Die Tage des Alten- und Pflegeheims Haus Silberdistel sind gezählt: Zum Jahresende wird es endgültig geschlossen. Das wurde während der ersten Sitzung des Gemeinderates nach der Sommerpause verdeutlicht. Wie es dann weitergeht, ist nicht entschieden. Den Bürgervertretern wurde jetzt erst einmal ein Bauprojekt der Höpkens Park c+e GmbH aus Bremen für ein „Betreutes Wohnen“ vorgestellt. Das Unternehmen hat das Pflegeheim mittlerweile erworben. Die Bürgervertreter nahmen von dem Vorhaben „ganz unverbindlich Kenntnis“, wie Bürgermeister Oliver Gortat sagte.

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Nach Darstellung von Gortat soll das Haus künftig einer neuen Nutzung zugeführt werden, da das Pachtverhältnis mit dem Pflegedienstbetreiber, der Korian-Gruppe in München, endet. Bei seinen Gesprächen mit der Bremer Bauträgergesellschaft habe sich die zentrale Frage gestellt, „wie der Wegfall des Pflegeheims vor Ort kompensiert und dem Bedarf nach altersgerechtem Wohnraum gerecht werden kann“. Man sei zu dem Entschluss gekommen, die vorhandenen Strukturen zu nutzen, um altersgerechte Appartements zu schaffen und der Anlage ein neues Gesicht zu verleihen. Er könne sich gut ein betreutes Wohnen vorstellen. Um die Nutzung „altersgerechtes Wohnen“ zu sichern, habe er den Abschluss eines städtebaulichen Vertrages mit dem Projektentwickler als Idee vorbesprochen.

Gerlach: „Bodensee Appartements“ für ältere Mitbürger

Wie dessen Geschäftsführer Diedrich Gerlach mitteilte, möchte man mit den „Bodensee Appartements“ ein gesamtheitliches Wohnkonzept schaffen, um den künftigen Bewohnern aus Sipplingen ein eigenständiges Leben bis ins hohe Alter zu ermöglichen. Er stellt sich einen Umbau und eine Modernisierung des Bestandsgebäudes vor, sodass 33 Wohneinheiten für betreutes Wohnen in der Größe von rund 50 bis über 100 Quadratmeter entstehen. Das bestehende Gebäude mit einem Staffelgeschoss in der obersten Etage soll derart umgebaut werden, dass drei Satteldächer mit einer Dachneigung von 45 Grad entstehen. Die Häuser sollen sich nach dem Umbau besser in die umliegende Bebauung als bisher einfügen, zudem würden die Gebäude energetisch saniert. Mittels eines angedachten Pflegedienstes könnten die künftigen Bewohner bei Bedarf zusätzlich durch Leistungen und Angebote unterstützt werden. Vier Wochen vor Betriebsstart stellt sich Gerlach, der im Falle einer Realisierung nicht Betreiber wäre, ein Vorverkauf für Sipplinger Bürger vor.

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Das Vorhaben stieß sowohl auf Zustimmung als auch auf Kritik im Rat. „Ich stehe dem positiv gegenüber und bin froh, dass kein teurer Wohnraum entstehen soll“, sagte beispielsweise Caroline Fruchtzweig (FW). Ins gleiche Horn blies Thomas Biller (FW): „Ich bin grundsätzlich positiv angetan.“ Bedenken äußerte Willi Schirmeister (FW), der die mögliche Bebauung als „sehr intensiv“ empfand, nach der Höhe der Miete fragte und an Paragraf 22 des Baugesetzbuches in Bezug auf die Eigentumsbildung fragte. Darin heißt es, dass Gemeinden, die oder deren Teile überwiegend durch Tourismus geprägt sind, in einem Bebauungsplan oder durch eine sonstige Satzung bestimmen können, dass zur Sicherung der Zweckbestimmung von Gebieten mit Tourismus die Begründung oder Teilung von Wohnungseigentum oder Teileigentum genehmigt werden muss.

Beirer: Massive Überschreitung der festgelegten Wohneinheiten

Auch Clemens Beirer (CDU) machte in Bezug auf diesen Paragrafen darauf aufmerksam, dass es in Sipplingen bisher nicht möglich sei, Wohneigentum zu bilden, wie von Gerlach geplant. „Eine Aufweichung dieses Paragraphen können wir nicht mittragen, da zu viel für die Gemeinde auf dem Spiel steht“, teilte er dem SÜDKURIER mit. Er kritisierte eine „massive Überschreitung“ der im Bebauungsplan festgelegten Wohneinheiten, die vorgestellte Aufstockung um ein Geschoss und die Nichteinhaltung der Firsthöhe. Beirer: „Das Vorhaben müsste eigentlich abgespeckt werden.“ Gortat warf ein, dass dies dann Sache einer Bauvoranfrage sei. Diese möchte Gerlach im Oktober stellen, bei positivem Bescheid würde der Bauantrag Ende des Jahres eingereicht, der Baustart im zweiten Quartal 2021 und das Bauende nach weiteren 18 Monaten folgen. Gortat: „Heute war das aber eine absolut erste Vorstellung mit unverbindlicher Diskussion.“

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