Bei der insolventen ZIM Flugsitz GmbH beginnen die Verhandlungen zum angestrebten Sanierungskonzept. Dies teilt die Restrukturierungsgesellschaft Pluta mit, die mit ihren Sanierern Maximilian Pluta, Jochen Glück und Florian Schiller die Geschäftsführung des Markdorfer Flugzeugsitzherstellers in dem Insolvenzverfahren unterstützt. ZIM hatte im Juli ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angemeldet.

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Standort Schwerin bleibt, wird aber reduziert

Anders als es noch vor wenigen Wochen den Anschein hatte, soll der im Mai 2016 eröffnete Standort in Schwerin nun doch erhalten bleiben, ebenso wie der Hauptsitz in Markdorf. Von den derzeit noch 68 Arbeitsplätzen in Schwerin sollen allerdings 48 abgebaut werden, so dass künftig dort noch 20 Mitarbeiter verbleiben sollen. Auch die Produktion von Flugzeugsitzen soll in Schwerin eingestellt werden, heißt es seitens der Insolvenzverwaltung. Die Niederlassung solle sich künftig auf die Bereiche Service, Vorentwicklung, Reparaturen und Entwicklungsdienstleistungen konzentrieren. Bis Oktober sollen ein Interessenausgleich und ein Sozialplan für die ausscheidenden Mitarbeiter erarbeitet werden. Dafür wolle man zeitnah in Verhandlungen mit dem Betriebsrat eintreten.

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Ein „Effizienzprogramm“ für den Hauptsitz Markdorf

Am Hauptsitz in Markdorf sei bereits ein Personalabbau vollzogen worden, heißt es – vor allem auf der Ebene des Managements. Außerdem seien in Markdorf in den vergangenen Monaten Kosten reduziert worden und es sei ein „Effizienzprogramm“ aufgelegt worden, mit dem Prozesse optimiert werden sollen. „Die Arbeitsplätze sollen mit diesen Maßnahmen erhalten bleiben“, heißt es. Inzwischen arbeiten noch 132 Mitarbeiter bei ZIM in Markdorf. Betriebsbedingte Kündigungen seien laut Insolvenzverwaltung nicht geplant.

Angelika und Peter Zimmermann hatten ZIM Flugsitz gegründet.
Angelika und Peter Zimmermann hatten ZIM Flugsitz gegründet. | Bild: Helga Stützenberger

Seit Beantragung der Insolvenz werde der Geschäftsbetrieb „uneingeschränkt“ fortgeführt. Es seien „sämtliche Alternativen“ geprüft worden, die Analyse habe jedoch gezeigt, dass die Kapazitäten angepasst werden müssten. Andernfalls würde das Unternehmen angesichts der deutlichen Umsatzrückgänge und der geringeren Auslastung hohe Verluste schreiben, heißt es. Das beschlossene Konzept sei das „bestmögliche Ergebnis, um dem Unternehmen und einem Großteil der Mitarbeiter eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen“.

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Insolvenzplan und parallel dazu ein Investorenprozess

Auf Basis des Sanierungskonzeptes werde nun ein Insolvenzplan für ZIM erarbeitet. Flankierend dazu werde Sachwalter Martin Mucha einen Investorenprozess starten. Dies geschehe, um alle Möglichkeiten einer Sanierung bestmöglich auszuschöpfen. Das Unternehmen werde auch zur Übernahme angeboten, die klar favorisierte Variante sei aber der Insolvenzplan, so ein Sprecher von Pluta auf Anfrage des SÜDKURIER. Im Sinne der Gläubiger müsse der Sachwalter aber alle Optionen prüfen und auch das Gespräch mit potenziellen Investoren führen. Die Geschäftsführung, so heißt es, sei aber überzeugt, dass ein Insolvenzplan und der Erhalt des Unternehmens die beste Lösung sowohl für die Gläubiger wie auch für die Mitarbeiter darstelle. Die Gesellschafter, also der Finanzinvestor Aurelius und das Gründer- und Minderheitseigner-Ehepaar Zimmermann, würden diesen Weg ausdrücklich unterstützen.

Mehrheitseigner Aurelius erleidet mit ZIM Schiffbruch

ZIM war im Zuge der Corona-Krise aufgrund drastisch einbrechender Umsätze und Aufträge in Schieflage geraten. Erst ein halbes Jahr zuvor war das damalige Familienunternehmen von Aurelius mehrheitlich übernommen worden – mit dem Ziel, den strammen Wachstumskurs fortzusetzen und das Unternehmen noch stärker zu internationalisieren.

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