Das Thema Barrierefreiheit war ein Schwerpunkt des Besuchs, den Finanzstaatssekretärin Gisela Splett gemeinsam mit Stephanie Aeffner, der Beauftragten der Landesregierung für Menschen mit Behinderungen, dem Neuen Schloss und dem Fürstenhäusle abstattete. „Es ist immer schwierig, denkmalgeschützte Gebäude zu erschließen, aber es tut sich nach und nach sehr viel“, sagte Aeffner dem SÜDKURIER.

Hürden für Rollstuhlfahrer

Sie lobte den Einsatz der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG), denen auch die beiden Meersburger Liegenschaften gehören, in dieser Hinsicht. Die Kulturgüter des Landes stellten einen schönen Wert dar, den „man aber nur schätzen kann, wenn man ihn wahrhaftig begreifen kann“, sagte die Rollstuhlfahrerin. Sie sei „geschichtlich total interessiert“, doch befinde sich oft in der Situation, Monumente nicht genauer betrachten zu können, weil sie nicht barrierefrei zugänglich seien.

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Schloss und Fürstenhäusle haben nun Aufzüge

Das gilt für das Neue Schloss und das Fürstenhäusle nicht mehr. Das Schloss wurde von 2010 bis 2012 für 4,5 Millionen Euro saniert. Das Ende 2018 wiedereröffnete Fürstenhäusle, das einst der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff gehörte, erfuhr für rund 930 000 Euro eine Generalüberholung. Bei beiden Maßnahmen wurde auch der besseren Zugänglichkeit Rechnung getragen, etwa durch den Einbau von Aufzügen. Beim Neuen Schloss habe man zumindest „Barrierearmut“ erreicht, wie SSG-Geschäftsführer Michael Hörrmann bei seiner Führung durch die spätbarocke Anlage vorsichtig formulierte.

Barrierefreie Gestaltung erfordert Eingriffe in historische Substanz

Peter Moser, ehemaliger Baudirektor des Amtes Ravensburg, erklärte etwa, wie man den Zugang vom Gartensaal zur Schlossterrasse stufenlos gestaltete, indem man „abgegraben und die Tore runtergezogen“ habe. Mosers Fazit: „Das war vielleicht ein bisschen ein starker Eingriff in die historische Substanz, aber der Barrierefreiheit geschuldet.“ Ein auch ästhetisch gelungener Kompromiss, der es etwa Aeffner ermöglicht, problemlos mit ihrem Rollstuhl auf die Terrasse und wieder zurück ins Innere zu kommen.

Viele Besucher zieht es ins neu sanierte Schloss

Gisela Splett, die für die Grünen im Landtag sitzt und seit Mai 2016 politische Staatssekretärin im Finanzministerium ist, hob die Bedeutung des Schlosses und des Fürstenhäusles für den Tourismus hervor. Das im Zuge seiner Sanierung neu konzipierte Schloss habe 2018 rund 56 000 Besucher angezogen, im Vergleich zu 2017 sei dies ein Plus von 39 Prozent. Die Veranstaltungsräume seien im vergangenen Jahr 142 Mal für private Ereignisse gebucht worden.

Sommerreise geht weiter

Die Staatssekretärin und ihre Entourage besuchten anschließend noch das Staatsweingut sowie den Park von Schloss Salem. Der Tag am Bodensee war die erste Etappe von Spletts Sommerreise zu Liegenschaften des Landes. Im September stehen noch Fahrten nach Ellwangen und Ludwigsburg an, wie sie dem SÜDKURIER sagte.