Der Landkreis Sigmaringen beteiligt sich seit diesem Schuljahr am Modellprojekt „Neugestaltung des Übergangs Schule-Beruf“. Ziel ist es, Jugendlichen den direkten Einstieg in eine Ausbildung zu erleichtern und Jugendliche mit Förderbedarf auf eine Berufsausbildung besser vorzubereiten. Der Landkreis nimmt jährlich 111 000 Euro in die Hand, das Land fördert großzügig mit 139 000 Euro.

Gründungsversammlung im Landratsamt

Für das Projekt wurde eine Steuerungsgruppe gegründet, die jetzt im Landratsamt zusammenkam. Mitglieder dieser Gruppe sind neben Landrätin Stefanie Bürkle sowie weiteren Vertretern des Landratsamtes auch Vertreter des Kultur- und Wirtschaftsministeriums, des Regierungspräsidiums, des Schulamts Albstadt, der beruflichen Schulen im Landkreis Sigmaringen mit dem Bildungsgang „AVdual“ (duale Ausbildungsvorbereitung), der Agentur für Arbeit in Balingen, des Jobcenters, der IHK, der Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaft sowie des DGB. „Als der Kreistag im Dezember 2019 das Projekt auf den Weg brachte, konnte noch niemand ahnen, wie wertvoll es zur Einführung im neuen Schuljahr sein wird – von Corona wusste noch niemand. Gerade jetzt, wo der Arbeitsmarkt angespannter wird, benötigen manche Schüler mehr Unterstützung“, betonte Landrätin Bürkle bei der Gründungsversammlung im Landratsamt.

Nach Sigmaringen auch in Bad Saulgau

Zentraler Bestandteil des Modellprojekts ist der neue Bildungsgang „AVdual“ an der Bertha-Benz-Schule, bei dem Jugendliche durch „AVdual“-Begleitungen bei der Vorbereitung und Nachbereitung von Betriebspraktika sowie bei der anschließenden Vermittlung in eine Ausbildung unterstützt werden, wie Dezernent Franz-Josef Schnell erläuterte. „Der Bildungsgang wird seit diesem Jahr angeboten“, sagte Schnell. Ab dem Schuljahr 2021/2022 soll der Bildungsgang dann auch an der Willi-Burth- und Helene-Weber-Schule in Bad Saulgau eingeführt werden. Bei „AVdual“ werden die Lernorte für die Schüler dualisiert, das bedeutet, dass ein berufsfeldübergreifendes, kompetenzorientiertes Lernen nicht nur an der Schule, sondern an zwei Tagen in der Woche auch direkt in einem Praktikumsbetrieb stattfinden soll.

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Eine Fachperson soll dabei den Jugendlichen als Bindeglied zwischen Schule und Betrieb zur Verfügung stehen. Diese „AVdual“-Begleitung soll zum Beispiel bei allen Angelegenheiten der Betriebspraktika – von der Vorbereitung über die tatsächliche Durchführung bis hin zur Nachbereitung – unterstützen und später auch beim Übergang in eine Ausbildung tatkräftige Hilfestellung leisten. „Im Fokus steht der individuelle Lernweg“, attestierte Anette Krause, Referatsleiterin „Berufskolleg“ beim Ministerium für Kultus, Jugend und Sport dem neuen „AVdual“. Der Lernprozess könne besser und effektiver gesteuert werden.

Vernetzung von Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

Die „AVdual“-Begleiter arbeiten mit dem so genannten „regionalen Übergangsmanagement“ zusammen, das unter der Trägerschaft des Landkreises als ein weiterer Baustein neben dem neuen Ausbildungsgang „AVdual“ eingeführt wurde. Durch dieses Übergangsmanagement sollen alle Akteure des Arbeits- und Ausbildungsmarktes vernetzt werden, wie es bei der Vorstellung des Modellprojekts bei der Gründungsversammlung hieß. Außerdem soll dadurch das Landeskonzept zur Neugestaltung des Übergangs von der Schule in den Beruf unter Einbeziehung aller Beteiligten umgesetzt werden. Die neu gegründete regionale Steuerungsgruppe soll die lokalen Handlungsmöglichkeiten des Ausbildungsmarktes herausarbeiten und diskutieren. So entstehende Synergien sollen genutzt werden, um Probleme zu erkennen und gemeinsam anzugehen.

Hohe Quote an Ausbildungszusagen

Das Landratsamt sieht in der Einführung von „AVdual“ einen Mehrwert sowohl für die Jugendlichen, als auch für die Ausbildungsbetriebe im Landkreis, da der direkte, beziehungsweise schnelle Übergang in die duale Ausbildung forciert und engmaschig begleitet wird. Die Evaluation in den Modellregionen habe bereits 2016/2017 eine hohe Quote an Ausbildungsplatzzusagen ergeben. Fast drei Viertel der in Ausbildung übergegangenen Jugendlichen habe in ihrem Praktikumsbetrieb einen Ausbildungsplatz erhalten.

Große Investitionen in Schulen

„Wir möchten alle gemeinsam anpacken und den jungen Menschen alle Chancen bieten, in unserem Kreis beruflich Fuß zu fassen“, fasste Bürkle die Motivation für die Einführung des Modellprojekts zusammen. Der Landkreis Sigmaringen stemmt derzeit und in den kommenden Jahren sehr große Investitionen im gesamten Schulbau, in der technologischen Erneuerung der gewerblichen Schulen sowie bei der Digitalisierung im Rahmen der Umsetzung des Digitalpakts. „Neben diesen Investitionen ist es aber auch wichtig, die Inhalte zu aktualisieren“, meinte Bürkle.

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