Für viele Menschen im Landkreis Sigmaringen dürfte es eine gute Nachricht sein: Der Umwelt- und Kulturausschuss des Kreistags hat einstimmig beschlossen, dass der Regiobus 500 auch im kommenden Jahr im Stundentakt von Sigmaringen nach Überlingen und zurück fahren soll. Und mehr noch: Die Kreisverwaltung soll sich dafür einsetzen, dass das sehr erfolgreiche Projekt um weitere fünf Jahre verlängert wird. Voraussetzung ist dann allerdings, dass der Bodenseekreis weiterhin bereit ist, das Defizit mitzutragen.

Bodenseekreis an Kosten mit 14 Prozent beteiligt

Bislang beteiligen sich die Nachbarn mit rund 14 Prozent. Im Jahr 2018 waren das abzüglich des Landeszuschusses rund 138 000 Euro. Der Kreis Sigmaringen trug im vergangenen Jahr mit 347 000 Euro zum Projekt bei, das eine Lücke im ÖPNV schließt. Davon profitiert auch Pfullendorf, das bislang eher etwas im Verkehrsschatten lag. Angesichts von über 421 000 Fahrgästen im vergangenen Jahr stellte Landrätin Stefanie Bürkle fest: „Der Regiobus ist eine Erfolgsgeschichte.“ Und es gab niemandem im Gremium, der da widersprechen wollte. Ganz im Gegenteil.

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„Der 500er ist bei uns zu einem Begriff geworden“, machte Ralph Gerster (CDU) deutlich. Als Bürgermeister von Herdwangen-Schönach hat er festgestellt, dass seine Bürger das Angebot schätzen und rege in Anspruch nehmen. Als Zubringer fungiert in seiner Gemeinde zusätzlich der Linzgau-Ruf-Bus, der im Rahmen des Projektes MoDavo-SIG (Modellvorhaben Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität im Landkreis Sigmaringen) entwickelt wurde. Ob man sich den Luxus aber weiterhin leisten könne, wenn das Land aus der Förderung aussteigen sollte, das müsse man sehen.

Zeichen des gesellschaftlichen Wandels

Keineswegs als Luxus, sondern als Dimension des gesellschaftlichen Wandels sah Klaus Kubenz (FWV, Sigmaringen) das Angebot. Seine Forderung: „Wir dürfen von diesem Thema nicht abrücken, sondern müssen den ÖPNV stärken.“ Kubenz brachte einen Regiobus von Stockach nach Bad Saulgau in die Diskussion ein. Die Landrätin sieht dafür aber keine Notwendigkeit. Sigmaringen und die Kurstadt seien teilweise im Halbstundentakt mit der Bahn verbunden. Pfullendorf dagegen habe keinen Bahnanschluss, wenn man von der „Räuberbahn“ absieht. Sie fährt sonntags von Aulendorf in die Linzgaustadt.

Job-Ticket auch für Bodo gefordert

Ralph Gerster hätte gerne, dass es ein Angebot wie das Job-Ticket des Verkehrsverbundes Neckar-Alb-Donau (Naldo), zu dem auch der Kreis Sigmaringen hört, ebenso im Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (Bodo), zu dem Überlingen gehört, geben sollte. Man könne damit noch mehr Berufspendler zum Umstieg auf den Regiobus bewegen.

Echtzeitinformation an Haltestellen gewünscht

„Einen ÖPNV ohne Zuschuss gibt es nicht“, stellte Frank Bühler (CDU, Herbertingen) fest. Er ist selbst im Busgewerbe tätig und ist überzeugt, dass man in diesem Bereich einfach „Geld in die Hand nehmen“ müsse. Wie mehrere seiner Kollegen wünscht er sich eine Echtzeitinformation an den Haltestellen. Johannes Kretschmann (Grüne, Sigmaringen) sprach von einem sehr guten Kosten-Nutzenverhältnis beim Regiobus und stellte fest: „Der Straßenverkehr ist auch defizitär. „Er kann sich sogar vorstellen, dass es im Bus Snacks und Getränke gibt. „Das würde den Kultstatus des Busses befördern“, ist er überzeugt.

Pünktlichkeit schwer zu gewährleisten

So weit wollte dann auch Max Stöhr, Fachbereichsleiter Kommunales und Verkehr, nicht gehen. Er wäre schon froh, wenn die Pünktlichkeit gewährleistet werden könnte. Doch das sei angesichts des engen Taktfahrplans sehr schwierig. Die Fahrradmitnahme am Heck der Busse erfordere zusätzliche Zeiten an den Haltestellen. Als Ansatz zur Reduzierung der Fahrzeiten im Bereich des Landkreises Sigmaringen sieht Max Stöhr eine Änderung der Verkehrsführung der zentralen Haltestelle „Rathaus“ in Krauchenwies. Eine Lösung könnte die Verlegung sowie der Neubau eines zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) an der Durchgangsstraße sein. Eine Lösung benötige aber noch Zeit.

Vielleicht zusätzliche Busse zur Landesgartenschau

Für Praktiker Bühler stellt auch die abends geltende 30-Kilometer-Beschränkung in Krauchenwies ein Hemmnis für die Pünktlichkeit dar. Sein Vorschlag: „Ein Blaulicht auf jeden Bus, dann klappt das.“ Das wäre vielleicht im kommenden Jahr nicht schlecht. Denn beginnt die Gartenschau in Überlingen. „Wir überlegen, ob wir da nicht zusätzliche Busse oder Gelenkfahrzeuge einsetzen“, stellte Max Stöhr hierzu fest.