Vor sieben Jahren gründete sich der Caritative Förderverein für soziale Aufgaben der Caritas, um hilfsbedürftige Mitbürger, die in körperliche, seelische oder soziale Not geraten sind, zu unterstützen. Die Initiative ging von der damaligen katholischen Pfarrgemeinde der Seelsorgeeinheit Meßkirch (heute: Seelsorgeeinheit Meßkirch-Sauldorf) in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde Meßkirch aus. Unter diesem Dach entwickelte sich die Nachbarschaftshilfe. Um den neuesten gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden, strukturierte sich die Nachbarschaftshilfe Anfang des Jahres um und steht organisatorisch auf festen Beinen.

Einsätze nur noch mit Ehrenamtlichen

„Um den bürokratischen Aufwand so gering wie möglich zu halten, gingen wir dazu über, unsere Einsätze nur noch mit Ehrenamtlichen zu besetzen“, erklärt die Erzieherin Christine Marx, die von Anfang an im Förderverein aktiv ist. Zwei entscheidende Stellen wurden jedoch mit Festangestellten besetzt. Das ist zum einen die Einsatzleitung, für die Sonja Beil verantwortlich ist, sowie die Buchhaltung und Verwaltung, um die sich Hildegard Krall kümmert. „Das Arbeitsaufkommen ist in diesen Bereichen so hoch, dass es ehrenamtlich nicht zu leisten ist“, berichtet Christine Marx. Da die beiden Frauen nur in Teilzeit beschäftigt sind, könne das Büro im Klösterle nicht immer besetzt sein. Es gebe jedoch den Anrufbeantworter, auf den die Leute sprechen sollten, um zurückgerufen werden zu können. Wer möchte, kann auch eine Notiz in den Briefkasten werfen, der vor der Eingangstüre des Klösterles hängt.

Positiv blickt der neue Vorstand der Nachbarschaftshilfe in die Zukunft (von links): der katholische Pfarrer Stefan Schmid, Vorsitzende Christine Marx, Hildegard Krall (Buchhaltung), Sonja Beil (Einsatzleiterin), Mäggi Knisel, Marita Droxner, die evangelische Pfarrerin Anja Kunkel und Mechthild Grau.
Positiv blickt der neue Vorstand der Nachbarschaftshilfe in die Zukunft (von links): der katholische Pfarrer Stefan Schmid, Vorsitzende Christine Marx, Hildegard Krall (Buchhaltung), Sonja Beil (Einsatzleiterin), Mäggi Knisel, Marita Droxner, die evangelische Pfarrerin Anja Kunkel und Mechthild Grau. | Bild: Nachbarschaftshilfe 

Ältere Menschen sollen sich nicht alleingelassen fühlen

59 Helferinnen und Helfer sind für die Nachbarschaftshilfe im Einsatz, um beispielsweise im Haushalt zu helfen, die Alltagsgestaltung zu unterstützen, pflegende Angehörige zu entlasten, durch Besuche für Abwechslung zu sorgen oder Fahrdienste zum Arzt, zur Physiotherapie, zum Einkaufen oder zu Ämtern zu übernehmen. Die Fahrdienste fungieren gleichzeitig als Betreuung während der gesamten Zeit. „Es geht darum, dass sich ältere Menschen in solchen Situationen nicht alleingelassen fühlen“, beschreibt Anja Kunkel, evangelische Pfarrerin der Kirchengemeinde in Meßkirch.

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Die Menschen, die in irgendeiner Form Unterstützung von der Nachbarschaftshilfe haben wollen, zahlen pro Stunde 13 Euro. 3 Euro pro Einsatzstunde benötigt die Nachbarschaftshilfe, um die laufenden Kosten (Büro), die Festangestellten und Fortbildungen, die notwendig sind, zu finanzieren. Die Helfer erhalten je nach Einsatzumfang eine pauschale Vergütung.

30 fortbildende Unterrichtseinheiten

Die Helfenden müssen laut den aktuellsten Vorgaben 30 fortbildende Unterrichtseinheiten absolvieren. Diese organisiert die Nachbarschaftshilfe selbst und kann dabei auf die Bedürfnisse vor Ort eingehen. Die Teilnehmenden erhalten beispielsweise einen Erste-Hilfe-Kurs, erfahren, wie mit Demenzkranken umzugehen ist, oder was zu beachten ist, um Stürze zu vermeiden. Darüber hinaus treffen sich alle Helfer vier Mal pro Jahr, um sich auszutauschen. Bei jedem Treffen ist die Fachkraft Ursula Schwelling dabei, die Wissenswertes beisteuert und Fragen beantwortet.

„Eine große Hilfe ist uns das Netzwerk Nachbarschaftshilfe“, erklärt Christine Marx. Darin haben sich rund 50 Nachbarschaftshilfe-Vereine zusammengeschlossen. So kann jeder Verein von den Erfahrungen des anderen profitieren und hat stets einen wertvollen Ansprechpartner.

Verein unterstützt finanziell

Finanzielle Unterstützung findet die Meßkircher Nachbarschaftshilfe durch den Caritativen Fördervereins für soziale Aufgaben der Caritas. Mit den Mitgliedsbeiträgen der aktuell 158 Mitglieder und mit Spenden sei es möglich, einige Projekte zu unterstützen. „Doch der Förderverein und die Nachbarschaftshilfe laufen finanziell vollkommen getrennt“, betont Anja Kunkel. Darüber hinaus beteilige sich die Stadt Meßkirch mit einem Obolus, denn es gehe darum, das selbstbestimmte Leben der Senioren in der Stadt so lange wie möglich zu erhalten.

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„Es gehört auch zu unserer Fürsorgepflicht, die Gemeinschaft im Alter zu fördern“, erklärt die evangelische Pfarrerin. Aus diesem Grund organisiert die Nachbarschaftshilfe regelmäßig ein gemeinsames Frühstück im Haus für betreutes Wohnen in der Schlossstraße.

Helfende sind versichert

„Wir haben die Möglichkeit, nachbarschaftliche Hilfen, die bereits ohne unser Zutun bestehen, insofern zu legalisieren, dass die Helfenden versichert sind“, beschreibt Christine Marx. Der Verein versteht sich als ergänzende Hilfe zur Sozialstation und zu den Dorfhelferinnen. „Als wir starteten, war uns klar, dass ein Bedarf da ist. Dass er jedoch so groß ist, damit haben wir nicht gerechnet“, berichtet Christine Marx. Deshalb ist die Nachbarschaftshilfe über jede neue helfende Hand froh.