Frau Kunkel, im Herbst stehen die Kirchengemeinderatswahlen in der Badischen Landeskirche an. Wie sieht denn der Zeitplan aus?

Bewerber können sich bis zum 28. September melden oder vorgeschlagen werden. Dann wird bis zum 6. Oktober durch den Wahlausschuss geprüft, ob diese wählbar sind. Die Kandidierenden müssen natürlich Mitglied der Gemeinde sein. Bei dieser Wahl ist neu, dass bereits 16-Jährige kandidieren können und nicht, wie bisher die Volljährigkeit Voraussetzung ist. In unserem Leitungs- und Wahlgesetz heißt es im Paragraf 4: „Die Wählbarkeit setzt weiterhin voraus, dass das Gemeindeglied bereit ist, sich regelmäßig am gottesdienstlichen Leben der Gemeinde zu beteiligen und in dem betreffenden kirchlichen Amt verantwortlich mitzuarbeiten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Die Vorstellung der Kandidaten findet im Rahmen einer Gemeindeversammlung am Sonntag, 10. November, in Meßkirch nach dem Gottesdienst um 9.30 Uhr und in Stetten a.k.M. am gleichen Tag nach dem Gottesdienst um 10 Uhr statt. Die Wahl ist eine reine Briefwahl. Die Wahlunterlagen können bis zum Vormittag des 1. Dezembers in den jeweiligen Pfarrämtern oder Kirchen eingeworfen oder mit der Post geschickt werden.

Sicher können Sie sich vor Kandidaten nicht retten. Oder ist das nicht so?

Wir würden uns noch über weitere Kandidatinnen und Kandidaten freuen, sind aber auch schon sehr froh über die bisherigen Wahlvorschläge.

Wie viele Kandidaten werden denn gebraucht und welche besonderen Fähigkeiten müssen die haben?

In Meßkirch sind acht Personen zu wählen und in Stetten fünf. Es ist schwierig hier besondere Fähigkeiten zu nennen, weil gerade die Mischung wichtig ist. Die verschiedenen beruflichen und biografischen Hintergründe ergänzen sich im Idealfall.

Welche Aufgaben hat denn so ein Kirchengemeinderat?

Der Kirchengemeinderat leitet zusammen mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer die Kirchengemeinde. Die Aufgaben dabei sind sehr vielfältig. Die Gestalt des Gottesdienstes gehört ebenso dazu wie Personalfragen und Finanzen. Alle Aktivitäten in der Kirchengemeinde bündeln sich hier.

Gibt es einen Unterschied zu den Katholiken?

Im katholischen Kirchenrecht kenne ich mich nicht so genau aus. Ich habe aber den Eindruck, dass bei uns die Ehrenamtlichen mehr zu entscheiden haben. Das Priestertum aller Gläubigen ist seit der Reformation die Grundlage unserer Kirche. Als ich während der Ausbildung Kirchenrecht gelernt habe, ist mir ein Satz der Grundordnung besonders wichtig geworden: „Die Evangelische Landeskirche in Baden baut sich von ihren Gemeinden her auf.“ (Grundordnung Artikel 5, Absatz 1).

Das heißt, dass unsere Kirche demokratisch strukturiert ist. Die Gemeindeglieder wählen den Kirchengemeinderat, dieser die Bezirkssynodalen und diese dann wiederum die Landessynodalen. Die Landessynode ist das gesetzgebende Organ und wählt auch den Bischof oder die Bischöfin. Kein Papst kann da irgendwelche Vorgaben machen. Mir selbst ist es auch wichtig, dass mich der Kirchengemeinderat hier gewählt hat. Ich habe ihre Zustimmung und wurde ihnen nicht „vor die Nase gesetzt“.

Das könnte Sie auch interessieren

Früher hatte der Pfarrer das Sagen. Das hat sich mittlerweile geändert. Demokratie und Mitsprache wird großgeschrieben. Fühlen Sie sich nicht manchmal bevormundet?

Nein, gar nicht. Es ist bei uns in beiden Gemeinden ein sehr gutes Miteinander. Ich habe zum Glück nicht allein das Sagen, dass bedeutet ja auch, dass ich nicht alleine die Verantwortung trage. Die Fähigkeiten und das Fachwissen aller sind nötig, um den vielen Aufgaben gerecht zu werden. Sicherlich bin ich mehr gefragt, wenn es um theologische Fragen geht. Wenn es aber um bauliche Angelegenheiten geht, wissen andere besser Bescheid.

Gibt es in nächster Zeit große Aufgaben, die auf das neue Gremium zukommen?

In Stetten wurde die Pfarrstelle zum 1. September neu ausgeschrieben. Leider bisher ohne Erfolg. Die Suche nach einem neuen Pfarrer oder Pfarrerin wird das Gremium sicher beschäftigen. Die große Herausforderung aller Gemeinden ist, wie wir die mittlere und junge Generation besser erreichen können. Gerade in unserer Leistungsgesellschaft ist das Evangelium wichtig. Gottes Liebe gilt jedem Menschen ohne irgendwelche Vorleistungen. Diese Botschaft von der Liebe Gottes verliert nicht an Aktualität.