„Schönes Wetter, Blütenträume und das einmalige Angebot der Bodo-Card war Luxus-Urlaub pur auch für uns Normalverbraucher.“ Kerstin Skarabis und Hardy Wolf aus Dresden-Freital, zu Gast bei Christina und Jürgen Marte im Haus Blütengarten, zeigten sich in einer E-Mail begeistert von dem Angebot der Echt-Bodensee-Card (EBC). Angesichts vieler positiver Reaktionen, von denen Sipplinger Vermieter in Bezug auf die umstrittene elektronische Gästekarte berichten, hatten sie ein Treffen in der Tourist-Information initiiert. „Wir wollen damit auch mal zeigen, dass es nicht nur Negatives über die EBC zu berichten gibt“, erläuterten sie die Absicht der Veranstaltung.

Zunächst aber machten sie erst einmal ihrem Ärger aufgrund zahlreicher E-Mails des Gästevereins Uhldingen-Mühlhofen (GM) Luft, deren Mitglieder sich gegen die EBC aussprechen. „Fast jeden Tag hat es eine mehrseitige E-Mail gegeben, oft mit extrem unsachlichem Inhalt. Das ist in dieser massiven Form belästigend“, sagte etwa Christian Diehl vom Lupinenhotel. Karl Hepp (Haus zum Schlossberg) blies ins gleiche Horn: „Wir haben zuhauf unsachliche Argumente geliefert bekommen. Damit erreichen sie das Gegenteil“, sagte er, der das Zusenden der E-Mails mittlerweile untersagt hat. „So ist auch die Gesetzeslage“, erläuterte Dagmar Wilbs vom Hotel Krone.
 

Sipplingens Tourismuschefin Sylvia Fritz und Bürgermeister Oliver Gortat (vorne am Tisch) unterhielten sich mit Christian Diehl, Karl Hepp, Christina Marte, Helga Beurer und Sabine Kau über die Echt-Bodensee-Card (EBC).
Sipplingens Tourismuschefin Sylvia Fritz und Bürgermeister Oliver Gortat (vorne am Tisch) unterhielten sich mit Christian Diehl, Karl Hepp, Christina Marte, Helga Beurer und Sabine Kau über die Echt-Bodensee-Card (EBC). | Bild: Holger Kleinstück

Sie sagte weiter, sie habe seit Einführung der Karte im April bislang 163 Karten ausgestellt, die Gäste seien angetan von der Flexibilität der EBC: Für Wilbs bedeute das Ausstellen der Karte aber einen „Kraftaufwand“. Anfangs sei er ja der EBC gegenüber skeptisch gewesen, „inzwischen merke ich aber, dass viele meiner Gäste die EBC nutzen“, sagte Hepp. Klar könne man die Karte noch optimieren. Es sei vieles noch zu kompliziert und müsste vereinfacht werden, fügte er hinzu.

Christina Marte vom Haus Blütengarten hob hervor, ihre vielen Stammgäste hätten noch keine Reklamationen in Bezug auf die Karte vorgebracht. „Ich kann bis jetzt nichts Negatives sagen.“ In die gleiche Kerbe schlug Christian Diehl. Bis auf geringe Ausnahmen hätten alle seine Gäste die EBC dankbar angenommen. 90 Prozent der freiwilligen Rückmeldungen hätten zum Inhalt gehabt, die EBC sei „eine tolle Sache“, 14 Tage habe man das Auto nicht bewegen müssen. Ihm sei es wichtig zu vermitteln, dass die EBC mehr Vor- denn Nachteile habe. „Für meine Gäste wird die EBC inzwischen buchungsrelevant.“ Karl Hepp ergänzte: „Die Öffentlichkeit soll erfahren, dass die Karte ihren Wert hat.“ Ferienwohnungsvermieterin Helga Beurer wusste von Gästen zu berichten, die sich positiv geäußert hätten, „jetzt mal schnell nach Friedrichshafen oder Uhldingen-Mühlhofen fahren zu können“.

Anders dagegen die Erfahrungen von Edgar Scheu (Haus Scheu). 80 Prozent seiner Gäste sagten, die Karte nicht zu brauchen. Sie seien zum Baden und Radfahren gekommen und zeigten sich verärgert, jetzt eine höhere Kurtaxe „für nichts“ zahlen zu müssen.

Eine Urlauberin, die nicht namentlich genannt werden wollte, war unglücklich, dass sie mit der Echt-Bodensee-Card ihre Fahrräder im Bus habe mitnehmen wollen, was aber aus Platzgründen gescheitert sei. „Dann sollte man damit nicht werben, wenn es nicht funktioniert “, sagte sie. Tourismusleiterin Sylvia Fritz antwortete, das Thema werde derzeit aufgerollt, in der Tat gebe es keine Mitnahmegarantie. Deshalb heiße es auch „Fahrradmitnahme möglich“, ergänzte Bürgermeister Oliver Gortat.

Dass die EBC ihre Vorteile habe, erkannte Dagmar Wilbs an, bei Reisegruppen gäbe es noch Schwierigkeiten. „Die Karte hat noch Geburtswehen. Auf ihrer begonnenen Reise befinden sich noch Stolpersteine“, sagte sie. Sabine Kau (Ferienwohnung am Wiedenbach) plädierte dafür, positiv an die EBC heranzugehen. „Wir müssen im Gespräch blieben und dafür kämpfen, dann hat die EBC in der ganzen Region eine Chance. Wir brauchen die Karte“, sagte sie. Wilbs fügte hinzu, es gelte jetzt, die Karte weiter zu verbessern.

Bürgermeister Oliver Gortat zeigte sich überzeugt, dass man mit der Echt-Bodensee-Card „eine sehr gute Sache" erreichen wird: „Ich stehe voll dahinter. Die Reise hat gerade begonnen und wird mit tollen Attraktionen weitergehen“, unterstrich er.

Vermieter und EBC

EBC: Seit 1. April händigen die Gastgeber ihren Gästen die elektronische Gästekarte aus. Sie beinhaltet freie Fahrt mit Bus und Bahn im bodo-Verbundgebiet und zahlreiche Vorteile bei touristischen Leistungspartnern. Im Zusammenhang mit der EBC war die Kurtaxe 2017 in Sipplingen in der Hauptsaison (1. April bis 31. Oktober) von 1  auf 2,50 Euro pro Tag angehoben worden; in der zuvor kostenfreien Nebensaison wird jetzt ein Betrag von 1,50 Euro erhoben.

Vermieter: Derzeit gibt es in der Gemeinde 82 Vermieter mit drei Hotels, vier Pensionen, 107 Ferienwohnungen und fünf Betrieben mit Privatzimmern. Die Gesamtbettenanzahl beträgt 524. Im Vorjahr wurden 59 214 Übernachtungen registriert.