Für viele selbstverständlich, für andere eine Unart: Wildvögel füttern. Gegner führen vor allem an, dass der Mensch damit in die natürliche Auslese eingreife und die Fütterung nur ungefährdeten Vogelarten zugutekomme.

Ornithologe Peter Berthold rät, das ganze Jahr zu füttern

Der Ornithologe und Autor des Buches „Vögel füttern, aber richtig“, Peter Berthold aus Billafingen, sieht das jedoch anders: Vögel füttern sei nicht nur im Winter sinnvoll, sondern das ganze Jahr über. In Zeiten, in denen der natürliche Lebensraum und die Nahrungsgrundlage der Vögel schrumpfen, könne man so zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen. Zumindest bis in die Brutzeit hinein sollte man die Vogelfütterung fortsetzen, sagt Berthold.

Auch Detlef Koch vom Nabu sagt: „Schaden tut es auf keinen Fall“

Der Ornithologe Detlef Koch vom Naturschutzbund (Nabu) Überlingen pflichtet bei: „Bei unseren jährlichen Vogelzählungen sehen wir einen Rückgang bei allen Arten. Im Winter ist die Vogelfütterung besonders wichtig, aber auch im Sommer tut man damit etwas Gutes für den Erhalt der Arten. Und schaden tut es auf gar keinen Fall.“ Nicht zuletzt mache es Spaß.

Hygieneregeln und Bedürfnisse beachten

Wer sich also dafür entscheidet, Vögel zu füttern, sei es im eigenen Garten oder in der freien Natur, macht laut der Experten nichts falsch, so lange er dabei Hygieneregeln beherzigt und sich über die Bedürfnisse der verschiedenen Vogelarten informiert.

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Wer eine möglichst große Vielfalt an Vogelarten im Garten begrüßen möchte, sollte auch für Vielfalt im Futterangebot sorgen. Im Handel gibt es für verschiedene Vogelgruppen unterschiedliche Futtermischungen. Aber auch im eigenen Lebensmittelvorrat kann man fündig werden. Man muss nur wissen, was sich eignet und auf welche Weise man es im Garten anbietet.

Ideal sind naturnahe Gärten, die im Herbst nicht kahl geschoren werden

Körnerfresser wie Grünlinge mögen Sonnenblumenkerne und Sämereien wie Hanf, Mohn oder Hirse, die man in einem Futterhaus oder Futtersilo anbieten sollte. Weichfutterfresser wie Kohl- oder Blaumeisen bedienen sich daran ebenfalls gern, sind aber zusätzlich auf tierische Nahrung wie Insekten, Spinnen oder kleine Schnecken angewiesen. Darum ist für diese Arten der naturnahe Garten ein ganz wichtiger Futterplatz, der im Herbst nicht kahl geschoren und mit Laubsaugern „gereinigt“ wird, sondern mit Hecken, Sträuchern und Laub gute Voraussetzungen bietet, dass diese Vögel dort Insekten finden. Man könne Mehlwürmer zufüttern, erklärt Detlef Koch, doch die sinnvollere und kostengünstigere Variante sei der Jahreszeitengarten. „Jeder Baum und jede Pflanze kann im Frühjahr zurückgeschnitten werden“, sagt der Landschaftsgärtner. „Es ist nicht notwendig, im Herbst den Garten mit Heckenschere und Laubsauger ‚aufzuräumen‘.“

Amseln mögen Beeren und Obst, Rotkehlchen fressen gern vom Boden

Amseln sind außer über tierische Nahrung auch über ein Angebot an Beeren oder Obst oder mit Fett angereicherte Haferflocken glücklich. Rotkehlchen suchen sich ihre tierische Nahrung ebenfalls selbst und an der Futterstelle fressen sie am liebsten vom Boden: Hirse, Mohn, Getreideflocken und Fett. Rosinen, Äpfel, Erd- oder Walnüsse werden von den meisten Vögeln als Leckerbissen geschätzt.

Fetthaltiges Vogelfutter ist zum Beispiel bei Blaumeise beliebt, wird aber auch vom Buntspecht bevorzugt. Man kann es auch selbst herstellen, es gibt den Tieren Energie für kalte Tage.
Fetthaltiges Vogelfutter ist zum Beispiel bei Blaumeise beliebt, wird aber auch vom Buntspecht bevorzugt. Man kann es auch selbst herstellen, es gibt den Tieren Energie für kalte Tage. | Bild: Stefan Hilser

Verschiedene Varianten von Futterstellen sinnvoll

Mehrere im Garten verteilte Futterstellen vermeiden Streitigkeiten. Dafür kommen verschiedene Fütterungsvarianten in Frage: das Füttern in einem Vogelfutterhaus, als Fettblock oder Meisenknödel oder vom Boden. Jede Vogelart hat ihre Vorlieben.

Im Vogelhäuschen wird Futter mit Kot verunreinigt

Vom klassischen Vogelhäuschen, bei dem man das Futter auf den Boden streut, rät Detlef Koch ab. Hier ist die Verunreinigung des Futters mit Kot unvermeidlich. Die Häuschen müssen regelmäßig gut gereinigt werden. Denn mangelt es hier an Hygiene, kann schnell eine Brutstätte für Krankheiten entstehen. Koch empfiehlt Häuschen, „bei denen das Futter hinter einer Scheibe steckt oder Futterspender, die es mit drei Kammern zu kaufen gibt, bei denen das Futter automatisch von oben nachrutscht.“ Hier bleibe das Futter von Verunreinigungen weitestgehend geschützt. Es gibt sie auch als hängende Variante. Wichtig ist, dass solche Futterautomaten über seitliche herausstehende, geeignete Sitzgelegenheiten verfügen.

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Eine andere Möglichkeit ist die Fütterung mit Meisenknödeln oder Fettblöcken, bei denen das Futter in Rindertalg oder Kokosöl gemischt wird. In der Kälte härtet die Masse aus und bietet eine hygienische und nahrhafte Futterlösung. Die Fettblöcke oder -knödel lassen sich auch einfach in den Garten hängen.

Federspiralen verhindern, dass Krähen die Meisenknödel wegtragen

Für Meisenknödel empfiehlt Detlef Koch Federspiralen aus Metall, in denen mehrere Knödel Platz finden und die verhindern, dass die Knödel von Eichhörnchen oder Krähen zerfleddert oder weggetragen werden. Peter Berthold empfiehlt in seinem Buch „eine Kombination von Futterhaus, säulenförmigen Futtersilos einschließlich Erdnuss-Spender mit Außengitter sowie Fettknödeln in Spiralen oder anderweitig geformtem Fettfutter wie Energiekuchen, Fettglocken usw.“.

Bodenfutterstellen vor Katzen und anderen Räubern schützen

Und dann gibt es noch die Vogelarten, die am liebsten vom Boden fressen. Dazu gehören Goldammer, Lerche und Buchfink sowie Reb- und Teichhuhn. „Auch Drosseln, Rotkehlchen und Eichelhäher fressen am liebsten am Boden“, erklärt Detlef Koch. Hier empfiehlt es sich, Körner, aber auch Beeren, Haferflocken oder Nüsse überdacht auf dem Boden anzubieten und diese Bodenfutterstellen mit speziellen Vorrichtungen vor Katzen und anderen Raubtieren zu schützen. Vogelhäuser und Meisenknödel sollten sich wegen der Räuber mindestens eineinhalb Meter über dem Boden befinden. Futterspender oder Knödel, die an einem Ast aufgehängt werden, sollten ausreichend Entfernung zum Baumstamm haben.

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Auch Bademöglichkeit in der Nähe von Futterstellen einrichten

Vögel müssen auch im Winter trinken – und baden. Gerade wenn kein Schnee liegt, ist ihnen mit einer geschützten Bademöglichkeit in der Nähe der Futterstelle geholfen, die auch als Tränke dient. Geeignet sind flache Schalen mit rauer Oberfläche.

Im naturnahen Garten leben Star (links) und Buntspecht in guter Nachbarschaft. Nisthilfen tragen ebenso zum Erhalt der Population bei wie Totholz. Einfach alte Bäume stehen oder nach dem Fällen liegen lassen, für den Buntspecht sind sie ein reich gedeckter Tisch.
Im naturnahen Garten leben Star (links) und Buntspecht in guter Nachbarschaft. Nisthilfen tragen ebenso zum Erhalt der Population bei wie Totholz. Einfach alte Bäume stehen oder nach dem Fällen liegen lassen, für den Buntspecht sind sie ein reich gedeckter Tisch. | Bild: Stefan Hilser

Wer hochwertiges, also nicht verdorbenes Futter und Fett verwendet, die Hygieneregeln beachtet und die Futterstellen an einem geeigneten Ort einrichtet, hat nicht nur Spaß beim Beobachten der gefiederten Besucher, sondern unterstützt aktiv den Erhalt der Arten. Vor allem, wenn er dabei die Pflanzen im Garten stehen lässt. Und gern auch zusätzliche Nisthilfen anbietet.