Mit langen Gewändern, Kopfschmuck, Weihrauch und einem großen goldenen Stern ziehen sie in Immenstaad von Haus zu Haus: Die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Selbst vor Sturm und Regen am Mittwochmorgen machen sie keinen Halt. "So ein Sauwetter hatten wir noch nie", meint Levi (14), "ein bisschen weniger Wind wäre gar nicht schlecht." Der Sechstklässler ist zum zweiten Mal bei der Aktion dabei, seine Freunde Julius (12), Philipp (13) und Manuel (12) sind bereits seit sechs Jahren als Sternsinger unterwegs. "Einmal hat es ganz schön geschneit. Das war aber lange nicht so schlimm wie der Regen heute", erinnert sich Philipp. Drei Tage lang ziehen die Kinder durch die Ortschaft, um den Menschen Segen für das neue Jahr zu bringen. Bei ihrer Reise folgen sie dem Stern, um ein Licht der Hoffnung zu den Bürgern zu bringen. An die Türen schreiben sie 20*C+M+B+18 für "Christus mansionem benedicat", "Christus segne dieses Haus". Dahinter die neue Jahreszahl. Zugleich bitten sie die Bewohner um Spenden – dieses Mal für Projekte gegen Kinderarbeit in Indien und weltweit.

Während sich die Könige durch den strömenden Regen von Haus zu Haus kämpfen, machen sie nicht immer positive Erfahrungen. So bleiben zahlreiche Türen verschlossen oder werden – sobald die Kinder in Erscheinung treten – wieder zugeknallt. Und das, obwohl niemand zu einer Spende gezwungen wird. "Natürlich müssen die Leute uns nichts geben. Wenn es aber passiert, dass wir blöd angemacht werden, finde ich es gemein", sagt Julius. Viele andere Immenstaader sind nicht zu Hause, weil sie beim Arbeiten oder im Urlaub sind.

Die Sternsinger werden von Oberbürgermeister Andreas Brand (von links) im Häfler Rathaus begrüßt: Jeffry, Ferdinand, Antonia, Luca und Jan von der Kirchengemeinde St.&nbsp;Nikolaus überbringen am Mittwoch ihren Segen. <sup></sup>Bild: Stadt Friedrichshafen
Die Sternsinger werden von Oberbürgermeister Andreas Brand (von links) im Häfler Rathaus begrüßt: Jeffry, Ferdinand, Antonia, Luca und Jan von der Kirchengemeinde St. Nikolaus überbringen am Mittwoch ihren Segen. Bild: Stadt Friedrichshafen | Bild: Stadt Friedrichshafen

Trotz allem bleiben den vier Sternsingern viele besondere Erlebnisse in Erinnerung: "Einmal haben wir geklingelt und dann kam jemand ganz nackt zur Tür, weil er gerade geduscht hat, das war witzig", erzählt Julius. Und ein anderes Mal seien sie von einer älteren Dame alle auf eine Tasse Tee eingeladen worden. "Das war wirklich nett, lange sind wir dort aber nicht geblieben. Wir haben ja eine Aufgabe zu erfüllen", sagt Manuel. Grund für die Jungs, bei der Aktion mitzumachen, ist neben dem Spaßfaktor auch der Gedanke, helfen zu können. "Die Spenden sind für Kinder, denen es nicht so gut geht wie uns. Es ist schön, dass wir für die etwas tun können", findet Manuel.

Neben freundlichen Menschen, die den Kindern Spenden in die Hand drücken, gibt es auch einige, die mit Süßigkeiten in der Hand zur Tür kommen. "Wir bekommen jedes Jahr viele Leckereien, zum Beispiel Gummibärchen", sagt Philipp. Und im Heimatdorf kennen die Sternsinger einige Anwohner, was die Freude auf beiden Seiten nochmals verstärkt. Als schöne Tradition werden die Heiligen Könige zum Beispiel von Thomas Schlude wahrgenommen. "Wenn man so wie ich damit aufgewachsen ist, dann freut man sich einfach, wenn die Kinder singend vor der Türe stehen, gerade, wenn man sie kennt", sagt der Dorfbewohner, nachdem Julius, Philipp, Manuel und Levi ihr Sternsingerlied zum Besten gegeben haben.

Begleitet werden die vier Jungs von Dietmar Heberle. Wie sein Sohn Manuel ist er seit sechs Jahren mit dabei und kennt sich dementsprechend mit den Traditionen des Dreikönigstages bestens aus. "Wenn man Kinder hat, die hier aktiv sind, ist es normal, dass man sich beteiligt und hilft. Es ist halt kein Ferienprogramm, bei dem man die Kinder einfach abgegeben kann", sagt Heberle. Und im Normalfall – vorausgesetzt das Wetter spielt mit – mache es dem Vater auch Spaß. "Wir werden das für heute abbrechen und morgen weitermachen, nicht dass wir krank werden", kündigt Heberle am Mittwoch nach einem 40-minütigen Regenmarsch an.

Eltern sind es auch, die dabei helfen, die Kinder auf die Aktion vorzubereiten. "An einem Abend treffen wir uns, um Gruppen einzuteilen, Kleider auszuteilen und das Sternsingerlied zu üben", sagt Sabine Heberle. Leider seien es immer weniger Kinder und Jugendliche geworden, die als Könige verkleidet um die Häuser ziehen. "Mit dem Nachwuchs sieht es schlecht aus. Viele sind nach Neujahr im Skiurlaub, einige haben keine Lust, mehrere Tage zu laufen und insgesamt veraltet die Tradition", erklärt sie. Julius, Manuel, Philipp und Levi sind sich dafür sicher: "Wir laufen auch noch die nächsten Jahren mit."

Das bringt die Tradition mit sich

  • Der Brauch: Sternsingergruppen ziehen traditionell in der Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag durch die Gemeinden, um ihren Segen an den Türen anzubringen. Meist sind die Sternsinger Kinder, die als die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar verkleidet sind. Mit Weihrauch und Spendenbox sammeln sie Geld für wohltätige Zwecke. Erstmals nachweisbar war der Brauch im 16. Jahrhundert. Das Sternsingen geht auf die Erwähnung der drei Weisen zurück, die mit den Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe ausgestattet waren. Einer der Könige wird traditionell als Mohr dargestellt. Er steht als Vertreter für Afrika, während die beiden anderen für Europa und Asien stehen.

Unter dem diesjährigen Motto "Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit" kommt das gesammelte Geld hilfsbedürftigen Kindern zugute. Rund 60 Millionen Kinder weltweit arbeiten in Fabriken, Steinbrüchen oder anderen Arbeitsstätten. Wie es in einer Mitteilung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend heißt, sollen die Spenden in diesem Jahr gegen Kinderarbeit sowie für den Schulbesuch dieser Kinder eingesetzt werden. Im Jahr 2017 sind bei der Aktion in Baden-Württemberg 46,8 Millionen Euro zusammengekommen.

  • Immenstaad: 21 katholische und evangelische Kinder zwischen sechs und 15 Jahren ziehen noch bis zum 5. Januar durch den Ort. Die Sternsinger sind in fünf Gruppen mit jeweils einem Erwachsenen unterwegs. Organisiert wird die Sternsingeraktion in Immenstaad von Markus Bergmann, Sabine Heberle sowie Jutta Kahapka. Ein feierlicher Abschlussgottesdienst mit allen Sternsingern und Helfern findet am 6. Januar um 10.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Jodokus unter der Leitung von Pfarrer Wilhelm Wahl statt.
  • Friedrichshafen: Insgesamt 50 Sternsinger von St. Petrus Canisius und St. Nikolaus ziehen von Haus zu Haus. Dabei starten die Kinder jeden Nachmittag in der ersten Woche des Jahres von der katholischen Kirche St. Petrus Canisius und verteilen sich dann in der Innenstadt. Als offizieller Abschluss findet am 6. Januar ein gemeinsamer Gottesdienst mit allen Sternsingern statt. (lip)