Meßkirch (sah) Die Theologin Jacqueline Straub möchte Priesterin in der römisch-katholischen Kirche werden und diese Berufung leben. In einem Vortrag mit Diskussion beim Bildungswerk Meßkirch erhielt sie viel Zuspruch, Bewunderung und Applaus von den rund 40 Zuhörern im Herz-Jesu-Heim. Jacqueline Straub ist in Göggingen und Pfullendorf aufgewachsen, besuchte das Martin-Heidegger-Gymnasium Meßkirch, später das Staufer-Gymnasium in Pfullendorf. Nach ihrem Abitur studierte sie in Freiburg im Breisgau, Fribourg und Luzern Theologie. Ihren Masterabschluss erlangte sie in katholischer Theologie in Luzern und schrieb ihre Masterarbeit im Bereich Kirchen- und Staatskirchenrecht. Seit August ist sie Katechetin in einer Schweizer Pfarrei und lebt in Luzern.

Mit ihrem Wunsch nach dem Priestertum der Frau, dem gleichwertigen Weiheamt, erlangte die 26-Jährige bereits großes Medieninteresse. So zeichnete der Südwestfunk ihren Vortrag in Meßkirch auf. "Für die Frauen, die berufen sind, ist es ein Schmerz, dass sie ihre Berufung nicht leben können", unterstrich Jacqueline Straub. In ihrem rund 45-minütigen Vortrag erzählte die junge Frau, wie sie als Kind zunächst nichts mit der Kirche anfangen konnte. Erst in ihrer Jugend näherte sie sich dem Glauben und mit 15 Jahren spürte sie in einem christlichen Jugendcamp ihre Berufung zur Priesterin.

Bereits 2011 habe sie dem Papst geschrieben, dass sie Priesterin werden will. Alljährlich schreibt sie erneut den Papst diesbezüglich an. Sie habe sich geprüft, ob Gott will, dass sie Ordensschwester oder Pastoralreferentin werden sollte. Doch die Sehnsucht, am Altar zu stehen, brenne tief in ihr. Die 26-jährige ist sicher, dass Gott sie auf diesem Weg haben will, und vertraut auf den Heiligen Geist; trotz aller Hierarchien, Hindernisse und Hürden in der katholischen Kirche.

Ihr gehe es nicht um das Amt, sondern um den Dienst für Gott und die Menschen. "Ich kann den Menschen dienen, wenn ich die Sakramente schenke, die sie brauchen", unterstrich sie. Ein Wechsel zur evangelischen Kirche ist für sie keine Lösung: "Das wäre, wie wenn Sie Ihre Heimat, Ihre Familie verlassen, die Sie über alles lieben." Sie werde so lange weitermachen, bis sie endlich in der Kirche auf dem Boden liegen und sagen könne, jetzt werde ich zur Priesterin geweiht.

Es sei wichtig, in der "Kirche der Männer" die Diskussion um die Rolle der Frau und die Gleichstellung von Mann und Frau aufzugreifen. Straub wies auf die Tradition der Frauen in der frühchristlichen Kirche hin, wie die Apostelin Maria aus Magdala, der sich der Auferstandene als Erster zeigte, die erste getaufte Christin in Europa, Lydia, oder die Diakonin Phöbe. "Wie kann unsere Mutter Kirche auf 50 Prozent dieser Talente verzichten?", war für Zuhörerin Irmgard Ehjeij unverständlich. Heinrich Heidegger, Pfarrer im Ruhestand, bewunderte die Theologin für ihren Mut ein. Das Diakonat der Frau sei überfällig, sagte auch Pfarrer Karl-Michael Klotz.