Mit einem klaren Bekenntnis zum Mehrgenerationenhaus (MGH) haben die Fraktionen des Gemeinderates den Sachstandsbericht der MGH-Verantwortlichen über ihre Angebote und künftigen Aufgabenschwerpunkte zur Kenntnis genommen. Wie die MGH-Leiterinnen Waltraud Zeller-Fleck und Renate Hold erläuterten, gebe es im neuen Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus der Bundesregierung nun das Schwerpunktthema demografischer Wandel. In diesem Spektrum sei man mit einem großen Teil der aktuell 81 Angebote und Aktivitäten aber bereits sehr gut aufgestellt, so Zeller-Fleck.

Ein Jahresbudget von 246 000 Euro hat der MGH-Trägerverein Familienforum Markdorf. Diese Gelder gehen größtenteils auch wieder zweckgebunden heraus, hieß es. Mit 14 hauptamtlichen Mitarbeitern, die vier Vollzeitstellen bekleiden, sei man als Verein ein "großer Arbeitgeber", sagte Hold. Doch nicht nur das. Wertvoll sei das MGH für Markdorf vor allem als "Drehscheibe für bürgerschaftliches Engagement", so Zeller-Fleck. 164 Ehrenamtliche ohne Aufwandsentschädigung und 61 Ehrenamtliche mit Aufwandsentschädigung bieten über das MGH den Bürgern der Stadt ihre Dienste an, in Kursen, Workshops, Beratungen, in der Kleinkindbetreuung und bei Hilfen aller Art. Würde man nur den Mindestlohn von 8,84 pro Stunde anlegen, spare die Stadt alleine durch die Leistungen der Ehrenamtlichen rund 16 300 Euro im Monat ein. "Ein Schatz für Markdorf", wie Hold verdeutlichte.

Geld ist natürlich immer ein Thema beim MGH, das auf die Förderung der Stadt und des Bundes angewiesen ist. 133 400 Euro hat das MGH im vergangenen Jahr aus dem städtischen Haushalt bekommen, im Haushalt 2018 sind 116 000 Euro angesetzt. Darin enthalten sind auch die Miet- und Personalkostenzuschüsse sowie die Ko-Förderung der Kommune in Höhe von 10 000 Euro, der nötig ist, um den Zuschuss des Bundes von 30 000 Euro zu bekommen. Tatsächlich sei der geldwerte Rückfluss an die Stadt jedoch viel höher als jene 16 300 Euro im Monat, betonte Bürgermeister Georg Riedmann: "Denn wer arbeitet schon nur für den Mindestlohn?" Dennoch muss die Finanzierung des MGH stets aufs Neue sichergestellt werden. Jährlich muss ein neuer Antrag auf Bezuschussung beim Bund gestellt werden. Bis Ende 2020 läuft das aktuelle Bundesprogramm noch und bis dahin gebe es wohl keine Aussicht auf eine verstetigte Finanzierung, so Hold.

Als eine "Brücke in die Stadtgesellschaft" verstehe sich das MGH, betonte sie. Die enge Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung sei dabei unerlässlich. Markdorf sei in vielerlei Hinsicht der "Sozialraum" des Generationenhauses: Es sei Angebotserbringer, man beteilige sich an kommunalen Planungsprozessen, arbeite in Arbeitskreisen mit und stimme sich auf der kommunalen Leitungsebene mit dem Rathaus ab.

"Was braucht es für Markdorf, damit wir in Zukunft gut leben können?" Dies sei ein zentraler Leitgedanke der MGH-Arbeit, betonte Hold: "Und dafür wollen wir uns gerne anbieten." In der Flüchtlingshilfe etwa – mit dem Arbeitskreis Flucht und Asyl, mit dem Möbelkreisel, aber auch mit Kurs- und Treffangeboten – sei man längst schon auf dem vom Bund gewünschten Weg für die MGHs. "Die Vielfalt ist für uns schon eine Selbstverständlichkeit", so Hold.

Aktuelles rund ums Generationenhaus

  • Zahlen und Fakten: Mitglieder: 313 (Familien) im Familienforum Markdorf, 171 im MGH e.V. Das Jahresbudget 2018 beträgt 246 000 Euro, im MGH arbeiten 14 hauptamtliche Mitarbeiter auf vier Vollzeitstellen. Rund 30 geringfügig Beschäftigte, Bundesfreiwillige, Jobcenter-Vermittelte und Praktikanten arbeiten im Jahreslauf mit. 160 Personen gehen täglich im MGH ein und aus, davon nutzen im Schnitt 62 den offenen Treff, der an 45 Stunden in der Woche (auch sonntags) geöffnet ist. 81 Angebote und Aktivitäten stehen zur Verfügung. Insgesamt werden über das MGH jährlich 18 560 ehrenamtliche Stunden geleistet.
  • Das sagen die Fraktionen: Einhellig gab es am Dienstagabend quer durch die Fraktionen viel Lob für die MGH-Verantwortlichen. Als "beeindruckend" bezeichnete Martina Koners-Kannegießer (CDU) die MGH-Arbeit. Man sehe, wie viel "Herzblut und Kompetenz" vorhanden sei, die Fülle des Ehrenamts sei "enorm", so UWG-Sprecherin Susanne Deiters Wälischmiller. Eine "tolle Sache", auch wenn er bekanntlich nicht mit allen Inhalten und Ausrichtungen konform gehe, äußerte sich FW-Sprecher Dietmar Bitzenhofer. Der Mehrwert sei aber nicht monetär zu beziffern, lobte auch er. Dass jeder Willige nach seiner Weise seine Fähigkeiten einbringen könne, sei ungemein wertvoll, sagte SPD-Sprecher Uwe Achilles.
  • Ein großer Wunsch: In den Abendstunden stoße man an räumliche Kapazitätsgrenzen, sagte Zeller-Fleck. Sie bat die Verwaltung, zu prüfen, ob das MGH auch abends leerstehende Räumlichkeiten der Stadt, wie etwa Kindergärten, nutzen könne. Dieser Wunsch stieß bei allen Fraktionen auf Verständnis, die Räte signalisierten ihre Bereitschaft, sich dafür einzusetzen. Auch Riedmann sagte: "Wir werden auf dem kleinen Dienstweg sicherlich eine Lösung finden."