Endlich wieder tanzen! Doch funktioniert das in Corona-Zeiten mit den immer noch geltenden Einschränkungen? Der SÜDKURIER sah und hörte sich um.

Vor der Tanzschule Hartwig, die mit ihrer Tanzfabrik Bodensee Unterricht in Markdorf und Salem anbietet, warten geduldig Paare auf Einlass. Sie tragen Mundschutz, stehen im Abstand zueinander auf markierten Quadraten und mussten innerhalb eines Zeitfensters sein, damit sie eingelassen werden. Nach Türöffnung treten sie paarweise ein, tragen sich mit Namen und Uhrzeit in eine Liste ein und desinfizieren sich die Hände.

Abstand wird auch bereits schon vor der Türe gewahrt. Ein Paar nach nach dem anderen bittet Candy Hartwig in den Tanzsaal.
Abstand wird auch bereits schon vor der Türe gewahrt. Ein Paar nach nach dem anderen bittet Candy Hartwig in den Tanzsaal. | Bild: Christiane Keutner

Langes politisches Hin und Her

Dass sie wieder zum Unterricht kommen dürfen, ist das Ergebnis langer politischer Überlegungen, die sich, manchmal mehrmals täglich, ändern und wo das eine Amt anderes weiß als das zweite. Lehrerin Candy Hartwig: „Zuerst wurden die Tanzschulen den Bildungsstätten zugeordnet, später den Fitness-Clubs und schlussendlich den Swinger-Clubs. Ich dachte, ich wäre doch lieber Bildungsstätte.“ Die Paare lachen. Schlussendlich fiel es dann doch jemandem ein, sie einfach als Tanzschule zu kategorisieren, denn der Swinger-Club setzt Paarwechsel voraus und der ist zu Corona-Zeiten beim Tanzen untersagt.

Video: Christiane Keutner

Noch gebremstes Vergnügen

Allen hat die Bewegung zur Musik gefehlt. Dass der Unterricht mit Einschränkungen verbunden ist, nehmen sie hin, „obwohl es nur 20 Prozent des bisherigen Vergnügens ist“, meint Hermann Lanz aus Frickingen. „Das ganze Prozedere mit Desinfektion und Einweisung kostet einfach Zeit. Und wir brauchen Platz beim Quick Step und beim langsamen Walzer“, sagt Erika Lanz. Den wünschen sich auch Elke und Michael Ziegler aus Weildorf: „Üblichwerweise haben wir den ganzen Raum zur Verfügung, jetzt nur eine kleine Box.“

So geht´s! Etwas schwieriger ist es, die Paare zu korrigieren. Statt Hand anzulegen, muss Tanzlehrerin Candy Hartwig mehr gestikulieren.
So geht´s! Etwas schwieriger ist es, die Paare zu korrigieren. Statt Hand anzulegen, muss Tanzlehrerin Candy Hartwig mehr gestikulieren. | Bild: Christiane Keutner

Mit Klebeband markierte Quadrate

Aber es geht nicht anders. Ohne Mundschutz müssen sich alle in einem ihnen zugewiesenen, mit orangem Klebeband markierten Quadrat bewegen. Das erfordert mehr Achtsamkeit und Konzentration. Auch die Korrekturen können nicht mehr direkt am Partner, sondern müssen mit dem gebührenden Abstand, mit mehr Gestik erfolgen. Steffen Hartwig hat die Plätze mit lustigen Namen wie „Balletmaus“, „Linksfüssler“ und „Tanzbär“ beschriftet, um den Ernst etwas zu entschärfen. Die Zieglers hoffen wie die anderen auf baldige weitere Lockerungen, damit sie sich wieder raumgreifend bewegen und sich ausleben können.

Immer wieder sonntags freuen sich Elke und Michael Ziegler aufs Tanzen. Seit zweieinhalb Jahren nehmen sie Unterricht – und nehmen in Corona-Zeiten Einschränkungen in Kauf.
Immer wieder sonntags freuen sich Elke und Michael Ziegler aufs Tanzen. Seit zweieinhalb Jahren nehmen sie Unterricht – und nehmen in Corona-Zeiten Einschränkungen in Kauf. | Bild: Christiane Keutner

Square Dance bleibt noch außen vor

Keine Chance aufs Tanzen haben derzeit die Torkelwheelers Bermatingen. „Beim Squardedance wechseln wir ja ständig“, erklärt Karin Graff vom Vorstandsteam. So bleibt das Dorfgemeinschafthaus montags erstmal bis auf Weiteres geschlossen.

Anders sieht es wiederum beim Tanzsportclub „Dance-Club Markdorf“ aus. Vorsitzender Hartmut Grabert: „Wir haben das Training seit 18. Juni wieder aufgenommen, ein bisschen abgewandelt und ein Hygienekonzept geschrieben.“ Tanzen funktioniert nur mit Anmeldung und man kann nicht mehr zwischen den Gruppen, Line Dance und Paartanz, wechseln. Spontanität ade! Ältere verzichteten freiwillig aufs Kommen und wollten lieber noch etwas Zeit verstreichen lassen. So nimmt etwa die Hälfte beim Paartanz teil, beim Line Dance etwas mehr als die Hälfte.

Linedance wird in, beziehungsweise auf der Linie getanzt. Hier ist von vornherein Abstand.
Linedance wird in, beziehungsweise auf der Linie getanzt. Hier ist von vornherein Abstand. | Bild: Christiane Keutner

Nur Paare dürfen miteinander tanzen

Zwischen den Stunden wird eine Viertelstunde tüchtig gelüftet, Aus- und Eingang sind unterschiedlich und nur Paare dürfen miteinander tanzen. Und es wird nur Latein getanzt, stationär. Auf Walzer und andere viel Platz beanspruchende Tänze muss vorerst verzichtet werden. „Das Kulturministerium erlaubt zwar weitere Lockerungen, aber wir bleiben zunächst bei der alten Version“, so Grabert.

Der Dance-Club beabsichtigt, sein Angebot Paartanz- und Line Dance in unregelmäßigen Abständen auch über den Sommer beizubehalten. Während das Training wieder aufgenommen wurde, bleiben Tanzveranstaltungen in Deutschland vorerst aber weiter untersagt. Da muss man schon nach Österreich oder in die Schweiz gehen: Dort gibt es vereinzelte Events.

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