Zahlreiche Ausbildungsplätze im Bereich der Kreishandwerkerschaft Sigmaringen sind zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres noch nicht besetzt. Darauf wies am Mittwoch Sigmund Bauknecht hin. Vor rund 400 Teilnehmern der Gesellenlossprechungsfeier in der Inzigkofener Römerhalle nannte der Kreishandwerksmeister den demografischen Wandel und damit verbunden das Fehlen von Berufsnachwuchs insgesamt, sowie die Einstellung vieler Eltern, nur mit Abitur und Studium sei ein erfolgreiches Berufsleben möglich.

Bei der Herbstfeier des regionalen Handwerks zum Ende der Ausbildungszeit erhielten 125 Nachwuchskräfte ihre Gesellenbriefe. Sie wurden in 104 Meisterbetrieben ausgebildet. 16 Junghandwerker waren bei der Abschlussprüfung so gut, dass ihre Leistungen mit Preisen honoriert werden konnten.

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Bürgermeister Bernd Gombold brachte sein Plädoyer für eine Ausbildung im Bereich des Handwerks mit der Feststellung auf den Punkt: „Wir brauchen Handwerker und nicht nur Akademiker!“ Der Kommunalpolitiker betonte, dass es selbst im kommunalen Bereich aktuell sehr schwierig sei, die für Bau- oder Sanierungsprojekte benötigten Handwerker zeitnah zu bekommen. Er verwies darauf, dass gerade die mittelständischen Handwerksbetriebe zum Rückgrat der heimischen Wirtschaft gehörten. Gerade in diesem Bereich würden qualifizierte Nachwuchskräfte gesucht. Gute Handwerker fänden deshalb überall einen guten Arbeitsplatz.

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Joachim Eiser, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Reutlingen, nutzte seinen Redebeitrag, um die jungen Leute zu motivieren, für das Handwerk und seine Berufe zu werben. Der Sprecher forderte den Berufsnachwuchs auf, in den sozialen Medien Freunden und Bekannten von ihrer Ausbildung und ihrer Arbeit zu berichten. Eisers Appell hat einen für das regionale Handwerk in den fünf Landkreisen im Handwerkskammerbereich ernsten Hintergrund. Er berichtete von einem elfprozentigen Rückgang der Ausbildungsverträge im Kammerbereich, denen ein Zuwachs von 4,7 Prozent in Sigmaringen gegenüber stehe. Der Reutlinger dämpfte Erwartungen, der technische Fortschritt könnte den Fachkräftemangel lindern. Die menschliche Arbeitskraft im handwerklichen Bereich könne aus Sicht des Hauptgeschäftsführers nicht durch Roboter ersetzt werden. Er begründete dies mit dem Hinweis, zu subjektiven Wahrnehmungen etwa im ästhetischen Bereich seien Roboter nicht fähig.

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Wie es im Alltag der Ausbildung und des Berufs tatsächlich zugeht, wurde im Interview der Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Patricia Griener mit den beiden Nachwuchskräften Natali Fathu aus Pfullendorf und Konstantin Pozzi aus Stetten a.k.M. deutlich. Die beiden Junghandwerker haben mit unterschiedlichen Ausgangspositionen ihren Platz in der Berufswelt gefunden. Fathu stammt aus Syrien. Die junge Frau hat die Sprachbarriere erfolgreich überwunden und arbeitet als gern gesehene Fachkraft in einem Friseursalon in Pfullendorf. Pozzi dagegen ist in Deutschland aufgewachsen und hat in seiner Tätigkeit als Maurer seinen Platz gefunden. Beide würden sich wieder für einen Beruf im Handwerk entscheiden.