Papierkugel an den Kopf geworfen wurde“, schilderte eine Besucherin. Eine weitere Szene hinterließ beim Meßkircher Publikum ebenfalls einen starken Eindruck: Beim Beerdigungsgottesdienst für eine verstorbene Frauenrechtlerin schildert der Pfarrer das Leben und Schicksal der Toten aus einer falschen, männlichen Perspektive. Während dieser Rede steht die Hauptakteurin Nora in der Kirche auf und erzählt die richtige Lebensgeschichte. „Das braucht unglaublich viel Mut, obwohl jeder wusste, dass es falsch ist, was der Pfarrer sagt“, war aus der Runde zu hören.

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„Mir sind viele Parallelen zu unserer guten Mutter Kirche aufgefallen“, erzählt eine Film-Besucherin und verweist auf die Zurückweisung von engagierten Kirchenfrauen durch Erzbischof Stefan Burger, als sie ihm die Briefe einer Unterschriftenaktion überreichen wollten. „Da haben sich die Schafe aufgemacht, um ihren Hirten zu suchen, und der Hirte weist sie zurück“, beschreibt eine Frau. Gelächter folgte auf den Kommentar: „Die Mutterschafe braucht man mehr als die Böcke.“ Die Frauen stimmten der Bemerkung zu: „Wenn wir streiken würden, würde vieles stillstehen.“

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Was haben sich die Frauen damals gefallen lassen, würden wir heute denken. „Doch möglicherweise denken das unsere zukünftigen Enkel über uns“, war zu hören. Eine Frau appellierte an alle Frauen, die in der Kirche aktiv sind, sich jetzt zu wehren, vielleicht noch immer den Ruf „Frauenrecht ist Menschenrecht„ aus dem Film im Ohr. „Wir 60-Plus-Frauen müssen die junge Generation zum Glauben ermutigen mit unserem Streben nach Veränderung“, meinte sie, denn die Jungen hätten sich bereits von der Amtskirche abgewendet, aber noch nicht vom Glauben.

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„Die Solidarität ist ein Potenzial, mit dem wir unterwegs sein sollten“, meinte auch Sybille Konstanzer, und eine Besucherin ergänzte, dass im Film zu sehen war, dass die Frauen, die zusammenstehen, ein wahres „Powerzentrum“ bilden. Am Beispiel von Jacqueline Straub, die aus Göggingen stammt und sich für Priesterinnen in der katholischen Kirche einsetzt, sei zu sehen, mit wie vielen Anfeindungen man klarkommen müsse, wenn man als Frau für die Gleichstellung kämpft.

Der Film

Das Filmdrama von „Die göttliche Ordnung“ von Regisseurin Petra Volpe befasst sich mit dem Wahlrecht für Frauen in der Schweiz im Jahr 1971. Die Schweizer Hausfrau Nora lebt mit ihrem Mann Hans und ihren beiden Söhnen ein ruhiges Leben auf dem Dorf. Der soziale Wandel, der seit dem Mai 1968 durch das Land geht, ist an ihr bisher vorübergegangen. Doch plötzlich entdeckt sie ihr politisches Interesse und beginnt, sich für das Frauenwahlrecht einzusetzen. Das wird nicht überall im Dorf gern gesehen und sie benötigt ausgerechnet die Unterstützung der Männer, in deren Hand die Entscheidung letztendlich liegt.