Im Zeltlager in Rammetshofen ticken die Uhren anders. Die Lagerzeit ist um eine Stunde zurückgestellt. Ohne Handys und Computer, dafür aber mit viel Spiel, Sport und Spaß scheint auf dem abgelegenen Stückchen Erde zwischen Waldrand und Sonnenblumenfeld die Zeit stillzustehen.

Die Mengen im Rezept mal zehn, dann passt es: Manuela Mayer und Philipp Walz gehören zum Küchenteam. Ihr Essen wird von den ...
Die Mengen im Rezept mal zehn, dann passt es: Manuela Mayer und Philipp Walz gehören zum Küchenteam. Ihr Essen wird von den Lagerteilnehmern sehr gelobt. | Bild: Claudia Wörner

„Ja, hier ist es wie in einer Art Zeitkapsel“, sagt Lagerleiter (kurz „Lale“) Lukas siegle. Bis auf bessere Duschen, eine neue Küche und eine Jurte habe sich seit seinem ersten Zeltlager im Alter von sieben Jahren nicht viel verändert. „Dinge, die wir schon vor 15 oder 20 Jahren gemacht haben, laufen immer noch.“ Hinter dem 25-Jährigen liegen alle drei Rammetshofener Zeltlager von „RAM 1“ bis „RAM 3“.

Drei Lagerleiter, kurz „Lale“ genannt, des Zeltlagers in Rammetshofen (von links): Lukas Siegle, Paula Selig und Theresa ...
Drei Lagerleiter, kurz „Lale“ genannt, des Zeltlagers in Rammetshofen (von links): Lukas Siegle, Paula Selig und Theresa Höchstädter haben ebenfalls ihren Spaß. | Bild: Claudia Wörner

Mit 17 war er zum ersten Mal Betreuer und mit 19 ein Lale. Seine Kollegin im Leitungsteam, Paula Selig, ist schon traurig, da sie nächstes Jahr wegen ihrer Masterarbeit wohl nicht dabei sein kann. Nachwuchssorgen in Sachen Betreuung gebe es in Rammetshofen jedenfalls nicht. „Wir selbst hatten hier als Kinder und Jugendliche auch eine sehr, sehr gute Zeit“, sind sich Siegle und Selig einig.

Viele Angebote zur Auswahl

Außer an Tagen mit Motto, dieses Jahr „Piraten“, oder bei Ausflügen können die Kinder und Jugendlichen aus vielen Angeboten auswählen. Mia, Jenny, Marie, Elisabeth, Arthur und Leo malen gerade eine der Toilettentüren an. Auf die Innenseite komme ein Suchrätsel, damit man während der Sitzung was zu tun habe, erzählen sie gut gelaunt von ihrem Gemeinschaftsprojekt.

Extra aus Freiburg angereist (von links): Für Mads, Johannes und Adrian gehört das Zeltlager in Rammetshofen zu den großen Ferien ...
Extra aus Freiburg angereist (von links): Für Mads, Johannes und Adrian gehört das Zeltlager in Rammetshofen zu den großen Ferien einfach dazu. | Bild: Claudia Wörner

„Es macht echt Spaß, die ganze Zeit eine Beschäftigung zu haben“, sagt Arthur. Ihre Handys haben die Zwölf- bis 14-Jährigen nur am ersten Tag vermisst. „Da habe ich immer mal an die Hosentasche gefasst. Aber weil man ständig was zu tun hat, fehlt es mir gar nicht mehr“, stellt Jenny fest. Außerdem sei man sowieso immer mit seinen Freunden zusammen, ergänzt Mia.

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Neben dem Malen stehen Wikingerschach, Frisbee spielen und Chillen im Massagezelt zur Auswahl. „Manchmal kann man sich gar nicht so leicht entscheiden“, meint Adrian, der mit seinen Freunden Johannes und Mads aus Freiburg ins Zeltlager gekommen ist. „Es ist schon gut hier“, sind sich die drei einig. Der zwölfjährige Julian ist zum ersten Mal dabei. Auf die Frage, was ihm am besten gefällt, folgt nach „Spaß“ direkt „das gute Essen“. Obwohl er kein Vegetarier ist, findet er gut, dass es auch für sie Gerichte gibt. Geschnippelt und gebrutzelt wird im Küchenzelt vom Küchenteam. „Wir nehmen einfach ein Rezept und rechnen die Mengen mal zehn“, schildert Philipp Walz, während Manuela Mayer die Gemüsesoße würzt und umrührt.

Wikinger-Schach mit Hindernissen (von links): Elias, Alexander und Betreuerin Kira wird es im Zeltlager nie langweilig.
Wikinger-Schach mit Hindernissen (von links): Elias, Alexander und Betreuerin Kira wird es im Zeltlager nie langweilig. | Bild: Claudia Wörner

Schade sei, dass das abendliche Lagerfeuer wegen der Waldbrandgefahr ausfallen muss. „Unsere Lageruhr drehen wir ja zurück, damit wir eigentlich abends länger am Feuer sitzen können“, so Siegle. Nun habe man auf der Lichtung mit nur wenig Lichtsmog sehr gut die vielen Sternschnuppen sehen können. Ziel sei, dass alle im Zeltlager eine gute Zeit haben. „Am Ende gibt es immer Abschiedsschmerz. Aber dann weiß man, dass das Lager gut war“, lautet Siegles Erfahrung.