Christian Koler muss nicht lange überlegen. Warum er der Tafel spendet? „Um was Gutes zu tun“, erklärt der Immobilienmakler. Dann fügt er hinzu: „Die Arbeit der Ehrenamtlichen in der Tafel braucht Unterstützung.“ Gerade weil sie sich für die Bedürftigen vor Ort beziehungsweise in der Region einsetze. Dieses Argument hört Tafel-Chef Günther Wieth öfter. Auch von Menschen, deren Spenden geringer ausfallen als jener 6000-Euro-Betrag, den ihm Immobilienmakler Christian Koler nun überreicht hat.

Mihaela Bilos und Christian Koler erfahren von Günther Wieth, wie die Tafel arbeitet. Koler spendete der Tafel 6000 Euro.
Mihaela Bilos und Christian Koler erfahren von Günther Wieth, wie die Tafel arbeitet. Koler spendete der Tafel 6000 Euro. | Bild: Jörg Büsche

„Ganz wichtig ist den meisten“, erläutert Wieth, „dass sie uns vertrauen können“. Ihr Geld soll nicht in aufwändige Verwaltung fließen. Alleine die, die Hilfe brauchen, sollen einen Nutzen von den Spenden haben. Was die Freiwilligen der Tafel unbedingt gewährleisten. Sie bekommen keinen Cent für ihren Einsatz.

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Der zweite Grund, warum viele Menschen für die Tafel spenden – gleich ob Geld oder Lebensmittel – sei der Wunsch, Menschen im Nahbereich zu unterstützen. Mitbürger der gleichen Stadt, Leute, die im selben Landkreis leben – nicht irgendwo in einem fernen Land. „Dort gibt es natürlich auch Bedürftige“, räumt Günther Wieth ein. Auch solche, die die Unterstützung womöglich noch nötiger haben als die Kunden der Markdorfer Tafel. Trotzdem greifen viele den Helfern in ihrer Nähe finanziell unter die Arme, weil sie deren Arbeit unmittelbar nachvollziehen können, und weil sie den Tafel-Ehrenamtlichen beim Sammeln auf dem Wochenmarkt begegnen. Weil sie Donnerstag für Donnerstag die Schlange der Wartenden vor dem Tafelladen sehen.

„Ohne solche Spenden könnten wir unsere Arbeit nicht leisten“, erklärt Günther Wieth Immobilenmakler Koler und dessen Begleiterin, Mihaela Bilos, als er die beiden vor der Tür der Tafel empfängt. Die „Zukunftswerkstatt“ als Trägerverein der vor 20 Jahren gegründeten Tafel erhalte zwar Zuschüsse. Beide Kirchen und die Stadt steuerten ihren Teil zur Miete für den Tafelladen im Stadtgraben bei. „30 Prozent müssen wir aber selber tragen“, erklärt Zukunftswerkstatt-Vorsitzender Günther Wieth.

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Weitere recht erhebliche Kostenfaktoren sind die beiden Fahrzeuge der Tafel. Ohne die beiden Transporter könnten keine Lebensmittel von den spendenden Geschäften, direkt vom Erzeuger oder vom regionalen Tafel-Zentrallager in Singen abgeholt werden, wo sich Überschüssiges aus der Lebensmittelindustrie türmt, zum Beispiel zu viel produzierte Pizzen oder zu viel produzierte Schokolade.

Ohne Geldspenden könnte die Tafel nicht arbeiten, erklärt Günther Wieth, der Vorsitzende des die Tafel tragenden Vereins Zukunftswerkstatt.
Ohne Geldspenden könnte die Tafel nicht arbeiten, erklärt Günther Wieth, der Vorsitzende des die Tafel tragenden Vereins Zukunftswerkstatt. | Bild: Jörg Büsche

Rund 3000 Euro zahlt die Zukunftswerkstatt alleine für die Versicherung ihrer beiden Fahrzeuge. Und auch die Spritkosten muss die Tafel selber zahlen. Immer teurer wird überdies der Betrieb des Tafelladens. Die behördlichen Auflagen sind in den letzten Jahren immer mehr geworden. Vom Arbeitsschutz bis zur Hygiene gilt es immer neue Regeln zu beachten. „Wir werden behandelt wie ein normaler Lebensmittelladen“, sagt Günther Wieth. Nur dass die Tafel keinen Gewinn erwirtschaftet und dass sie ihren Mitarbeitern keine Gehälter auszahlt. Immerhin werde die Arbeit der Tafel richtig eingeordnet, erklärt Wieth. Während des letzten Corona-Lockdowns durfte sie offen bleiben, weil die Tafel als systemrelevant betrachtet worden sei.

2,5 Tonnen Lebensmittel pro Woche

2,5 Tonnen Lebensmittel tragen die Ehrenamtlichen im Wochendurchschnitt zusammen. Das reicht dann für 70 bis 80 Familien. Gemüse, Brot und Milchprodukte, die vom Bauern, vom Bäcker oder aus dem Lebensmittelmarkt kommen. Produkte, die zu einem großen Teil ihr Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht haben. Und auch diesen Punkt spricht Wieth bei seiner Tafel-Führung für Mihaela Bilos und Christian Koler an.

„Ich sortiere hier gerade gespendetes Brot. Und ich mache das, weil ich gern mit anderen Menschen zusammen für Menschen arbeite“, erklärt Jutta Hilberath.
„Ich sortiere hier gerade gespendetes Brot. Und ich mache das, weil ich gern mit anderen Menschen zusammen für Menschen arbeite“, erklärt Jutta Hilberath. | Bild: Jörg Büsche

Die gigantische Menge von zwölf Millionen Tonnen Lebensmitteln landet alljährlich in der Bundesrepublik auf dem Müll. Und einen ganz erheblichen Teil davon machen jene Milch- und Fleischprodukte aus, deren Mindeshaltbarkeitsdatum irrtümlicherweise als Verfallsdatum gelesen wird. Ökonomisch und ökologisch sei das nicht zu verantworten, erklärt der Zukunftswerkstatt-Vorsitzende seinen beiden kopfschüttelnden Zuhörern. Hier sehe sich die Tafel ebenfalls in der Verantwortung.

Die Hochwassermarke an der Tafeltür erinnert an die Wasserschäden vom Vorsommer, die unter anderem ein Tafel-Fahrzeug unbrauchbar gemacht haben.
Die Hochwassermarke an der Tafeltür erinnert an die Wasserschäden vom Vorsommer, die unter anderem ein Tafel-Fahrzeug unbrauchbar gemacht haben. | Bild: Jörg Büsche

Geradezu in der Pflicht sieht sich Wieth auch im Bereich des Sozialen. „Der Anteil bedürftiger Senioren nimmt auch bei uns hier in der Region ständig zu“, erklärt er. Die von Altersarmut Betroffenen trauten sich aber nicht in die Tafel. Sie fürchten, abgestempelt zu werden. „Unsere Hoffnung ist jetzt, dass wir diese Menschen mit Hilfe des neuen Demografiebeauftragten besser erreichen können“, sagt Günther Wieth.