Größer, höher, breiter – diese Tendenz ist bei allen Neubauten und Bauvorhaben auch in Immenstaad nicht zu übersehen – an vielen Stellen im Ort und besonders augenfällig im alten Ortskern mit Hauptstraße und Bachstraße. Weil es sich hier um einen sogenannten unbeplanten Innenbereich handelt, wird dort für Bauvorhaben Paragraph 34 des Baugesetzbuchs herangezogen. Danach muss sich ein Gebäude in die Umgebungsbebauung einfügen – worüber es in der Bevölkerung, aber auch im Gemeinderat immer wieder sehr unterschiedliche Auffassungen gibt.

Auch die Bürger sollen mitreden

Jetzt hat der Gemeinderat auf einer Prioritätenliste zur städtebaulichen Entwicklung einen Rahmenplan für den Bereich Hauptstraße und Bachstraße an oberste Position gesetzt. Einen qualifizierten Bebauungsplan für Haupt- und Bachstraße zu erstellen sei extrem aufwändig – eigentlich kaum machbar, hat Bürgermeister Johannes Henne schon bei mehreren Gelegenheiten erklärt. "Ein Rahmenplan macht fast die gleichen Vorgaben wie ein Bebauungsplan und manifestiert politischen Gestaltungswillen – aber eher auf informeller Ebene", erklärt Henne auf Nachfrage. Der Rahmenplan für Haupt- und Bachstraße könne als Basis für eine Leitlinie für die ganze Gemeinde genutzt werden und auch als Grundlage für eine formale Bauleitplanung dienen. "Ein Rahmenplan zielt zudem auf Bürgerbeteiligung", erklärt Henne weiter. Neben Gebäudeformen und -anordnung sollen dabei auch soziale und ökologische Faktoren eine Rolle spielen. An einem solchem Rahmenplan können sich Eigentümer und Investoren bei ihren Vorhaben orientieren. Bei rechtlichen Auseinandersetzungen finde ein Rahmenplan durchaus Beachtung, sagt Henne.

An der Hauptstraße und hier an der Ecke zur Bachstraße wird und wurde jüngst viel gebaut. Darüber, ob die neuen Gebäude ins Ortsbild passen, gibt es unterschiedliche Meinungen.
An der Hauptstraße und hier an der Ecke zur Bachstraße wird und wurde jüngst viel gebaut. Darüber, ob die neuen Gebäude ins Ortsbild passen, gibt es unterschiedliche Meinungen. | Bild: Gisela Keller

Areal um Gasthaus Schiff im Fokus

Über einen Bebauungsplan für ein weiteres besonders sensibles Stück Immenstaad, die Südliche Seestraße West, debattierte der Gemeinderat zuletzt öffentlich im Jahr 2013. Nach Abschluss einiger Planverfahren, die zwischenzeitlich mit höherer Priorität bearbeitet wurden, ist insbesondere das Areal des Gasthauses Schiff jetzt gleich nach der Leitlinie für Haupt- und Bachstraße wieder an einen Spitzenplatz in der Prioritätenliste gerückt. Das Schiffsareal ist auf dem Planentwurf von 2013 als Sondergebiet Hotel und Gastronomie ausgewiesen. Ein wichtigstes Ziel bleibt, das Schiffsareal für Öffentlichkeit und Fremdenverkehr zu erhalten.

Ebenfalls mit Priorität 1 steht an dritter Stelle "Änderung Teilbereich des Plangebietes "Hardt-Horn" Welches Gebiet das genau betrifft, sei noch nicht endgültig definiert, erklärte Hauptamtsleiter Michael Haase auf Anfrage dieser Zeitung, es gehe hier auch um private Anträge.

Unter Priorität 2 einsortiert wurden der Bebauungsplan Austraße in Kippenhausen und die Überarbeitung alter Bebauungspläne. Hierbei gehe es vor allen darum, die alten Bebauungspläne zu identifizieren, die man möglichst bald überarbeiten solle, erklärte Bürgermeister Johannes Henne.

Mit Priorität 3 steht jetzt der Bebauungsplan für den Helmsdorfweg und ein ergänzendes Verfahren zum Gebiet Brühl in Kippenhausen auf der einstimmig verabschiedeten Liste des Gemeinderats.