Es war ein milder Herbsttag und die Beerdigung fast vorüber. Nur noch wenige Trauergäste standen an, um der Verstorbenen einen letzten Gruß in Form von Blumen ins Grab zu werfen. Plötzlich rief ein dünnes Stimmchen: „Meine Handtasche!“ Die alte Dame hatte aus Versehen nicht nur Blumen, sondern auch das am Handgelenk baumelnde Täschchen ins offene Grab geworfen. Nach dem ersten Schreck konnten sich viele Trauergäste das Grinsen nicht verkneifen. Die Szene war einfach zu kurios.

„Alles, was guttut, tolerieren“

Aber darf man am Grab eines geliebten Menschen lachen? Der katholische Pfarrer Ulrich Hund aus Markdorf sieht das nicht so eng. „In diesen Momenten sollte man alles, was guttut, tolerieren. Lachen und Weinen liegen manchmal sehr dicht beieinander.“ Er nehme oft lustige Begebenheiten oder Wesenszüge, von denen ihm Angehörige berichten, in seine Rede auf. „Viele müssen dann schmunzeln und denken: So war er ja auch!“

„Man muss kein schlechtes Gewissen haben“

Seine evangelische Kollegin, Dekanin Regine Klusmann aus Überlingen, sieht das ebenso: „Man muss kein schlechtes Gewissen haben. Es ist schön, wenn es gelingt, auch bei einer Beerdigung ein wenig zu lächeln.“ Beide betonen, dass es immer sehr von den Umständen abhänge, wie viel Humor bei einer Beerdigung angemessen sei.

Ulrich Hund nimmt gern lustige Begebenheiten oder Wesenszüge des Verstorbenen in die Trauerrede mit auf: „Viele müssen dann schmunzeln und denken: So war er ja auch!“
Ulrich Hund nimmt gern lustige Begebenheiten oder Wesenszüge des Verstorbenen in die Trauerrede mit auf: „Viele müssen dann schmunzeln und denken: So war er ja auch!“ | Bild: Georg Wex

Manchmal ist aber kein Platz für heitere Gedanken

Regine Klusmann musste einst eine Schulkameradin ihres Sohnes zu Grabe tragen, die an Leukämie gestorben war. Da bliebe kein Platz für heiteres Gedenken. Ulrich Hund ging selbst schon eine Trauerfeier sehr zu Herzen, weil er den Verstorbenen gut kannte. „Da muss man in der Rolle bleiben und sich auf das Ritual besinnen, man hat schließlich eine Verantwortung.“

Bei vorbereitenden Gesprächen wird oft gelacht

Bei den vorbereitenden Gesprächen für eine Trauerfeier mit den Angehörigen wird oft gelacht. Ulrich Hund erinnert sich an den Termin zur Beerdigung seines Vaters, die ein Kollege übernommen hatte. Seinen Geschwistern und ihm seien viele, auch komische Geschichten eingefallen, bei denen sie herzlich lachen mussten. Auch Regine Klusmann fragt vorab immer nach den humorvollen Seiten des Verstorbenen. „Ich versuche immer, den Trauergästen ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern.“

Vorsicht vor Superlativen im Lebenslauf

Allerdings gehe sie mittlerweile vorsichtig mit Superlativen bei der Schilderung des Lebenswegs um. Es sei ihr schon passiert, dass sich bei der Trauerfeier herausstellte, dass der im Vorgespräch hoch gelobte Verstorbene kein ganz so moralisch einwandfreies Leben geführt habe.

Stimmungshit auf der Liederliste zur Trauerfeier

Viel Flexibilität fordert bisweilen die Auswahl der Musikstücke den Geistlichen ab. Ulrich Hund musste einmal improvisieren, als das auf der Liste stehende Lied, auf das er sich inhaltlich beziehen wollte, einfach nicht kam. Regine Klusmann war verdutzt, den Stimmungshit „An der Nordseeküste“ auf der Playlist einer Trauerfeier zu finden. Die Angehörigen hatten es aber vor allem wegen einer Textzeile ausgesucht, die sie dann in ihrer Rede aufgreifen konnte.

Auch Regine Klusmann versucht, wo es passt, den Trauergästen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern: „Es ist schön, wenn es gelingt, auch bei einer Beerdigung ein wenig zu lächeln.“
Auch Regine Klusmann versucht, wo es passt, den Trauergästen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern: „Es ist schön, wenn es gelingt, auch bei einer Beerdigung ein wenig zu lächeln.“ | Bild: Stefan Hilser

Sargträger fällt bei Schnee in die Hecke

Früher folgten Trauerfeiern einem starren Ritus. Das ist heute anders, auch durch die unterschiedlichen Bestattungsformen. Bei einer Urnenbeisetzung könnte sich die Geschichte nicht ereignen, die Pfarrer Hund schmunzelnd berichtet. Bei einer Beerdigung lag der Schnee hoch und auf dem Weg zum Grab strauchelte einer der Sargträger. Das mag am schwierigen Untergrund, aber auch an seinem vorherigen Alkoholkonsum gelegen haben. Der Mann rutschte aus und verschwand in einer Hecke. Nach einem kurzen Schreckmoment tauchte er wieder auf und schulterte den Sarg, als sei nichts gewesen. Allerdings hatte sein Erscheinungsbild gelitten: Der Hut saß schief und seine Haare waren voller Schnee. Kaum einer der Trauergäste konnte sich das Lachen verkneifen.

Weihwasser gefriert am Sprengwedel

Der Winter sorgte auch für eine Begebenheit, von der ein ehemaliger Ministrant aus Überlingen berichtet. Zur Beerdigung eines bekannten Geschäftsmanns waren viele Menschen gekommen. Sie wollten den Sarg mit Weihwasser besprengen. Es herrschte aber so strenger Frost, dass das Wasser im Sprengwedel gefroren war und alle einen Klumpen Eis schwenkten, ohne dass die Segnung beim Sarg ankam.