Den Weihnachtsbaum gibt es jetzt online. Ein alter Hut? Von wegen! Mit ruhigem Gewissen kann auch derjenige seine Nordmanntanne oder Blaufichte per Tastendruck bestellen, der auf Nachhaltigkeit setzt und den Umweltgedanken pflegt: Thomas Braun vom Hundweilerhof bei Ittendorf bietet erstmals einen Online-Verkauf inklusive Lieferung an. „Ihr Baum kommt mit Abstand am schnellsten“, wirbt er in Anlehnung an den touristischen Werbeslogan der Stadt Markdorf – der auch in Corona-Zeiten passt. „Den Baum kann man bequem über unsere Homepage bestellen und wir bringen ihn dann zum Kunden nach Hause.“ Einige Bestellungen sind auf diese Weise bereits eingegangen, „die ersten mitten in der Nacht nach dem Hinweis“, erzählt Thomas Braun.

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Ansonsten läuft es wie bisher: „Die Stammkundschaft ruft nur an, sagt, ,Thomas, du weißt ja, so und so groß, stell ihn auf die Seite, wir holen ihn‘. Die vertrauen darauf, dass ich ihnen schön gewachsene heraussuche.“ Läuft. Natürlich findet auch Vor-Ort-Verkauf – draußen und in der Halle – statt. So seien sie für jede Wetterkapriole gerüstet. Der größte Teil der Bäume stamme aus dem eigenen Wald, aus bekannter regionaler Quelle wird zugekauft, „damit ich schlagkräftig bin“. Der Trend geht nach wie vor zur Nordmanntanne. Möchte jemand eine Blaufichte, kann man mit Thomas Braun direkt aufs Feld gehen und eine aussuchen. „Die sind aber etwas pieksig und stechen beim Schmücken.“ Drei bis vier Wochen hält ein Baum – es sei denn, er steht nahe am Kamin, dann nadle er eher.

Mit einer Nordmanntanne oder Blaufichte – hier präsentiert von Christian Geßler vom Biolandhof in Stehlinsweiler –, holt man sich ein Stück weihnachtliche Atmosphäre ins Wohnzimmer.
Mit einer Nordmanntanne oder Blaufichte – hier präsentiert von Christian Geßler vom Biolandhof in Stehlinsweiler –, holt man sich ein Stück weihnachtliche Atmosphäre ins Wohnzimmer. | Bild: Christiane Keutner

Nur wenige Kunden kämen kurz vor Heiligabend. Aber es gebe immer noch Leute, denen es kurzfristig einfalle, dass sie einen Baum haben möchten. Laut Deutschem Christbaumverband soll der Verkauf um 30 bis 70 Prozent höher sein, weil die Leute coronabedingt nicht in Urlaub gehen und es sich daheim gemütlich machen wollen. Gemerkt hat Thomas Braun, „dass die Akzeptanz und die Ehrfurcht vor dem Produkt ganz anders ist“.

Nordmanntannen sind bei Kunden am beliebtesten

Franz und Rudolf Müller vom Tannenmühlhof, hoch über Wangen bei Bermatingen, bietet Nordmanntannen und Blaufichten an. „Der Trend geht zum Nordmann, außer wenn jemand die Billigschiene verfolgt, die Blaufichte ist günstiger“. Sie Blaufichte ist zwar ein bisschen stachelig, dafür punktet sie mit anderen Eigenschaften: „Die Blaufichte bringt ein ganz anderes Aroma, richtig schönen Tannenduft ins Zimmer, und man langt den Christbaum auch nicht jeden Tag an. Die Katze bleibt auch weg“, lacht Rudolf Müller und verweist in diesem Zusammenhang auf einen Sicherheitsfaktor: Wenn die Samtpfoten nicht nach den Weihnachtskugeln hangeln, bleibt der Baum wortwörtlich am ehesten standhaft.

Vorne rein, hinten netzverpackt raus – so lässt sich der sperrige Baum lässig transportieren. Im Bild (von links): Rudolf Reimann, Monika und Rudolf Müller.
Vorne rein, hinten netzverpackt raus – so lässt sich der sperrige Baum lässig transportieren. Im Bild (von links): Rudolf Reimann, Monika und Rudolf Müller. | Bild: Christiane Keutner

Die Frühkäufer haben meist einen Balkon, auf dem sie ihren Baum parken, aber die meisten erwerben ihn ab 15. Dezember. Die Interessenten haben bei Müllers die Wahl: Entweder suchen sie sich einen Baum aus der Kultur aus und wenn sie ihn brauchen, wird er abgesägt. Wie lange die Bäume halten? „Es kommt auf die Pflege an, die ist das A und O. Ein abgeschnittener Baum braucht auch Wasser. Heute gibt es fast nur noch Christbaumständer mit Wasserbefüllung.“ Wenn man laufend nachfülle und den Verdunstungsgrad berücksichtige, halte ein Baum bis Dreikönig durch. „Solange es Tag“ ist, kann man auf dem Tannenmühlhof den gewünschten Baum erwerben. Welche Sorte an Heiligabend bei Müllers stehen wird, ist ungewiss: „Wir nehmen den, der übrig ist.“ Verzichten müssen die Kunden dieses Jahr coronabedingt auf das traditionell gereichte geistreiche Wässerle, mit dem auf den Baum angestoßen wird.

Rund acht Jahre benötigt ein Baum, bis Zimmerhöhe erreicht ist

Mit dem Baumverkauf hat Familie Arnold in Kluftern bereits begonnen. „Es waren schon viele Kunden da, früher als sonst und wir haben mehr verkauft im Vergleich zu anderen Jahren“, stellt Bettina Arnold fest. Nordmanntannen sind auch hier die beliebtesten. Der Betrieb verkauft auch nur eigene Bäume von etwa 1,20 bis vier Metern Höhe; Schulen und andere Institutionen benötigten Bäume in anderen Dimensionen. Gängig seien zwei bis 2,50 Meter, das passe am besten in die meisten Wohnzimmer.

Weihnachtsbäume online bestellen und liefern lassen: Thomas Braun vom Hundweiler Hof in Ittendorf bietet diesen Service erstmals an.
Weihnachtsbäume online bestellen und liefern lassen: Thomas Braun vom Hundweiler Hof in Ittendorf bietet diesen Service erstmals an. | Bild: Christiane Keutner

Auch bei Arnolds kann man zusätzlich seinen Baum auswählen, einen Zettel mit Namen und Abholdatum dranhängen, dann wird zeitnah abgesägt. Auf den „Tannenbaumexpress“, ein Wagen mit Sitzbank und Dach, der die Besucher zu den Kulturen gefahren hatte, muss dieses Mal wegen Corona verzichtet werden. Aber mit festem Schuhwerk ausgerüstet, kann man das Aussuchen des Baums mit einem kleinen, etwa sieben bis zehnminütigem Spaziergang verbinden. „Wir hatten bereits Anfragen von Leuten, die noch nie draußen im Feld gesucht haben“, sagt Bettina Arnold. Acht Jahre benötige ein Baum, bis er Zimmerhöhe erreicht hat. Die Bäume würden vierjährig gekauft, „bei uns wächst er sechs bis acht Jahre.“ Mit Insekten haben Arnolds keine Probleme, da sie ja nur eine kleine Fläche zwischen den Obstplantagen haben, aber die Bäume müssten gedüngt werden.

Der Baum ist schön! befinden Rudolf Reimann aus Ravensburg und Rudolf Müller vom Tannenmühlhof in Wangen. Bild: Christiane Keutner
Der Baum ist schön! befinden Rudolf Reimann aus Ravensburg und Rudolf Müller vom Tannenmühlhof in Wangen. Bild: Christiane Keutner | Bild: Christiane Keutner

Naturnah, wie die meisten in der Region, wachsen auch die Bäume auf dem Biolandhof der Familie Geßler in Ittendorf-Stehlinsweiler. „Nach zwölf Jahren freuen sich die völlig chemiefreien Bäume auf ihr Dasein als Christbaum in eurem Wohnzimmer“, wirbt Christian Geßler auf der Homepage. Verkauf ist Donnerstag- und Freitagnachmittag ab 13 Uhr, am Samstag von 9 bis 17 Uhr. Auch hier werden nur eigene Bäume verkauft, neben den Klassikern auch Rotfichte und serbische Fichte. Letztere gewinne zunehmend an Beliebtheit. „Das ist mein Lieblingsbaum, der riecht gut, ist unten silber, oben grün. Dieses Jahr sind schon alle weg, denn die Kunden waren dieses Jahr viel früher da, als in den Vorjahren.“ Da gibt es Bäume ab 30 Zentimetern. Der Kirche in Ittendorf spendiert die Familie mehrere Meter hohe Bäume. Einen Lieferservice bietet Christian Geßler nur in Notfällen älteren Leuten an.

Manche schwören bei Auswahl auf Colorado-Tannen

Das Hauptgeschäft des Nebenerwerbs-Betriebs der Familie Samuel und Yvonne Rist aus Harresheim/Deggenhausertal liegt auf dem Verkauf von Weihnachtsbäumen, die bis 23. Dezember jeweils von 9 bis 18 Uhr dort erhältlich sind. Schon lange im Angebot sind neben Blaufichte und Nordmanntanne die Colorado-Tannen. „Das sind Liebhaberstücke. Sie haben einen schönen Duft Richtung Zitronenmelisse, die Nadellänge ist ähnlich der Kiefer, aber sie sind wie bei Tannen angeordnet und haben genausoviele Verzweigungen. Sie wirken buschig, dennoch filigran und schlank“, erklärt Yvonne Rist. „Die Mehrheit unserer Kunden kauft überwiegend zehn Tage vor Weihnachten sind unsere Haupttage.“ Das Einhalten der Hygieneregeln erschwere die körperliche Arbeit. „Jetzt fällt uns erst richtig auf, was wir leisten.“ Ständig müssen Masken gewechselt werden. Der händische Transport von der Kultur zum Aufstellplatz und später zum Abholfahrzeug fordert seinen Tribut. Dieses Jahr kommt die Schneelast hinzu. „Die Kunden sollen die Bäume ja nicht anfassen. Aber die Atmosphäre ist toll“, gewinnt Yvonne Rist dem eine gute Seite ab.