Abstand halten ist oberstes Gebot, das Händeschütteln ist abgeschafft und das Tragen einer Mund-und-Nasen-Maske ist Alltag geworden. Das Coronavirus gehört zum Leben dazu und einen verlässlichen Impfstoff wird es aller Voraussicht nach so schnell nicht geben – genauso wenig wie Veranstaltungen bei denen eine größere Anzahl von Menschen aufeinander treffen.

Auch wenn es noch einige Monate bis zur Fasnacht 2021 sind, machen sich die örtlichen Narrenvereine bereits Gedanken darüber, ob und wie Umzüge, Saalfasnacht und Bälle stattfinden können. Eine Fasnacht ohne gemeinsames Singen, Tanzen und Schunkeln und mit Abstandsregeln ist nur schwer vorstellbar.

Was ist 2021 wieder möglich?

Birgit Beck, Zunftmeisterin der Markdorfer Historischen Narrenzunft, kann daher auch keine klare Aussage treffen. „Wir wollen die Fasnacht 2021 nur ungern absagen, aber wie sie aussehen soll, das wissen wir noch nicht“, sagt Beck.

Aktuell hänge alles noch in der Luft, so Beck. Die Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), der die Markdorfer Narrenzunft angehört, hat ihren eigenen Corona-Fahrplan für die Fasnacht 2021 für den Herbst angekündigt.

Die Markdorfer Zunftmeisterin Birgit Beck plant derzeit noch eine „normale Fasnacht“.
Die Markdorfer Zunftmeisterin Birgit Beck plant derzeit noch eine „normale Fasnacht“. | Bild: Lang, Andreas

Die VSAN möchte gemeinsam mit Vertretern des Karnevals am Rhein „die Situation bewerten und gegebenenfalls eine gemeinschaftliche Erklärung abgeben“, heißt es in einem Schreiben. Grundlage zur Bewertung für Großveranstaltungen ab Ende dieses, Anfang des kommenden Jahres sei die Situation in den Stadien der Fußball-Bundesliga.

Würde dort wieder vor Publikum gespielt, „dann werden auch andere große Veranstaltungen und die Fastnacht wieder möglich sein“, lautet die Einschätzung von VSAN-Präsident Roland Wehrle.

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Narrenzunft geht in die Planung

So lange wolle man sich mit eignen Entscheidungen zurückhalten und an den Vorgaben orientieren, sagt Birgit Beck. Man plane momentan eine „ganz normale Fasnacht“ und verschicke auch die Einladungen für den Markdorfer Umzug. „Wir sind sehr froh, dass wir keine besondere Veranstaltung planen, so wie 2017 das Landschaftstreffen. Dann müssten wir nun ganz anders organisieren“, sagt die Zunftmeisterin.

Die Zuschauer stehen bei Umzügen eng nebeneinander, hier eine Szene vom Markdorfer Umzug 2019.
Die Zuschauer stehen bei Umzügen eng nebeneinander, hier eine Szene vom Markdorfer Umzug 2019. | Bild: Lang, Andreas

Sie geht davon aus, dass wenn die Fasnacht stattfindet, diese mit starken Einschränkungen über die Bühne gehen wird. „Doch wie diese Einschränkungen aussehen werden, das wissen wir einfach noch nicht.“

Bei einer Absage „würde das Herz bluten“

Würde man die Fasnet absagen müssen, dann „würde das Herz bluten“, so Beck. Aber man müsse die Risiken sehen und richtig einschätzen. Überhaupt wisse man gar nicht, wie die Corona-Verordnungen im nächsten Jahr aussehen werden und wie sich der Umgang mit dem Virus entwickelt, gibt Birgit Beck zu bedenken. „Aber etwas mit Gewalt durchzudrücken, wäre nicht der richtige Weg.“

Daniel Kurz, Zunftmeister des NBV Hepbach, wird konkreter: „Ich rechne nicht damit, dass die Fasnacht 2021 stattfinden wird“. Diese werde mit den derzeit geltenden Regeln nicht funktionieren, ist sich Kurz sicher. Wie sollen die Zuschauer und Teilnehmer bei Umzügen Abstand halten?

Daniel Kurz ist in seiner Aussage deutlich. Laut dem Zunftmeister des NBV Hepbach wird es keine Fasnet 2021 geben, höchstens eine kleine Dorffasnet.
Daniel Kurz ist in seiner Aussage deutlich. Laut dem Zunftmeister des NBV Hepbach wird es keine Fasnet 2021 geben, höchstens eine kleine Dorffasnet. | Bild: Lang, Andreas

Wie ein Ball in der Halle ohne Musik und Tanzen funktionieren? Der NBV Hepbach ist Mitglied der Verbandes Alb-Bodensee-oberschwäbischer Narrenvereine (VAN). Hier gab es seitens des Präsidiums in einem Schreiben an die Mitglieder bereits die Empfehlung, Umzüge und Verbandstreffen abzusagen.

Dorffasnet könnte stattfinden

„Unsere Planungen laufen auf Sparflamme“, so Daniel Kurz. Narrenbaumstellen und Kinderball im Ort könnten kurzfristig stattfinden oder abgesagt werden. Für den kleineren Verein keine einfache Zeit, es fehlen die Einnahmen – kein Vatertagshock, kein Stadtfest und ein großes Fragezeichen hinter der Fasnet 2021.

„Klar wäre es schade, wenn die Fasnacht ausfällt, aber es geht auch mal ohne“, sagt Kurz. Schließlich habe man als Verein auch eine Verantwortung gegenüber seinen Mitgliedern.

Der Hepbacher Zunftmeister akzeptiere jede Entscheidung, nun gelte es weiterhin abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln und ob die Zahl der Corona-Infektionen über den Winter zu stark ansteigen wird.

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NZ Kluftern hat 2021 ihr 50-jähriges Jubiläum

Die Narrenzunft Kluftern wollte eigentlich im kommenden Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feiern. Geplant waren für Freitag, 22. Januar ein Narrenbaumstellen mit anschließender Party und am Sonntag, 24. Januar ein großer Umzug.

„Spätestens im Oktober müssen wir entscheiden, ob und wie alles stattfinden kann“, sagt Zunftmeister Andreas Lamm, der ebenfalls mit einer gemeinsamen Entscheidung der Dachverbände nach den Sommerferien rechnet.

Zunftmeister Andreas Lamm würde gerne im kommenden Jahr das 50-jährige Jubiläum der NZ Kluftern feiern.
Zunftmeister Andreas Lamm würde gerne im kommenden Jahr das 50-jährige Jubiläum der NZ Kluftern feiern. | Bild: Narrenzunft

Die Klufterner gehören ebenso wie die Hugelohs und die Ittendorfer Guggenbichler zum alemannischen Narrenring (ANR) Noch werde an den Planungen festgehalten, aber im Hinterkopf hat der Zunftmeister bereits einen Ersatztermin für 2022.

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Bälle müssen rentabel bleiben

Beim Hugelohball in Leimbach wird ausgelassen gefeiert. Ob und wie fasnachtliche Veranstaltungen im Jahr 2021 stattfinden können, ist derzeit noch unklar.
Beim Hugelohball in Leimbach wird ausgelassen gefeiert. Ob und wie fasnachtliche Veranstaltungen im Jahr 2021 stattfinden können, ist derzeit noch unklar. | Bild: Lang, Andreas

Auch Thomas Wagner, Zunftmeister der Hugelohs, blickt schon eher Richtung 2022, wenn für „seinen“ Narrenverein das 44-Jährige ansteht. Für 2021 macht er sich wenig Illusionen. „Klar, stirbt die Hoffnung zuletzt, aber wirklich glauben tue ich nicht daran“. Auch wenn Veranstaltungen im kleineren Rahmen möglich sein sollten, wäre das für die Verein wenig rentabel.

Thomas Wagner, Zunftmeister der NZ Hugeloh Leimbach, möchte die Hoffnung nicht aufgeben.
Thomas Wagner, Zunftmeister der NZ Hugeloh Leimbach, möchte die Hoffnung nicht aufgeben. | Bild: Lang, Andreas

„Wenn wir beim Hugeloh-Ball beispielsweise nur ein Drittel an Besucher in die Halle lassen dürften, lohnt sich das nicht“, sagt Wagner.

Untersigginger Füchse sagen Dämmerungsumzug ab

Bei den Untersigginger Füchsen ist man bereits einen Schritt weiter. Der Dämmerungsumzug, der alle zwei Jahre Anfang Januar im Wechsel mit Mühlhofen stattfindet, fällt 2021 aus.

Dafür soll dann 2023 größer gefeiert werden inklusive des 40-jährigen Bestehens des Vereins, das auf dieses Jahr datiert ist. „Wir freuen uns bereits jetzt auf ein großes Fest 2023“, so Schriftführerin Elfriede von Ow-Haag. Die Entscheidung den Dämmerungsumzug abzusagen, habe die Vorstandschaft in kleiner Runde einstimmig entschieden.

Elfriede von Ow-Haag, Schriftführerin der Untersigginger Füchse. Der Verein hat den Dämmerungsumzug im Januar 2021 bereits abgesagt.
Elfriede von Ow-Haag, Schriftführerin der Untersigginger Füchse. Der Verein hat den Dämmerungsumzug im Januar 2021 bereits abgesagt. | Bild: Wolf-Dieter Guip

„Wenn wir jetzt in die große Planung gegangen wären und wir müssen später absagen, dann wäre das zuviel Aufwand gewesen“, sagt von Ow-Haag auf SÜDKURIER-Nachfrage. Hier sei die Unsicherheit, was die nächsten Monate mit sich bringen, einfach zu groß gewesen.

Dennoch hoffen auch die Füchse, dass wenigstens die Dorffasnet und kleinere Veranstaltungen wie der Frühschoppen stattfinden kann – unter welchen Maßregeln wird sich zeigen.

Die Untersigginger Füchse, die in diesem ihr 40-jähriges Bestehen haben, verzichten auf ihren Dämmerungsumzug im Januar.
Die Untersigginger Füchse, die in diesem ihr 40-jähriges Bestehen haben, verzichten auf ihren Dämmerungsumzug im Januar. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Abwarten in Bermatingen

Bei der Bärenzunft Bermatingen möchte man die Entscheidung der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee abwarten. Doch Zunftmeister Robert „Flepp“ Müller sieht keine „reelle Chance“ die Fasnacht mit den geltenden Abstandsregeln und sonstigen Vorgaben durchzuführen.

Zunftmeister Robert „Flepp“ Müller, Bärenzunft Bermatingen, sieht keine reelle Chance auf die Fasnet 2021.
Zunftmeister Robert „Flepp“ Müller, Bärenzunft Bermatingen, sieht keine reelle Chance auf die Fasnet 2021.

Michael Poisel, Zunftmeister NV Moschtobst Ahausen, ist der gleichen Meinung: „Eine Fasnet 2021 kann ich mir ohne Impfstoff und Medikament nicht vorstellen. Die Umzugsveranstaltungen zwischen Drei-König und der Kernfasnet wären nicht kontrollierbar.“ Poisel möchte die Hoffnung aber noch nicht ganz aufgeben: „Vielleicht reicht es noch zu einer Dorffasnet.“