Meßkirch – Vor zwei Wochen kam endlich die Bestätigung: Das jährliche Konzert mit der Pianistin Henriette Gärtner am dritten Oktoberwochenende im Festsaal des Meßkircher Schlosses darf stattfinden. Da die Besucher aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen auf 60 pro Konzert beschränkt sind, wartet die Pianistin mit einem fantastischen Angebot auf. Sie präsentiert ihr Programm „Liebesglück“ zu drei verschiedenen Terminen, um all ihren Fans in Meßkirch und Umgebung die Teilnahme an einem Auftritt zu ermöglichen. Denn stets, wenn Henriette Gärtner im Festsaal spielt, ist dieser ausverkauft.

Ihre ersten Konzerte dieses Jahr spielt sie im Meßkircher Schloss

„Ich freue mich riesig auf meine Konzerte im Meßkircher Schloss“, erzählt Henriette Gärtner im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Es sind ihre ersten Konzerte überhaupt in diesem Jahr. Im Januar und Februar habe sie eine Konzertpause eingelegt, und bevor die ersten Termine herangerückt seien, kam Corona. Die Absagen im März und April trafen die Pianistin heftig, denn nicht nur die Konzerte fielen aus, sondern Vorträge, Fortbildungen und Wettbewerbe, bei denen sie in der Jury sitzt. „Das tut mir ganz besonders für die Kinder leid, die sich auf die Wettbewerbe vorbereitet haben“, erklärt Henriette Gärtner.

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„Das Üben ist wie eine Droge“

Doch langweilig sei es ihr in der Zeit des Lockdowns nicht geworden. Sie habe einen so großen Fundus an Noten-Literatur, die sie schon immer mal spielen wollte. „Und ich bin ja stets auf der Suche nach neuen interessanten Werken“, meint sie. Das brauche Zeit und Ruhe. Es habe sie irritiert, wenn Musikkolleginnen und -kollegen davon berichteten, dass ihnen ohne Konzerte die Motivation zum Üben fehle. „Für mich ist das Üben wie eine Droge, ein innerstes Bedürfnis“, betont sie.

Konzertprogramm mit Qualität zusammengestellt

Für die Konzertprogramme stellt Henriette Gärtner, die auf internationalen Bühnen vertreten ist, stets eine Mischung aus bekannten und unbekannten Stücken zusammen. Dabei versucht sie, den unterschiedlichen Geschmack des Publikums zu berücksichtigen, ohne sich selbst untreu zu werden. Denn die Qualität der Werke habe bei ihr oberste Priorität.

Henriette Gärtner spielt die Waldstein-Sonate von Beethoven

„Zuerst wollte ich dieses Jahr gar kein Beethoven-Stück in mein Programm aufnehmen“, beschreibt sie ihre anfänglichen Planungen. Nicht etwa, weil sie den Komponisten nicht schätzt. Nein, sie hält ihn für großartig. Der Grund bestand darin, dass sie meinte, im Jubiläumsjahr würde schon genug von Beethoven gespielt. Die Liebe zur Waldstein-Sonate habe sie jedoch umgestimmt. In ihr sei „die Verbindung von Raum, Zeit und Handlung auf eine solch geniale Weise gelungen“, wie man es selten erlebe.

Henriette Gärtner nimmt sich auch Zeit für Schülerinnen und Schüler wie voriges Jahr in der Conradin-Kreutzer-Schule in Meßkirch, um ihnen von ihrem Beruf als Pianistin zu erzählen und einige Stücke vorzuspielen.
Henriette Gärtner nimmt sich auch Zeit für Schülerinnen und Schüler wie voriges Jahr in der Conradin-Kreutzer-Schule in Meßkirch, um ihnen von ihrem Beruf als Pianistin zu erzählen und einige Stücke vorzuspielen. | Bild: Michelberger, Isabell

Pianistin spielt exklusiv für den SÜDKURIER

Für neue Formate während des Lockdowns zeigte sich Henriette Gärtner offen. Zweimal war sie bei SÜDKURIER On Air zu hören. Die Aufnahmen hierzu fanden in ihrem Studio in Spaichingen statt. Es habe viel Spaß gemacht. Was sie bei Online-Konzerten jedoch vermisse, sei die Energie des Publikums. Bei Online-Veranstaltungen fehle ihr die Gruppendynamik, die nonverbale Kommunikation und, ganz wichtig, das Miteinander.

Interaktion mit dem Publikum ist ihr wichtig

„Pausen haben beispielsweise auch eine wichtige soziale Funktion“, erklärt sie und bedauert, dass es bei ihren anstehenden Konzerten keine Pause gibt. Denn da treffen sich Menschen mit den ähnlichen musikalischen Interessen, man genießt die gute Atmosphäre und kann sich über gerade Erlebtes austauschen. „Der Mensch fühlt sich in einem sozialen Umfeld wohl und das ist unersetzlich“, beteuert die Pianistin. Sie selbst verstehe sich mit ihrer Interpretation und Darbietung als Vermittlerin zwischen der Musik und den Zuhörern. „Ich möchte die Musik beleben und ihren Funken auf die Zuhörer überspringen lassen“, erzählt sie.

Das Konzert beginnt mit einem Oboen-Stück

Als Auftakt für das Meßkircher Konzert wählte sie ein Oboen-Konzert von Benedetto Marcello, das Johann Sebastian Bach für Klavier bearbeitete. „Ich liebe seinen zweiten Satz“, schwärmt sie. Den besonderen Übergangsmoment zum dritten Satz könne man als „Liebesglück“ bezeichnen, so der Titel des Konzert, bei dem die spielenden Hände der Pianistin zusätzlich auf der Leinwand mitzuverfolgen sind.

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