Passender hätten die Organisatoren des Sommertheaters ihr diesjähriges Hauptstück kaum wählen können: In "Volpone. Der Fuchs", einer schwarzhumorigen Komödie nach Ben Jonson, geht es um Geld und Macht. Diese Thematik scheint sich aber nicht nur auf der Bühne wiederzufinden, sondern bestimmt auch die Vorbereitungen auf die etablierte Theaterreihe. Nach einer anfänglichen Zusage wollte die Stadtverwaltung das Sommertheater nun doch noch streichen. Der Grund: Die Kosten drohen zu hoch zu werden. Weil die baufällige Kapuzinerkirche in diesem Jahr nicht als Spielstätte zur Verfügung steht und als Alternative ein Zelt im Badgarten errichtet werden soll, rechnet die Stadt mit einem zusätzlichen Defizit von 46 000 Euro, das nicht gedeckt sei. "Das Regierungspräsidium steht uns auf den Füßen", sagte Raphael Wiedemer-Steidinger, Leiter des Fachbereichs 1, mit Verweis auf die Auflagen an die Stadt, sparen zu müssen.

Die Verwaltung stellte deshalb in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch den Antrag, in diesem und in nächsten Jahr auf das Sommertheater zu verzichten – und kassierte eine klare Absage. Der Gemeinderat stimmte einstimmig gegen den Vorschlag der Verwaltung und somit für das Sommertheater. "Wir können es uns in diesem Stadium nicht leisten, die Veranstaltung abzusagen", sagte etwa Günter Hornstein (CDU) und spielte auf die bereits abgeschlossene Planung der Organisatoren von der Bühne gGmbH und des Fördervereins Sommertheater an. Angesichts der bereits geleisteten Arbeit sei eine Absage ein "fatales Signal an das Ehrenamt".

Auch Marga Lenski (LBU/Grüne) hielt den Zeitpunkt des Vorstoßes der Stadt für "sehr unglücklich". Zu weit seien die Vorbereitungen bereits fortgeschritten. "Wir sollten es uns nicht leisten, unzuverlässige Vertragspartner zu sein." Ähnlich argumentierte Sylvia Kruse-Baiker (SPD), die als langjährige Leiterin des Augustinum Überlingen viele Kulturveranstaltungen organisierte: "Wer selbst schon im Kulturbereich gearbeitet hat, weiß, dass man da gar nicht rauskommt ohne Regresse."

Lothar Thum (FW/ÜfA) sah ebenso Erstattungsansprüche auf die Stadt zukommen: "Wenn wir heute absagen und trotzdem Kosten haben, haben wir auch nichts gewonnen." Dem widersprach Oberbürgermeister Jan Zeitler. Ohne genauer auf die rechtliche Situation eingehen zu wollen, sagte er: "Niemand von der Stadt hat etwas rechtlich Bindendes gezeichnet." Zudem verteidigte er den späten Zeitpunkt, zu dem die Verwaltung einen Verzicht auf das Sommertheater vorgeschlagen hatte: "Wir konnten nicht schneller reagieren, weil die Kosten nicht bekannt waren."

Damit konnte er die Räte jedoch nicht umstimmen, die sich vehement für die Bedeutung der drei Kulturveranstaltungen – neben dem Sommertheater werden auch "Kultur im Kapuziner" und die "Kleine Oper am See" das jetzt genehmigte Zelt nutzen – aussprachen. "Das kulturelle Leben wirkt prägend auf die gesamte Bevölkerung", sagte etwa Raimund Wilhelmi (FDP). Roland Biniossek (Linke) prophezeite Zeitler gar eine "krachende Niederlage" – auch weil dieser sich bei der Problemlösung wenig kreativ gezeigt habe: "Wie kann ein Oberbürgermeister so unsensibel sein, so einen destruktiven Vorschlag zu machen?" Zeitler hingegen verteidigte seinen Antrag mit dem Beschluss des Gemeinderats aus dem Jahr 2016, den Zuschuss der Stadt zum Sommertheater auf 30 000 Euro zu deckeln. "Ich habe doch von Ihnen als Gemeinderat eine Vorgabe und kann sie nicht erfüllen. Da kann ich doch gar keinen anderen Vorschlag machen."

Kreative Vorschläge kamen hingegen aus der Ratsrunde. So präsentierte die CDU drei Ideen. Erstens: Die Veranstalter suchen nochmals nach Einsparpotenzial bei Zeltaufbau, -unterhalt und Veranstaltungsdurchführung; zweitens: Die Eintrittspreise werden um 2 Euro erhöht und klar kommuniziert, dass dies aufgrund der besonderen Situation notwendig sei; drittens: Die zusätzlichen Kosten werden aus dem laufenden Haushalt umgelagert, also Geld, das für andere Projekte vorgesehen war, derzeit aber noch nicht gebraucht wird, wird für das Sommertheater zur Verfügung gestellt. Unter diesen Bedingungen stimmte der Rat einstimmig für die Veranstaltung in diesem Jahr.

Offen bleibt hingegen, wie es mit dem Sommertheater ab 2019 weitergeht. So machten die Fraktionen von CDU, Freien Wählern/ÜfA und LBU/Grüne deutlich, dass die getroffene Regelung einmalig für dieses Jahr sei. Für die Planung für das Sommertheater 2019 bestehe nun genug Zeit, sich Gedanken über eine strukturelle Veränderung zu machen. "Wir könnten uns vorstellen, dass 2019 und 2020 kein Sommertheater stattfindet", sagte etwa Lothar Thum. Ganz anders sah die Raimund Wilhelmi: "Wenn Sie einmal eine Veranstaltung abgesagt haben, ist es unglaublich kompliziert, die Menschen wieder aus der Routine zu ziehen und vom Sofa zu holen."

Simeon Blaesi, Leiter der Bühne gGmbH, wollte noch gar nicht so weit vorausschauen. Erst einmal gelte es, das diesjährige Programm umzusetzen. "Ich bin sehr erleichtert", sagte er nach der Sitzung, in der er nochmals an die Gemeinderäte appelliert hatte. Allerdings habe er Probleme mit den Auflagen des Rats. So sehe er nur wenige Einsparpotenziale ohne Leistungseinbuße. Auch bezweifle er, dass höhere Eintrittspreise mehr Einnahmen mit sich bringen: "Gerade wenn etwas neu ist, ist es riskant, zu teuer zu starten."

Reinhard Weigelt, der sich als FDP-Stadtrat in der Diskussion als befangen erklärt hatte, zeigte sich froh, dass er nun für "Kultur am Kapuziner", wie er seine Kleinkunstreihe in diesem Jahr nennen wird, und auch "Kleine Oper am See" weiterplanen könnten. Auch für die Zukunft zeigte er sich optimistisch: "Wir werden auch auf die lange Sicht eine Lösung finden."

Schauspieler gesucht

  • Das Sommertheater wird in diesem Jahr zum ersten Mal in Kooperation mit den Festspielen Wangen stattfinden. Regisseur Peter Raffalt bringt vier Stücke und die Schauspieler aus dem Allgäu mit an den Bodensee. Vom 30. August bis zum 16. September wird es elf Aufführungen des Hauptstücks „Volpone. Der Fuchs“, sowie je zwei Aufführungen der beiden Zusatzstücke „Heute Abend: Lola Blau“ und „Der Kontrabass“ geben.
  • Erstmalig wird es zudem an zehn Nachmittagen ein Familienstück geben: „Aladdin und die Wunderlampe“. Hier sollen auch Kinder- und Laienschauspieler aus Überlingen und der Region auf der Bühne stehen. Die Bühne gGmbH veranstaltet deshalb am Samstag, 16. Juni, 16 Uhr ein Casting für Kinder ab 10 Jahren, Jugendliche und Erwachsene in den Seeschulen. Eine Anmeldung ist möglich per Mail an aladdin@buehne-ueberlingen.de und bald auch im Internet unter: http://www.sommertheater-ueberlingen.de