Seit im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie ausgebrochen ist, sind bereits viele kleine Kulturbetriebe von der Bildfläche verschwunden. Auch die Alte Fabrik Mühlhofen hat seit mehr als eineinhalb Jahren keinen wirtschaftlichen Kulturbetrieb mehr. Sie hat nur deshalb überlebt, weil es zum einen den Förderverein sowie private Unterstützer gibt, und zum anderen neben dem Kulturbetrieb die Räume vermietet werden können und ein gastronomisches Angebot existiert.

„Ich arbeite schon lange mit sehr viel Idealismus“, sagt Matthias Becht, Programmchef der Alten Fabrik Mühlhofen und damit zuständig für den Kulturbetrieb. „Es ist schon eine gehörige Portion Frustration dabei, wenn man ein Programm auf die Beine stellt, und dann mehr damit beschäftigt ist, Termine zu verschieben oder gar abzusagen und wieder abzuwickeln.“ Eigentlich sei er um diese Zeit bereits an der Planung für das Programm 2023. Diesbezüglich mache er aber aktuell nichts, denn bei den ganzen Verschiebungen seien ohnehin noch genügend Veranstaltungen nachzuholen.

War am 28. Dezember vergangenen Jahres die bislang letzte Kleinkunst-Vorstellung in der Alten Fabrik Mühlhofen: Hämmerle alias Bernd ...
War am 28. Dezember vergangenen Jahres die bislang letzte Kleinkunst-Vorstellung in der Alten Fabrik Mühlhofen: Hämmerle alias Bernd Kohlhepp. | Bild: Klaas, Manuela

„Jede Änderung kostet uns bares Geld“

Hinzu komme die ständige Änderung der Hygienevorschriften. „Jede Änderung kostet uns bares Geld, weil wir uns ja für alle Eventualitäten rüsten müssen“, erklärt Matthias Becht. „Wenn aber alle zwei Wochen etwas Neues beschlossen wird, macht es unsere Arbeit unheimlich schwer.“ Ganz abgesehen davon, dass die Besucher dadurch enorm verunsichert werden und im Zweifelsfall dann eben auf einen Besuch ganz verzichten.

Das könnte Sie auch interessieren

Dezemberhilfe 2020 steht noch aus

Aus wirtschaftlichen Gründen arbeitet Matthias Becht schon lange nicht mehr. Doch er sagt auch: „Wir bekommen so viel Zuspruch von den Besuchern, dass aufgeben für mich keine Alternative ist.“ Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie und einen gewissen Normalbetrieb bestehe nach wie vor. Leider sind die finanziellen Unterstützungen vom Land oder vom Bund ebenfalls sehr überschaubar. „Auf die Dezemberhilfe 2020 warten wir beispielsweise bis heute“, so Matthias Becht.

Zu Person und Kulturbühne

„Was wir bekommen haben, sind sachbezogene Zuschüsse vom Bund für unsere Luftfilter, die wir angeschafft haben“, berichtet der Programmchef. „Vom Land gab es bislang gar nichts. Das liegt daran, dass wir ein privat betriebener Kulturbetrieb sind.“ Bezüglich der konterkarierenden Entscheidungen von Bund und Ländern, was Fördergelder angeht, hat Matthias Becht auch ein praktisches Beispiel. Im Sommer 2021 wurde von der Bundesregierung der Sonderfond Kultur ins Leben gerufen. Nur wenige Wochen später sorgte eine Änderung der Hygienebestimmungen des Landes dafür, dass die Kleinkunstbühnen in Baden-Württemberg aus den Förderrichtlinien gefallen sind.

Regeländerung kollidiert mit Sonderfond

Genauer: Über den Sonderfond Kultur hätten beim Bund Kulturbetriebe finanzielle Ausfälle geltend machen können, wenn sie wegen der Hygienevorschriften nicht alle Plätze im Saal besetzen hätten können. Das heißt, die Plätze, die wegen der Abstandsregeln nicht besetzt werden hätten können, wären aus dem Fond bezahlt worden. Dann aber beschloss die Landesregierung, dass mit 3G und Mundschutz alle Plätze ohne Abstand besetzt werden hätten können. Damit war eine Beantragung von Fördergeldern nicht mehr möglich.

„Diese Entscheidung hat uns damals sogar doppelt bestraft“, erklärt Matthias Becht. „Zum einen fielen wir aus den Förderrichtlinien des Bundes und zum anderen waren die Besucher so verunsichert, weil sie eigentlich Abstand halten wollten.“ Die Folge: Eine Veranstaltung nach der anderen musste erneut verschoben werden. Mittlerweile wurden die Richtlinien des Sonderfonds Kultur angepasst, sodass man für freiwillig abgesagte Veranstaltungen Fördergelder beantragen kann. „Wir beantragen nur in Einzelfällen, wenn es von Künstler- beziehungsweise Managementseite verlangt wird, um eine Ausfallgage zu erhalten“, erklärt Matthias Becht. „Ansonsten ist das Ganze nur ein Nullsummenspiel mit riesigem bürokratischem Aufwand.“

Die Alte Fabrik in Mühlhofen bei der Protestaktion „#AlarmstufeRot“. Das war im Juni 2021.
Die Alte Fabrik in Mühlhofen bei der Protestaktion „#AlarmstufeRot“. Das war im Juni 2021. | Bild: Jäckle, Reiner

Verein und Spender retten Kulturbetrieb

Die Alte Fabrik versuchte sich deshalb anderweitig zu helfen, denn die Miete und die Energiekosten mussten dennoch bezahlt werden. Hier spielt vor allem der Förderverein eine ganz große Rolle. „Ohne ihn hätten wir den Kulturbetrieb wohl schon lange einstellen müssen“, spekuliert Matthias Becht. „Die Mitglieder und vor allem die zahlreichen privaten Spender haben den Kulturbetrieb bislang gerettet.“ Außerdem wurde mit dem Café Salon Berlin das gastronomische Angebot erweitert. An Sonntagen werden Kaffee und Kuchen geboten.

Das Café Salon Berlin in der Alten Fabrik Mühlhofen. Seit Pfingsten gibt es dort sonntags Kuchen auch zum Mitnehmen.
Das Café Salon Berlin in der Alten Fabrik Mühlhofen. Seit Pfingsten gibt es dort sonntags Kuchen auch zum Mitnehmen. | Bild: Jäckle, Reiner

Eine weitere Unterstützung erhält die Alte Fabrik dadurch, dass die Räume für Hochzeiten, Geburtstage und andere Feste vermietet werden. „Wenn wir diese Möglichkeiten nicht hätten, könnten wir die laufenden Kosten nicht mehr bezahlen“, so der Programmchef. „Deshalb sind wir aktuell schon zufrieden, wenn wir am Ende des Monats mit einer schwarzen Null dastehen.“

Das könnte Sie auch interessieren